Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
112
Erscheinungsjahr:
2013
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_112/160/
159 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 112, 
2013In 
den Zeitspiegel schauen: St. Theodul auf dem Stamp-Walk Kommen wir zum Schluss. Briefmarken bringen Kunst- werke mit Inhalten und Zeitbezügen im künstlerischen Gewand unter die Leute, überall. Das Museum für Kom- munikation in Bern zeigt eine Briefmarken-Ausstellung unter dem schönen Titel «Bilder, die haften». Ja, die kleinen Kunstbilder haften auf dem Brief, aber insbe- sondere haften sie in der Erinnerung. Sie halten im öf- fentlichen Bewusstsein Erinnertes fest. Wen solches ein- gehender anzieht: Blättern im neuen «Liechtensteiner Briefmarkenkatalog» (redigiert von Peter Marxer), der das ganze Briefmarkenjahrhundert 1912–2012 Jahr für Jahr und Marke für Marke dokumentiert, und Lesen im erläuternden «Motivhandbuch Liechtenstein» von Ernst Schlunegger, ebenfalls in neuer Ausgabe 2012, und erst noch ein Gang zu den Originalen im Postmuseum in Va- duz, all dies eröffnet faszinierende Blicke in einen kalei- doskopisch reichhaltigen Liechtenstein-Zeitspiegel. Die Briefmarken, heutige wie ältere, bieten Briefemp- fängern und neugierigen Betrachtern täglich beiläufige Gelegenheit zum Schauen, zum Nachdenken, zum spie- lerischen Fragen. So wie in Vaduz an einem Tag im Ju- biläumssommer 2012 dem Schreibenden zugefallen: Da haftet als Teil des Stamp-Walks auf dem Boden vor dem Schuh geschäft Rechsteiner, zwischen den ausgestellten Grössen 39 und 40, die 1968er Kirchenpatron-Marke 
St. Theodul von 
Georg Malin in Übergrösse (Abb. 34). Der Betrachter sinniert vor Marke und Schuhen: Wer war Theodul? Weshalb trägt der Heilige rote Schuhe, gleich wie das Teufelchen? Und warum trägt der Teufel eine Glocke? Wohin? Aus der Legende wissen wir: Er trägt die heilkündende Glocke für Bischof Theodul von Rom nach Sitten ins Wallis und zu den Walsern nach Triesen- berg – und vielleicht bis in unsere 
Gegenwart. 
Fotokunst Fotokunst hält zusehends Einzug auf Marken. Die chine- sische Fotokünstlerin 
Xiao Hui Wang hat 2010 Liechten- stein besucht und für 2011 ein Markensujet geliefert, als Moment-Impression 
24 Stunden in Liechtenstein: Eine Foto- aufnahme von Wasser, Seerosen und Schloss Gutenberg- Spiegelung, poetisch-impressionistisch, rahmenlos (Abb. 33). Ähnliches gilt formal für die zusehends häufigen Marken mit Fotosujets. Aus ihnen ragt etwa jene Marke von 2009 von 
Marco Nescher mit seiner Aufnahme 
Lang- spitz mit Mond heraus (Abb. 32), erschienen zum 100-jäh- rigen Bestehen des Liechtensteiner 
Alpenvereins. Tradition und Moderne Das 
Würdig-Traditionelle behauptet sich daneben durch- aus. So in der Marke zum Jubiläum 
150 Jahre Verfassung 1862–2012: Sie verbindet die alte damalige Handschrift mit dem Münzbild des jungen Fürsten Johann II., der 1862 die konstitutionelle Verfassung, vereinbart mit dem Landtag, gegeben hatte. Oder Tradition wird mit Neuem verquickt, nicht ohne Witz, etwa wenn eine liechtenstei- nische Briefmarke von 2012 die geschmückten 
Alpab- fahrt-Kühe vor der modernen 
Landtags-Ziegelarchitektur über den 
Peter Kaiser-Platz paradieren lässt, über dem Schriftzug 
«Europa» (Abb. 31). Abb. 34: St. Theodul-Marke 1968 von Georg Malin auf dem Stamp- Walk in Vaduz, 2012. Kapitel_6_Geiger.indd   15911.06.13   15:49
        

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