Nationale und internationale Steuerpolitik des Fürstentums Liechtenstein Martin Wenz Das Fürstentum Liechtenstein durchläuft seit mehreren Jahren eine he- rausfordernde Phase grundlegender Veränderungen auf dem Gebiet des nationalen und des internationalen Steuerrechts in einem europäischen und globalen Umfeld. Dieses mittlerweile hochdynamische Umfeld ist insbesondere durch die grundlegende Neuausrichtung der internationa- len und europäischen Steuerpolitik gekennzeichnet, die einen umfassen- den Einfluss auch auf die nationale, liechtensteinische Steuerpolitik hat. Von besonderer Bedeutung für diese eher junge Entwicklung ist auch Liechtensteins Weg in Europa. Dieser Weg war für Liechtenstein bis ins 19. Jahrhundert durch eine multilaterale Integration als Reichs- fürstentum, dann als Mitglied im Rheinbund und schliesslich im Deut- schen Bund gekennzeichnet, anschliessend eher individualistisch, bis- weilen isolationistisch und bilateral in Bezug auf Österreich und später die Schweiz ausgeprägt und geht seit den 70er-Jahren mit einer eigen- ständigen Aussen- und Europapolitik einher.1Schliesslich erfolgte durch den selbständigen Beitritt Liechtensteins zum Europäischen Wirt- schaftsraum (EWR) 1995 als eigenständiges Mitglied der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) (seit 1991) eine grundlegende Neuorien- tierung Liechtensteins und die Wahl eines integrativen Weges mit einer eigenen Aussen- und Europapolitik.2 An dieser Entwicklung war auch Fürstlicher Rat Hans Brunhartin seiner Position als Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein mass- 373 1Vgl. Liechtenstein, Nikolaus von und zu, Liechtensteins Weg in Europa, in: Monti, Mario et al. (eds.), Economic Law and Justice in Times of Globalisation, Stämpfli et al.: Bern, 2007, S. 861 ff. 2Vgl. Brunhart, Hans, Wegweiser, Wegbereiter, Wegbegleiter, in: Monti, Mario et al. (eds.), Economic Law and Justice in Times of Globalisation, Stämpfli et al.: Bern, 2007, S. 795 ff.