1 Einleitung Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich eingehend mit dem Thema der vorläufigen Anwendung von Staatsverträgen in Liechtenstein. Die Schwerpunkte der Untersuchung liegen bei der verfassungskonformen Entstehung eines Staatsvertrages (völkerrechtlicher Vertrag) in Liechtenstein, dessen Eingliederung in die hiesige Rechtsordnung und natürlich die vorläufige Anwendung eines Staatsvertrages in Liechtenstein. Schliesslich soll ein einheitliches Bild der vorläufigen Anwendung von Staatsverträgen entstehen, welches die Praxis in Liechtenstein widerspiegelt und das Phänomen der vorläufigen Anwendung von Staatsverträgen verständlich darstellt. Als Einstieg und zum besseren Verständnis des Folgenden beginnt die Arbeit mit der Darstellung des Verhältnisses zwischen Völkerrecht und Landesrecht. Die Geltung des Völkerrechts im Landesrecht, die unmittelbare Anwendbarkeit des Völkerrechts, sowie der Rang, den das Völkerrecht in der liechtensteinischen Rechtsordnung einnimmt, werden behandelt. Anschliessend wird der Fokus auf den Staatsvertrag in Liechtenstein gerichtet. Hier soll ein umfassendes Bild über die Einordnung des Staatsvertrages als völkerrechtlicher Vertrag entstehen. Begriffsdefiniton und Kategorisierung, Abgrenzung des Staatsvertrages zu anderen Erscheinungsformen, die Rechtsnatur und die Eingliederung des Staatsvertrages in den Stufenbau der Landesrechtsordnung sollen dieses Bild zusammensetzten. Der Fokus am Ende dieses Kapitels liegt sodann auf einer genauen Darstellung des Entstehungsprozesses eines vólkerrechtlichen Vertrages mit den verschiedenen Verfahrensschritten. Dies wird danach auf das Abschlussverfahren von Staatsvertrágen in Liechtenstein übertragen, um die Entstehung eines Staatsvertrages in Liechtenstein detailliert zu erläutern, was für die weiteren Ausführungen notwendig erscheint. Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine umfangreiche Deutung des Phänomens der vorläufigen Anwendung von völkerrechtlichen Verträgen. Beginnen wird diese mit der historischen Entwicklung und mit der anschliessenden Kodifikation der Konstruktion der vorläufigen Anwendung in Art. 25 des Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge. Es werden die häufigsten Gründe (Anwendungsfälle) aufgezeigt, die 1