keit in der ganzen Rechtsordnung absolute Geltung und kann deshalb nicht weiter eingeschränkt werden.59 Nach traditioneller und nach wie vor vorherrschender Auffassung gilt auch der Gleichheitssatz gemäss Art. 31 Abs. 1 LV als eingriffsresis- tent. Wenn demnach eine sachliche Differenzierung zwischen Ver- gleichsfällen möglich ist, ist eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt bzw. muss im umgekehrten Fall eine Gleichbehandlung erfolgen; sonst ist dieses Grundrecht verletzt.60Nach der gegenteiligen Auffassung hat auch im Rahmen der Gleichheitsprüfung eine der Verhältnismässigkeits- prüfung ähnliche Abwägung zwischen den für und gegen eine Gleichbe- handlung sprechenden Interessen zu erfolgen.61 Absolut gewährleistet sind auch der Schutz der Menschenwürde, das Verbot der Todesstrafe sowie das Verbot unmenschlicher Strafen (inkl. Folterverbot) gemäss Art. 27bis LV.62Kein absolut eingriffsresis- 197 Einheitliche Eingriffskriterien für alle Grundrechte? 59 Siehe Hoch, Schwerpunkte, S. 74 mit Verweis auf Daniel Thürer, Das Willkürverbot nach Art. 4 BV, ZSR NF Bd. 106 (1987, II. Hbd.), S. 413 (452 f.) sowie Müller, Ele- mente, S. 478; siehe auch Vogt, Willkürverbot, S. 357 f. und Schefer, Gewährleistung, S. 113 mit Verweis auf die abweichende Meinung von Felix Uhlmann, Das Willkür- verbot (Art. 9 BV), Bern 2005, Rz. 305 ff. 60 Dies ist wohl auch nach wie vor die Auffassung des Staatsgerichtshofes; siehe Kley/Vogt, Rechtsgleichheit, S. 262 f. Rz. 22 f. mit zahlreichen Rechtsprechungs- nachweisen; siehe aber immerhin auch die anschliessende Fussnote. 61 Ausführlich hierzu René Wiederkehr, Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen: Gilt Art. 36 BV auch bei der Einschränkung der Rechtsgleichheit?, AJP 4/2008, S. 394 (396 f. und 409 f.); vgl. zudem Schefer, Beeinträchtigung, S. 110 ff. sowie Kley/Vogt, Rechtsgleichheit, S. 260 f. Rz. 20 f., welche auch in den StGH-Entscheidungen 2003/67 (Erw. 4.1) und 2011/23 (Erw. 6.2) Andeutungen für eine Verhältnismässig- keitsabwägung im Rahmen der Gleichheitsprüfung sehen. Gemäss diesen beiden StGH-Entscheidungen ist analog zur Rechtsprechung des deutschen Bundesverfas- sungsgerichts (siehe dazu Höfling, Grundrechtsordnung, S. 206 mit Verweis auf BVerfGE 55, 72 [88, 91] und 70, 230 [239 f.]) die Ungleichbehandlung zweier Gruppen von Normadressaten unzulässig, wenn zwischen diesen «keine Unterschiede von sol- cher Art und solchem Gewicht bestehen, dass sie die ungleiche Behandlung rechtferti- gen könnten …». Tatsächlich erfolgte allerdings in beiden StGH-Fällen keinerlei Ver- hältnismässigkeitsprüfung. Kritisch zu einer derartigen Ausweitung des Gleichheits- satzes Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, S. 98 Rz. 303b mit Verweis auf Walter Kälin, ZBJV 147 (2011) 753: Gemäss Kälin «führt ein solcher ‹Import von Kriterien des öffentlichen Interesses und der Verhältnismässigkeit in das Rechtsgleichheitsge- bot› zwar zu einer strengeren Prüfung und erhöht damit den Grundrechtsschutz, ver- kennt aber gleichzeitig die gewaltenteilige … Funktion des Rechtsgleichheitsgebots und höhlt damit die Rollenverteilung zwischen Richter und Gesetzgeber aus.» 62 Siehe Höfling, Schranken, S. 92 f. Rz. 18 f.; vgl. auch Häfelin/Haller/Keller, Bun- desstaatsrecht, S. 106 Rz. 326. Zum Folterverbot gemäss Art. 3 EMRK siehe Chris-