DIE FUNDMÜNZEN VOM KIRCHHÜGEL BENDERN HARALD RAINER DERSCHKA Jahrhunderts vorwiegend zur Deckung des dorti- gen lokalen Kleingeldbedarfes geprägt worden.98 Ferner fand sich noch ein Heller aus Schaffhau- sen (Nr. 126, letztes Drittel des 16. Jahrhunderts). Solche Heller kommen im Nahbereich der Stadt Schaffhausen häufiger vor, gelangten aber nicht mehr selbstverständlich in die peripheren Land- schaften des Bodenseeraumes.99 Dem weiteren Umland des Bodensees lassen sich die fünf Fund- münzen aus den Allgäustädten Isny und Kempten zuzählen. Mit dem Isnyer Batzen (Nr. 77, 1508) und dem Kemptener Groschen (Nr. 81, 1554) liegen vergleichsweise grosse Nominale vor; daneben ist Kempten noch mit drei häufigeren Pfennigen (Nrn. 78-80, etwa 1510-1600) vertreten. Demgegenüber beschränkt sich der Anteil Chur- rätiens als südlicher Nachbarregion des Alpen- rheintales an den Benderer Fundmünzen des 16. Jahrhunderts auf einen einzigen Pfennig Bischof Peters II. Rascher von Chur (Nr. 51, 1581-1601). Dieser Umstand erstaunt doch ein wenig; schliess- lich kommen Pfennige Peters IL anderenorts häufi- ger vor.100 Nach der Lücke im späten Mittelalter liegen jetzt auch wieder italienische Münzen vor, nämlich zwei mailändische Trilline (Nr. 141, 1515-1522; Nr. 142, 1556-1598) sowie ein päpstlicher Bianco aus Bolo- gna (Nr. 139, 1534-1549). Dabei übertrifft insbe- sondere der über 5 Gramm schwere Bianco die auf den Benderer Grabungen hauptsächlich geborge- nen Pfennignominale im Wert um ein Vielfaches - 91) Zäch, Benedikt: Fremde Münzen im Geldumlauf der mittelalterli- chen Schweiz (11.-15. Jh.): Beobachtungen. Fragen, Perspektiven. In: Travaini, Moneta locale, S. 401-442; hier insbes. S. 428. 92) Derschka, Konstanz, Katalog ab S. 908. 93) Krusy, Hans: Gegenstempel auf Münzen des Spätmittelalters. Frankfurt a. M., 1974, verzeichnet für die Städte des Bodenseerau- mes wie für den Riedlinger Münzhund nahezu ausschliesslich gegengestempelte Prager Groschen; ausnahmsweise kommen auch Mailänder Münzen mit Gegenstempeln vor. 94) Kempten wie Anm. 81. 95) Dieser Gliederung des Materiales eignet freilich eine gewisse Willkür. Aus der Perspektive der politischen Geschichte läge eine Zweiteilung der Frühen Neuzeit in ein Zeitalter der Konfessionalisie-rung 
und ein Zeitalter des Absolutismus, welche durch den Westfäli- schen Frieden von 1648 getrennt sind, näher; vgl. die Diskussion der Periodisierungsansätze bei Schmidt, Heinrich Richard: Konfessiona- lisierung im 16. Jahrhundert. München. 1992. (Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd. 12). ab S. 116. - Aus der hier insbesonde- re interessierenden Perspektive der Wirtschaftsgeschichte böte sich eine dreigeteilte Periodisierung nach dem «langen 16. Jahrhundert», also der Aufschwungperiode vom Spätmittelalter bis etwa 1620, anschliessend der Stagnations- bzw. Rez.essionspha.se zwischen etwa 1620 und 1720 und schliesslich dem Wiederaufstieg, der in die Industrielle Revolution mündete, an; vgl. Hinrichs. Ernst: Einführung in die Geschichte der Frühen Neuzeit. München, 1980, ab S. 123. - Ferner liesse sich die regionalhistorische Perspektive stärker be- leuchten, konkret die frühneuzeitliche Herrschaftsgeschichte im Alpenrheintal; vgl. dazu aber unten Anm. 141 und die damit zusam- menhängenden Überlegungen. - Für die hier gewählte Einteilung nach Jahrhunderten lässt sich allenfalls geltend machen, dass insbesondere die zahlreichen Zürcher und Churer Kleinmünzen typologisch noch nicht so weit aufgearbeitet sind, dass eine Feinda- tierung möglich wäre, die über die Zuweisung zu den Jahrhunderten hinausginge. Zur Frühen Neuzeit werden hier auch einige Augsbur- ger und österreichische Münzen vom Beginn des 19. Jh.s gerechnet, mit denen Emissionen des 18. Jh.s auslaufen. 96) Wielandt, Schaffhausen, S. 30-31. - Vgl. Cahn, Konstanz. S. 310-311. - Roller. Reichenau. S. 554-555. 97) Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, dass neuerdings respektable Argumente für eine Neudatierung dieser Zweier ins 17. Jahrhundert vorgebracht werden: Auktion Leu 73: Münzen und Medaillen. Schweiz. Deutschland. Sammlung Konstanz, Renais- sancemedaillen - Bergbauprägungen. Zürich 1998, Nr. 1017, S. 215-2 16. 98) Demgegenüber fehlen in Bendern St. Galler Kleinmünzen des 17. und 18. Jh.s, die sich sonst allenthalben finden. 99) Die Konstanzer Innenstadtgrabungen erbrachten 34 Schaffhau- ser Heller; hinzu kommt eine private Fundbergung; Derschka. Konstanz. Nrn. 207-219, 402-423; Anm. 232, Nr. 4, S. 887. - Ferner liegt aus Konstanz noch ein Schaffhauser Pfennig als Neu- fund von der Wessenbergstrasse 12 vor; ders.: Die Häuser zum Helm/Kollöffel und zum Weissen Widder (Wessenbergstrasse 12) in Konstanz - Bemerkungen zu ihrer bauhistorischen und archäologi- schen Erforschung sowie zu den Fundmünzen aus den Fehlböden. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg 23 (1999), S. 1006-1049; hier Nr. 51. S. 1046. - In Kempten fanden sich demgegenüber nur ein Schaffhauser Pfennig des 16. Jh.s und ein Groschen von 1597 (Kempten wie Anm. 81). Das massenhafte Vorkommen in Konstanz und die eher spärliche Ausbeute in Kempten und dem Alpenrheintal (die Fundregesten in: Zäch, Alpenrheintal. ab S. 233, verzeichnen nur diesen einen Heller aus Bendern) deuten auf ein enges Umlauf- gebiet des Schaffhauser Geldes. - Schmutz, Daniel: Die Verbreitung des Schaffhauser Pfennigs 1200-1330. In: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 73 (1996). S. 27-46; hier S. 45. konstatiert bereits für das Mittelalter die lokale Beschränktheit des Umlaufs Schaffhauser Münzen. 100) Kempten wie Anm. 81: 15 Ex.: nämlich Reichsstrasse 8: 13 Ex.. Mühlberg 8: 2 Ex. - Immenstaad: 1 Ex.; Klein, Ulrich: Die Fundmün- zen aus der Pfarrkirche St. Jodokus in Immenstaad. In: Immenstaa- der Heimatblätter 13 (1990). S. 129-147; hier Nr. 31, S. 136. 109
        

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