102Frommelt Fabian: Stabilisierung durch Verpachtung? an die Landschaft ergeben, auch hinsichtlich des Verhält- nisses zwischen den mit dem Gefälleeinzug betrauten landschaftlichen Amtsträgern und der lokalen Bevöl- kerung. Justiz und Policey wären im Projekt von 1703 jedoch, wenn auch nicht gänzlich, von der Gefällepacht entflochten worden. Das Scheitern dieses Vorhabens verhindert Einblicke in das praktische Funktionieren eines solchen, die Untertanenschaft stärker in die Ver- antwortung ziehenden Systems. 107 Brakensiek: Lokale Amtsträger (2005), S. 54. 108 Vgl. ebenda, S. 54–55. 109 Ebenda, S. 54. 110 Für die Zurverfügungstellung von Regesten und Transkriptionen danke ich Frau Dr. Katharina Arnegger, Wien, und dem Liechten- steinischen Landesarchiv, Vaduz. Quellen und Literatur Abkürzungen HbGR Handbuch der Bündner Geschichte HLFL Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein JBL Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürsten- tum Liechtenstein LUB Liechtensteinisches Urkundenbuch Ungedruckte Quellen Gemeindearchiv Schaan (GAS), Schaan: U 36, U 54, U 78 (Transkriptionen Claudius Gurt; Internet: http://www.e-archiv.li/) Liechtensteinisches Landesarchiv (LI LA), Vaduz: AS 1/2, AS 1/3, AS 1/5 RA 42/2/32-34 Österreichisches Staatsarchiv/Haus-, Hof- und Staatsarchiv (ÖStA/HHStA), Wien:110 LA ÖA, Vorderösterreich 13 RHR, Gratialia et Feudalia, Reichslehensakten deutscher Expedition 100 RHR, Judicialia, Denegata Recentiora 261/9, 262/2 Staatsarchiv Augsburg/ Fürststift Kempten Archiv (StAA/ Kempten), Augsburg: A 2874, A 2877, A 2904, A 2905, A 2913, A 2916, A 2919, A 2921, A 2926, A 2930, A 3012, A 3022 (Mikrofilme im Liechtensteinischen Landesarchiv) zeigte sich ein erhöhter Leistungsdruck auf die Unterta- nen; ähnliches darf auch bei Abgaben, Straf- und Buss- geldern vermutet werden. Ob sich das Geschäft für den Admodiator jedoch wirklich so sehr lohnte, wie Jakob Hannibal behauptete, lässt sich wegen den fehlenden Abgabe- bzw. Einkünfteverzeichnissen nicht überprüfen. Die Admodiation als Form lokaler Verwaltung scheint aus heutiger Sicht mit Blick auf die persönliche Nutzung herrschaftlicher Gefälle durch den obersten lokalen Amtmann problematisch, sowohl was die Vermengung hoheitlicher Kompetenzen und privater Wirtschaftsin- teressen anbelangt als auch hinsichtlich der Unabhän- gigkeit und Unparteilichkeit der Justiz. Zudem litt die Autorität des Oberamts und dessen Durchsetzungskraft gegenüber den Untertanen unter dieser Interessenver- mischung. Allerdings ist anzufügen, dass die Stellung der loka- len Amtsträger in der frühen Neuzeit in dieser Hinsicht ganz generell fragwürdig war. Deren Entschädigung setzte sich in der Regel neben geringen Bargeldbeträ- gen vor allem aus Naturalien, Nutzungsrechten an Län- dereien und Untertanendiensten zusammen: «Damit wurde die Ausbeutung der obrigkeitlichen Stellung des Amtsträgers gleichsam prämiert.»107 Die Admodiation, also die Verpachtung sämtlicher Herrschaftseinkünfte an den unbesoldeten Oberamtmann, setzte dieses Sys- tem am konsequentesten um. Die damit verbundenen Probleme stellten sich verschärft, entsprach die vollstän- dige Abschöpfung und allfällige Steigerung bäuerlicher Leistungen doch noch unmittelbarer und umfassender dem Eigeninteresse des Amtmanns. Dieser wurde zum eigentlichen Verwaltungsunternehmer. Bei dessen Aus- wahl war neben den Fachkenntnissen der Bewerber vor allem deren Zahlungsfähigkeit zu berücksichtigen, was für die Verwaltungsqualität nicht die beste Vorausset- zung darstellt.108 Die Verknüpfung von Domänenpacht, Rechnungsfüh- rung, allgemeiner Administration und Rechtsprechung in der Hand eines lokalen Amtsträgers blieb samt den entsprechenden Zielkonflikten vor allem in Kursachsen und Brandenburg-Preussen bis Ende des 18. Jahrhun- derts verbreitet, während andernorts (Brakensiek nennt Baden, Württemberg, Hessen-Kassel und Hildesheim) seit dem 17. Jahrhundert eine Entflechtung stattfand.109 Eine spannende Variante im Hinblick auf die kommu- nale Selbstverwaltung hätte sich bei einer Verpachtung Kapitel_4_Frommelt.indd 10222.10.12 12:34