Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/23/
nicht; er findet es nicht frisch!" — Der Wirth: „Htell's 
auf die Seit'; während der Ausstellung wird er froh 
drum sein!" 
— In Pariser Schlachthäusern haben sich einige 
Fälle von Rinderpest gezeigt; doch wurden schleunig die 
nöthigen Maßregeln angeordnet, um der Verbreitung 
der Seuche bei Zeiten Einhalt zu thun. 
In Amerika machen die Baumeister gute Geschäfte. 
In Chicago sind im vergangenen Jahre mehr als 
8000 neue Gebäude errichtet worden im Werthe von 
7 Millionen Dollars, Darunter sind 8 neue Kirchen, 5 
große Schulhäuser, über 100 Geschäftshäuser 2e. 
In Spanien sollen von nun an die Verfasser und 
Drucker geheimer Schriften sowie die Kapitalisten, welche 
Geld dazu hergeben, mit dem Tode bestraft werden. 
Dich und Martin, die berühmten Stieselwichs-Fabri- 
kanten in London, sollen in folgender Weise den Grund 
zu ihrem kolossalen Geschäfte und Vermögen gelegt ha 
ben. Day, damals ein armer Arbeiter, saß in einer 
Londoner Brauerei und trank ein Glas Bier. Da trat 
ein schlechtgekleidetes Individuum in die Trinkstube und 
sprach zu den Gästen: „Wer will ein gutes Recept für 
Schuhwichse? Um eine Pinte Ale kann er es haben." 
„Ich schließe den Handel ab," sagte Day. Der Andere 
gab nun die Bestandtheile seines Receptes an. — „Gut," 
sagte Day, „ich zahle Euch noch eine zweite Pinte." 
Am anderen Tage suchte er einen seiner Freunde auf, 
einen Handelsreisenden Namens Martin, und theilte ihm 
sein Recept mit. Sie fabricirten mit einander eine ge 
wisse Quantität Schuhwichse und füllten sie in alte Fla 
schen, die sie auf dem Trödelmarkte -.kauften. Nachdem 
dies geschehen war, ging ein Besteller der beiden Com 
pagnons zu allen Schuhwichshändlern Londons und 
fragte "jeden derselben: „Haben Sie Schuhwichse von 
Day und Martin?" Natürlich lautet überall die Ant 
wort: „Nein!" — Am nächsten Tage wurde ein Ande 
rer ausgesendet, der dieselbe Frage an die Händler stellte. 
Am dritten Tage kam ein dritter Aussendling, der aber 
die Frage veränderte: „Möchten Sie nicht Schuhwichse 
von Day und Martin kaufen?" — „Recht gerne," and 
worteten die Händler. Nun war das Glück des Hau 
ses Day und Martin gemacht. Sie klebten ihren Fla 
schen eine Vignette auf, welche eine Katze vorstellt, die 
über ihr von einem geglänzten Stiesel reflectirtes Ebew 
bild ekgrimmt ist. Diese V'gnette machte dann die 
Runde durch die Welt. Seiner Tochter gab Day 
35,000 chfd. Sterl. mit. 
Schweiz. Der Bundesrath macht ein Anlehen von 
12 Millionen Franken für die Eidgenossenschaft und 
schreibt vorerst 6 Mill. zur Zeichnung aus. Das Geld 
soll zur Anschaffung von Hinterladgewehren verwendet 
werden. 
Graubünden. Aus dem Unterengadin wird be 
richtet, daß die rasche Auflösung großer Schneemassen 
mehrfache Unfälle (so namentlich Dächereinsturz) herbei 
geführt habe. Sodatin meldet man dem „Bündner 
Tagblatt" ein Lawinenunglück, das im benachbarten Ti 
rol zwischen Nauders und Pfunds eintrat. Ein Ge 
spann mit drei Personen fuhr auf Finstermünz zu und 
zwar so rasch wie möglich, da die Fahrenden die Ge 
fahr kannten. Allein sie entrannen ihr nicht; nahe bei 
der Festung löste sich eine Schnee- und Eismasse vom 
Felsenkopf ab und riß den Schlitten fort. Der Vorn 
sitzende wurde weggeschleudert, die beiden Passagiere (etn 
Mann und eine Frau) begraben. Der mit dem Schreck 
Davongekommene rief Hilfe auf und es gelang, die 
Frau, die dem Ersticken nahe war, zu retten. Ihren 
Gefährten, einen lebensfrohen Gastwirth aus dortiger 
Gegend, fand man todt; ein Elsblock hatte ihm den 
Schädel gebrochen. 
St. Gallen. Die Herren Dr. Weder, Simon 
und Dollfuß haben für den Hof Ragaz die Summe 
von Fr. 1,500,000 offerirt und beabsichtigen das Etab 
lissement bis auf die Summe von 5 Mill. zu erweitern, 
wenn der Kauf bewerkstelliget wird. 
— Der letzte Piehmarkt in Wyl war wieder außer 
ordentlich stark befahren. Es wurden 738 Stück Vieh 
aufgeführt und der Verkehr war ein sehr lebhafter. 
Für schöne Kühe wurden bis 16 Napoleon bezahlt; 
namentlich waren es tragende Rinder, welche sehr ge 
sucht waren und mit hohen Preisen bezahlt wurden. 
Genf. Seit einiger Zeit kommen in Genf eine 
Menge falscher goldene Fünffrankenstücke in Umlauf. 
Die Polizei hat nun diese Münzfabrikanten aufgespürt 
und zugleich ihre Werkstätte entdeckt und die darin vor 
gefundenen Gegenstände abgefaßt. Es sind zwei Itali 
ener, von denen der eine verheirarhet ist und welche 
nebst einer Magd ein hübsches, kleines Landhäuschen 
im Granv-Pre bewohnten. Trotz dem, daß sich diese 
Herren durch einen sinnreichen mit den Eingängen zu 
Garten und Haus in Verbindung stehenden Glocken- 
(Läute)-Apparat gegen unangenehme Besuche sicher zu 
stellen versuchten, gelang es doch der Polizei, die Be 
wohner zu überraschen und alle vier in ihrer Thätigkeit 
festzunehmen. Im Keller war die eigentliche Münzstätte, 
nebst einem enormen, auf solidem Mauerwerk ruhenden 
Prägstock mit Balancier; das Erdgeschoß diente zur 
Wohnung; in der Etage dagegen befand sich ein voll 
ständig eingerichtetes Atelier zum Graviren und unter 
dem Dache war die chemisch - metallurgische Werkftätte 
eingerichtet und fand man da das zur Fabrikation nö 
thige Metall, Säuren, Stempel, Matrizen für Fünf- 
und Zehnfrankenstücke nebst einer ziemlichen Anzahl fal 
scher Goldstücke. 
— Kürzlich starb in Genf der einst vielgenannte ba 
dische Hauptmann. Möller, welcher in den 40er Jahren 
dem Ministerium Thiers die Plane der Festung "Rastatt 
ausgeliefert hatte, dann landesflüchtig und in kontuma- 
ziam verurtheilt wurde. Er lebte im Elend. 
Neuenburg. Fortschritte. m der Elektromotion. Hr. 
Hipp, Direktor der Fabrik des Telegraphen und elektri 
scher Apparate in Neuenburg, hat einen Apparat erfun 
den, der dazu dienen soll, auf der Hauptstation Ölten 
die Lokomotivführer zu kontroliren, wo und wann sie 
auf der Linie zu schnell oder zu langsam gefahren find; 
also auch um zu wissen, auf welcher Stelle der Bahn
        

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