DIE FUNDMÜNZEN VOM KIRCHHÜGEL BENDERN HARALD RAINER DERSCHKA Ulmer Stadtschildes zu sehen ist. Ebenfalls der Stadtschild verrät den Nürnberger Heller (Nr. 24, 1470-1473). Problematisch ist demgegenüber die Zuweisung eines kleinen Hellers, der einerseits einen Adler, andererseits ein Hellerkreuz zeigt (Nr. 28). Diese wenig signifikanten Merkmale finden sich auf Hel- lern des späten 14. Jahrhunderts aus der Reichs- münzstätte Frankfurt am Main. Indes kommen Stücke wie dieser Benderer Fundheller in fränki- schen Münzhorten des 15. Jahrhunderts vor. Daher wird jetzt die Zuweisung nach Neumarkt in der Oberpfalz bevorzugt; sollte das zutreffen, Hessen sich diese Heller in eine kurze Prägeperiode zwi- schen etwa 1458 und 1460 datieren.87 Schliesslich wären noch je ein Pfennig des 15. Jahrhunderts der Stadt Ravensburg (Nr. 29, 1423- 1503), der Bischöfe von Speyer (Nr. 33, 1459- 1463), der Grafen von Württemberg (Nr. 37) sowie ein Hohlringheller der Kurfürsten von Sachsen (Nr. 1451-1456) zu nennen. Bei den ersten drei Münzen handelt es sich wohl um typische Vertreter des seinerzeitigen Geldumlaufes im Alpenrheintal: Vergleichbare Stücke sind auch durch den Hort- fund im Schelienberger Wald vielfach überliefert;88 ein Ravensburger Pfennig liegt ferner noch von der Unteren Burg von Schellenberg vor.89 Bislang etwas isoliert steht der in Wittenberg geprägte Heller Kurfürst Friedrichs II. mit dem Schwerterwappen da.90 Werten wir ihn als Beleg für die von Bene- dikt Zäch konstatierte «Kleingeldwanderung» des 15. Jahrhunderts: In den meisten schweizerischen Münzorten kam die Kleingeldproduktion in den 1420er und dann wieder in den 1470er Jahren 76) Vgl. oben Anm. 23, 38. 77) Vgl. Büchel, Bendern, Regesten ab S. 120. 78) Nr. 19 ist verschollen und lag mir nicht im Original vor. 79) Vgl. die beiden Stücke aus dem Schelienberger Wald (1930/31): Zäch. Alpenrheintal: Fundregest Nr. 6, S. 234 und den Angster von der Kirchengrabung St. Luzius und Florin in Walenstadt SG (1973): Zäch. Alpenrheintal: Fundregest Nr. 29. S. 237. 80) Abgebildet in: Zäch, Alpenrheintal, S. 231. Zur Datierung der Luzerner Angster und Haller grundsätzlich ders., Luzern (wie 
Literaturverzeichnis). Zum Problem der Zuweisung von Angstern und Hallern des frühen 15. Jh.s mit Bischofsbüste; Derschka. Konstanz. S. 877-879. 81) Insgesamt 10 Stücke aus Zwischenböden (Ankergässele 2: Pfennig 1435-1446; Mühlberg 8: Halbpfennig 1476-1650; Reichs- strasse 8: zwei Pfennige, fünf Halbpfennige 1435-1446, ein Halb- pfennig 1476-1650). Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fundmünzen sowie verwandte Objekte aus Kempten im Allgäu sind bestimmt und ausgewertet: eine Gesamtpublikation durch den Verfasser ist in Vorbereitung. - Zur Bedeutung Freiburgs vgl. Mo- rard. Nicolas: Line kurze Blütezeit. Die Freiburger Wirtschaft im 14. und 15. Jahrhundert. In: Geschichte des Kantons Freiburg. Bd. 1. Freiburg i. Üe.. 1981, S. 227-274; hier ab S. 249. 82) Dazu grundsätzlich: Wielandt. Friedrich: Der Heller am Ober- rhein. In: Hamburger Beiträge zur Numismatik 5 (1951), S. 32-61. - Nau, Heller. S. 71-75. 83) Von den zehn sicher der Reichsmünzstätte Schwäbisch Hall zuweisbaren Hellern aus Konstanz kommen allein fünf aus dem Bodenmaterial der Stephanskirche, deren Baubeginn frühestens ins Jahr 1408 fällt. Fin weiterer Heller von der Marktstätte fand sich in einem Befund, der jünger als ein auf 1392/93 dendrodatierter Befund sein muss (Derschka. Konstanz. S. 876). - Das reiche Fund- material aus Kempten überliefert zwölf Heller vom Radkreuz-Typ. Wollte man deren Umlaufzeit auf die erste Hälfte des 14. Jh.s beschränken, lägen überhaupt keine Münzen aus der zweiten Jahrhunderthälfte vor. Da die Masse der Kemptener Fundmünzen in Zwischenböden überliefert ist, in denen sich das Fundgut augen- scheinlich erst seit dem 15. Jh. kontinuierlich ansammelte, ist ein Verlust der Heller seit dem späteren 14. Jh., wenn nicht gar noch später, wahrscheinlich (Kempten wie Anm. 81). Die Frage der Hellerchronologie kann noch nicht als abschliessend beantwortet gelten. 84) Steinhilber, Dirk: Geld- und Münzgeschichte Augsburgs im Mittelalter. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 5/6 (1954/55). S. 5-143: hier S. 45. 85) Nau, Heller, Nr. 11. S. 73. - Eher für Österreich, Münzstätte Rottenburg, optiert Schahl, Hellerfunde, S. 235. 86) Nau, Heller, Nr. 17, S. 73. - Gebhart, Hans: Die Münzen und Medaillen der Stadt Donauwörth. Halle, 1924, S. 32. 87) Zäch, Benedikt in: Das Haus «Zur Stube» in Rheinau (Christian Bader) mit Beiträgen zur Geschichte (Ursula Fortuna) und zu den Münzen (Benedikt Zäch). In: Archäologie im Kanton Zürich 1995- 1996. Zürich. 1998. S. 201-224; hier S. 214. 88) Schmutz. Schellenberg, ab S. 73. Nrn. 60-95, 110-114, 195-201 (überholt Kittelberger, Karl: Der Schelienberger Münzfund. In: JBL 31 (1931). S. 113-145; hier Nr. 23, S. 133; Nr. 37, S. 135; Nr. 20. S. 133). - Zäch. Alpenrheintal, ab S. 226; Fundregest Nr. 6, S. 234. 89) Grabung 1978-1980. Zäch. Alpenrheintal; Fundregest Nr. 22, S. 236. 90) Im Schelienberger Hort ist ein Altenburger Pfennig enthalten, vgl. Anm. 88. - Ein Wittenberger Heller Friedrichs II. liegt aus der Kirchengrabung von St. Verena in Risch ZG vor: Doswald. Stephen; della Casa. Philippe: Inventar der Fundmünzen der Schweiz. Bd. 2: Kanton Zug. Lausanne, 1994, S. 78; SFI 1707-1.1: 23. 107
        

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