zum Erliegen, weshalb der Kleingeldbedarf durch fremde, teilweise weiter entfernt geprägte Münzen gedeckt werden musste.91 Meissen-Sachsen hatte sich im frühen 15. Jahr- hundert unter Markgraf Friedrich IV. (seit 1423 Kurfürst Friedrich I.) entscheidend konsolidiert; al- lerdings zeitigte die enorme meissnisch-sächsische Groschenprägung, die anderwärts den Umlauf von mittleren und grösseren Silbermünzen entschei- dend speiste, im Alpenrheintal - soweit ersichtlich - überhaupt keinen Niederschlag. Auch aus Kon- stanz sind bislang keine mittelalterlichen Münzen aus Sachsen bekannt;92 ferner kennt man keine Meissner Groschen mit Gegenstempeln aus dem Bodenseeraum.93 Unter den Kemptener Zwischen- bodenfunden hat es immerhin einen halben Schwert- groschen und einen Dreier der Kurfürsten von Sachsen.94 
DIE FRÜHNEUZEITLICHEN FUNDMÜNZEN Vergleicht man die Herkunftsorte der frühneuzeitli- chen Münzen aus dem Benderer Fundgut (Karten 2 bis 4) mit den mittelalterlichen Verhältnissen, so zeigen sich weitaus mehr Gemeinsamkeiten als Un- terschiede. Es überwiegen Münzherrschaften aus dem süddeutsch-schweizerischen Raum; nach wie vor spielt Italien eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Darüber hinaus tritt jetzt auch Mitteldeutsch- land deutlicher hervor; als echte Neuerung erweist sich die massive Versorgung des Münzumlaufes mit Geld aus dem Osten, nämlich dem bayerisch-öster- reichischen Raum, während das zentrale Schwa- ben seine Bedeutung praktisch vollständig ein- büsst. Ein Blick auf die Details offenbart weitere Schwerpunktverlagerungen.95 Im 16. Jahrhundert zeichnet sich als wichtigster Ergänzungsraum für den Münzumlauf der weitere Bodenseeraum ab. Von den insgesamt 31 Münzen dieses Zeitraumes wurden neun in Münzstätten der unmittelbaren Uferlandschaften geprägt: Die Reihe eröffnet ein Pfennig der äbtisch reichenauischen Münzstätte Radolfzell (Nr. 115). Dort liess Abt Mar- tin von Weissenburg in den Jahren 1500/1501 durch einen unseriösen Münzmeister untergewich- tige Münzen wie das vorliegende Stück prägen, dessen Ähnlichkeit mit den zeitgenössischen Kon- stanzer Pfennigen durchaus beabsichtigt war.96 Die Stadt Konstanz ist mit sechs Münzen vertreten; da- mit stellt diese Münzstätte den grössten Anteil an den Münzen des 16. Jahrhunderts. Bei diesen han- delt es sich sämtlich um Zweipfennigstücke, die zwischen 1535 und 1574 geprägt wurden (Nrn. 82-87). Diese Zwaygerli treten auch anderwärts häufig auf; dies und der Umstand, dass alle sechs Benderer Stücke offenbar mit verschiedenen Stem- peln geschlagen wurden, beweisen ihre Massen- haftigkeit und damit ihre Bedeutung für den dama- ligen Kleingeldverkehr.97 Dagegen liegt nur ein Hel- ler der Stadt St. Gallen vor (Nr. 125), obschon sich St. Gallen anschickte, Konstanz als wirtschaftliches Zentrum des Bodenseeraumes abzulösen; es scheint, als wären die St. Galler Münzen des 16. 108
        

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