machtsmängeln», etwa weil die Vollmacht nicht unterschrieben ist oder weil sie anstatt im Original lediglich in Kopie eingereicht wird, besteht die Möglichkeit, dass zu deren Behebung eine Nachfrist gesetzt wird. Prozessuale Vorschriften, die in diesen Fällen einer Behebung des Man- gels entgegenstehen, verletzen das Verbot des überspitzten Formalis- mus.101Ebenso hat der Staatsgerichtshof beispielsweise entschieden, dass einem nicht anwaltlich vertretenen Kläger ein Verbesserungsauftrag ge- mäss § 182 ZPO zu erteilen ist, wenn bei einer vermittlungspflichtigen Zivilklage die Einholung des Leitscheines nur (glaubhaft) behauptet, der Leitschein aber der Klage nicht beigelegt wird. Dem Kläger ist es zu er- möglichen, dass er den Leitschein innert angemessener Frist nachreichen kann.102Dies muss im Übrigen auch bei einer anwaltlichen vertretenen Partei gelten.103Im Weiteren stellt es einen Verstoss gegen das Verbot des überspitzten Formalismus dar, wenn ein zunächst fehlerhafter Be- schwerdeantrag und eine fehlerhafte Beschwerdebegründung als unzu- lässig zurückgewiesen werden, obwohl Beschwerdeantrag und Be- schwerdebegründung in der Replik auf die Gegenäusserung des Obers- ten Gerichtshofes formal richtig gestellt worden waren.104Das Gericht verletzt das Verbot des überspitzten Formalismus ebenfalls, wenn es die vom Beschwerdeführer vorgenommenen Präzisierung seines Begehrens 616Hugo Vogt 101Reicht ein Rechtsanwalt die Vollmacht in einem Verfahren lediglich in Kopie ein, obwohl die Prozessordnung vorschreibt, dass die Bevollmächtigung durch eine Vollmacht im Original oder in beglaubigter Abschrift nachzuweisen ist (vgl. etwa § 28 ZPO), ist richtigerweise ein Verbesserungsauftrag zu erteilen. Eine solche Lö- sung rechtfertigt sich schon deshalb, weil ein Rechtsanwalt mit massiven disziplina- rischen und allenfalls sogar strafrechtlichen Sanktionen zu rechnen hätte, wenn ihm die Erschleichung einer Vollmacht nachgewiesen würde. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass ein Rechtsanwalt ein Verfahren für seinen Mandanten führt, wenn er nicht weiss oder bei fehlender Rücksprachemöglichkeit zumindest mit guten Gründen annehmen darf, dass der Mandant mit seinem Vorgehen einverstanden ist. Vgl. StGH 2002/45, Entscheidung vom 17. September 2002, Erw. 2.4 ff., im Inter- net abrufbar unter <www.stgh.li>. Allgemein zu den Möglichkeiten einer Verbesse- rung von Formgebrechen eines Schriftsatzes siehe etwa § 84 ZPO oder Art. 40 Abs. 3 StGHG. 102Vgl. dazu etwa StGH 2007/114, Entscheidung vom 15. April 2008, Erw. 4, im In- ternet abrufbar unter <www.gerichtsentscheidungen.li>. 103Der Staatsgerichtshof lässt diese Frage ausdrücklich offen. Vgl. dazu StGH 2007/114, Entscheidung vom 15. April 2008, Erw. 4, im Internet abrufbar unter <www.gerichtsentscheidungen.li>. 104Vgl. StGH 1995/11, Urteil vom 22. Juni 19995, LES 1996, S. 1 (5 f.). Siehe auch Kley, Grundriss, S. 249.