Rahmenbedingungen, Mädchenbildung und katholisches Frauenbild 19 II RAHMENBEDINGUNGEN IN LIECHTEN- STEIN, MÄDCHENBILDUNG UND KATHOLISCHES FRAUENBILD 1 Katholizismus in Liechtenstein Wirft man einen Blick auf die Bevölkerungsstatistik, so wird ersichtlich, dass Liechtenstein über Jahrzehnte hinweg über eine homogene katholi- sche Gesellschaft verfügte.!^ 1930 zählten sich 97,3 Prozent der in Liech- tenstein wohnhaften Personen zu den Katholiken. Die hohe Zahl hat über die Jahre hinweg abgenommen. So bekannten sich 1950 noch 93 Prozent der Wohnbevölkerung zur katholischen Konfession, 1970 waren es 90,1 Prozent, bis der Anteil der Katholiken im Jahr 2000 auf 78,4 Pro- zent sank. Die katholische Struktur Liechtensteins scheint mit dieser Sta- tistik jedoch erwiesen. Erst recht, wenn man die Zahlen der Liechten- steiner und der in Liechtenstein lebenden Ausländer getrennt betrachtet. Es wird ersichtlich, dass der Rückgang der Katholiken im Verhältnis zu den zugezogenen Ausländern anderer Konfessionen gesehen werden muss. Unter den Liechtensteinern selbst zählten sich im Jahr 2000 noch 90,8 Prozent der katholischen Konfession zugehörig, während im selben Jahr die Katholiken an den in Liechtenstein lebenden Ausländern nur 56,9 Prozent ausmachten. Siebzig Jahre zuvor gaben noch 99,7 Prozent der Liechtensteiner ihr katholisches Bekenntnis an. Der zunehmende Ausländeranteil in den letzten Jahrzehnten veränderte die konfessionelle Struktur Liechtensteins nachhaltig. Mit der Zunahme der ausländischen Wohnbevölkerung in Liechtenstein haben sich auch die Konfessionen durchmischt und Liechtenstein ist heute nicht mehr so rein katholisch, wie es das vor dreissig bis vierzig Jahren noch war. Die Refor- mierten machen den grössten Anteil unter den Nicht-Katholiken aus. Von 2,6 Prozent im Jahr 1930 hat sich ihre Zahl in den letzten zwanzig Jahren bei einem Anteil zwischen 8 und 9 Prozent der Wohnbevölkerung eingependelt. Auch hier wird aber wieder ersichtlich, dass das vornehm- lich Zugezogene protestantischer Konfession sind.!? Im Jahr 2000 waren 16 Sámtliche Zahlen zur Konfessionsstruktur in Liechtenstein stammen in diesem Kapitel aus: Amt für Volkswirtschaft (Hg), Statistisches Jahrbuch 2006 Fürsten- tum Liechtenstein, Vaduz 2006, 32—34. Die ersten Mitglieder der protestantischen Glaubensgemeinschaft waren Arbeit- suchende, die mit dem Aufkommen der Textilindustrie im 19. Jahrhundert nach Liechtenstein kamen. Mit dem Einverstindnis der liechtensteinischen Regierung