Baduz, den 15. August. (Die Alpweiden. Vieh- Handel.) Sowohl in unfern innländischen als auch, wie ver- schiedene Zeitungsberichte melden, in den meisten schweizerischen Alpen sollen die Weiden in Folge des langen Regenwetters recht schlecht stehen, so daß eine frühe Heimfahrt voraus zu sehen ist. Ueber den Viehhandel wird dem „Boten der Urschweiz" ge- schrieben: Der Viehhandel scheint dieses Jahr in Gang kommen zu wollen. Seit einiger Zeit bereisen hiesige und auswärtige Käufer unsere reichen Alpen, durchmustern den schönen Viehschlag und kaufen hübsche Rinder zu hohen Preisen an. So hat z. B. Herr Gemeinderath P. Willi zum Adler in hier ein Rind, zwar ein Prachtexemplar, um die enorme Summe von 1425 Fr. an einen Zürcher verkauft. Diese Thatsache diene den Vieh- besitzern als Fingerzeig, daß sie ihr Augenmerk immer mehr auf einen schönen Viehstand richten sollen, denn schöne Waare wird immerhin gut befahlt. Die „Schwyzer Zeitg." dagegen schreibt: Der große Heu- Vorrats hat die einigermaßen berechtigte Hoffnung hervorgerufen, daß die Viehpreise auf den Herbst steigen werden. Dies rief nun einer so ungesunden Hast nach Ankauf von Rindern, daß wir zur Vorsicht mahnen möchten. Daß wir im Lande selbst die Viehpreise machen und sie in die Höhe treiben, das ist nicht das Richtige; die fremden Händler müssen durch ihre größere Nach- frage die Erhöhung der Preise bewirken. Es wird sich zeigen, daß die noch nie so hohen Preise, welche jetzt schon von eigenen Leuten im Lande bezahlt worden sind, von den Fremden im Herbste nicht bezahlt werden. Vom Kriegsschauplätze. Am 7. Aug. kam es bei L o w a tz abermals zu einem großen Zusammenstoß zwischen einer russischen und türkischen Armee- abtheilung. Das „N. W. Tagblatt" schreibt über diesen Kampf: „Der äußerste rechte Flügel der Armee Osman Paschas hat heut, auf halbem Weg zwischen Plewna und Lowatz, einen bedeutenden Erfolg über eine zum Armeekorps des Generals Schachowskoi gehörige russische Colonne davongetragen. In den frühesten Morgenstunden des heutigen Tages war es als dem in Plewna weilenden Asman Pascha durch einen auf der Straße Lowatz-Plewna in rasender Eile dahinfliegenden Adjutanten ge- meldet wurde daß östlich von der Straße verdächtige Bewegungen wahrzunehmen seien, daß dunkle Massen lautlos sich vorschieben mit der Richtung gegen die rechte Flanke der türkischen Auf- stellung. Osman Pascha zeigte sich durchaus nicht davon über- rascht, er hatte durch Recognoscirnngen schon Tags zuvor aus- gekundschaftet daß eine nicht allzu starke russische Abtheilung sich gegen die Straße in Bewegung gesetzt habe, er hatte schon vor der Meldung die ihm jetzt zukam, seine Dispositionen getroffen und die nöthigen Ordres gegeben. Diese Ordres lauteten dahin daß der rechte Flügel, durch solide Verschanzungen mehr als hinreichend geschützt, sich in der Defensive zu halten habe, bis er (Osman Pascha) erscheinen und in das Treffen eingreifen- werde. Demgemäß wickelte sich auch das Engagement „Programm- mäßig" ab. Dik Russen, von Porodin heranrückend, schienen anfangs nicht viel mehr als eine Brigade stark. Man hätte ihre ganze Action für eine bloße scharfe Recognoscirung halten können, wenn sie nicht starke Reserven hinter sich gehabt hätten, die bald näher kamen, mit der offenbaren Absicht von Süden her die Höhe zu gewinnen, welche die türkische Position von Plewna dominiren und die sie nur von vorgeschobenen schwachen Abtheitungen der Armee Osmans besetzt glaubten. Aber diese Höhe war. gegen jede Ueberrumpelung gesichert, Abdil und Riffad Pascha hatten sich festgesetzt und stark verschanzt, die russischen Angriffe erwiesen sich als machtlos. Die Dunkelheit brach bereits herein als dieselbe Taktik befolgend, die bei Plewna das russische Heer deroutirte, die Türken plötzlich zur Offensive übergingen. Osman Pascha war nun persönlich eingetroffen und mit einem kräftigen Vorstoß aus dem Cirnetha-Thal jagte er die Russen in Unordnung zurück. Der Verlust der Russen wird auf tausend Mann geschätzt/ Derjenige der Türken ist, da dieselben lange in der Devensive waren, geringer. Bon Ge- fangenen erfuhr man daß Großfürst Nikolaus selber jetzt die Operationen gegen Osman Pascha leitet." Ein Augenzeuge der Gefechte von Plewna rühmt in der „Deutschen Ztg." die Feuer-Disziplin der türkischen Truppen, welcher er wesentlich die erungeneu Erfolge beimißt. Er schreibt: „Ich bin kein Anbeter des Erfolgs und humple mit meiner Anerkennung der türkischen Disziplin, die ich schon voriges Jahr kennen und schätzen zu lernen Gelegenheit bekam, nicht hinterher, weil die Türken in drei Tagen fast zwei russische Korps aufgerieben haben. Aber ich war Zeuge der furcht- baren Kämpfe der Deutschen gegen die Franzosen, und muß ein- gestehen, daß ich die Feuer Disziplin, die ich in deutschen Reihen auf einer so wunderbar hohen Stufe der Ausbildung fand, jetzt von den Türken in einer Weife ausgeübt sah, die mich alten Soldaten zur Bewunderung hinriß. Ich beobachtete alle Nuancen einer vortrefflich gehandhabten Feuer Disciplin von dem Mo- mente an, wo die russischen Heeresspitzen dem Auge eines guten türkischen Schützen wahrnehmbar wurden, bis zu dem Zeitpunkte, wo die türkischen Abtheilungen auf Kommando Salvenfeuer ab- gaben, welches dann in ein gleichmäßiges wohlgenährtes Einzel- feuer überging, um in dem Augenblicke abzubrechen, der dem Kommandanten geeignet schien, seine Leute mit dem Bajonette den wankenden Russen entgegevzusühren. .Nimmt man die uu- glaubliche Schnelligkeit und Findigkeit hiezu, mit welcher der türkische Soldat sich oder seinen Geschützen Deckung herrichtet, den blinden Gehorsam und seinen an Todesverachtuug grenzenden Muth, so werden die Erfolge gegen die ungelenken, schwerfälligen, wenn auch mit anerkennenswertem Muth aber blind dreingehen- den Russen erklärlich." Die russischen Gräuelthaten welche gewisse russen- freundliche Blätter gerne tobt schweigen möchten kommen all- mählig durch wahrheitsgetreue Berichterstattungen immer mehr an's Tageslicht und dürfen ihrem Umfang nach die türkischen Grausamkeiten vom letzten Jahre noch übertreffen. Ueber die von den Russen begangenen Grausamkeiten lassen wir folgende Berichte von Zeitungscorrespondenten folgen: Ein Berichterstatter der „Köln. Ztg." schreibt aus Rasgrad, 17. Juli: ^ Gestern besuchten wir die in Privathäusern untergebrachten und von den Russen Überfallenen und verwundeten türkischen Familien. Ich kann Ihnen versichern: die Haare stehen einem zu Berge wenn man die Opfer dieser Gräuelthaten betrachten Muß. Da ist nichts geschont worden! Nicht der Säugling an der Mutter Brust, nicht der Greis mit weißem Haupte! Kinder mit drei vier Lanzenstichen, Schuß und Säbelwunde wälzen sich wimmernd am Boden herum. Frauen mit zerhackten Händen nnd Brüsten und alte waffenunfähige Männer, die man entsetz- lich verstümmelt hat, legen Zeugniß ab von der unerhörten Be- stialität welche der Einmarsch der Befreier des Orients im Ge- folge gehabt hat. Der blutgierigste Tiger ist ein Lamm gegen jene erbärmlichen und schurkischen Mörder die einjährigen Kindern das Messer in die weiche Hirnschale stoßen konnten. Im serbisch- türkischen Kriege wollte man den türkischen Truppen unzählige Grausamkeiten in die Schuhe schieben. Wo aber blieben die Be- weise? Man hat gehässig berichtet und die Ausschreitung der Baschi-Bozuks und der Tscherkessen bis ins lächerlichste über- trieben. Hätte es damals nur eine einzige durch die blanke Waffe verwundete serbische Frau oder ein verletztes Kind gegeben, man würde gewiß nicht verfehlt haben das corpus delicti nach Belgrad zu schaffen um es von hier aus dem entrüsteten Europa zu zeigen. Ich war während des ganzen Kriegs in Belgrad, und niemand hat a»uch nur einen annähernd ähnlichen Fall mit eigenen Augen gesehen. Bei der Unterdrückung des bulgarischen Aufstandes im vorigen Jahre waren gewiß schreckliche Vorgänge