— 103 ? / w Zwanzig Minuten hielten die Türken auS. Während dieser Zeit fing ihr Befehlshaber, Mehemed Pascha, das Schwert itt der Hapd, an der Spitze seiner Leute ÄS ist nur recht und billig anzuerkennen, daß die Offiziere daS Beispiel ihres Führers nachahmten und ihre Leute ermuthigten. Die Schwierig- 5eit zu vermehren, fing auä) die Munition zu mangeln an. Um 9% pflügte das russische Geschützteuer geradezu den Boden Zhre Flankenbewegung kam nun zur Geltung. Das türkische Eentrum ward zerrissen. Um H 3 ^ Uhr wurden die letzten Ueberreste der Türken auS ihren Stellungen vertrieben. Ein Cav.illerie-Angriff der Russen vollendete die Niederlage. Die Türken verloren 350 Gefangene und 1000 Todte uftd Verwundete. General Kemball entkam nur durch die Schnellig- feit feines Pferdes Die Kosaken versuchten ihn zu fangen, sie glaubten ein englischer Offiziere habe befehligt. Gegen die Montenegriner scheinen die Türken mehr Glück zu haben, indem dieselben zuverlässigen Berichten zu Folge »n 2 mörderischen Schlachten Sieger geblieben sind. Die ,M. Post" bringt folgendes Telegramm ihres Aorrespon- denten: „Hier eingetroffene Nachrichten bestätigen pwerlaßig die Siege der Türken in Montenegro. Die Gebirgsbewohner find vollständig geschlagen, und niemand weiß wo Fürst Rikita ist. In wenigen Tagen wird das ganze Gebiet besetzt werden, und nachdem eine genügende Streitkraft zurückgelassen worden, werden die tm tischen Befehlshaber 50,000 Mann frei haben, die als Verstärkungen in jeder andern Gegend dienen können." AuS Konstantinopel meldet ein Telegramm vom 23. Juni: Fürst Nikita von Montenegro ist feit gestern verschwunden. In Folge dessen herrscht im montenegrinischen Heer Verzweif 172 lung. Die türkischen Truppen sind von drei Seiten in Mon- tenegro eingedrungen und gehen nun vereinigt vor. — In Asien erlitten die Russen bei Man eine große Niederlage. * Die 1300 Millionen Menschen des Erdballs kennen als erstes Bedürfniß die Nahrung; das zweite ist die Kleidung, die 10=—17 Prozent des HauShaltS verschlingt. Von den 75 Milliarden jährlichen Verbrauchs in Europa fallen 14 Milliarden auf Kleidung. * Die B rovp reife, welche bei Ausbruch des orienta 172 lischen Krieges rasch bedeutend gestiegen, sind jetzt auf »ein heften Wege, im gleichen Maße wiederum rückwärts zu gehen. ES ist das eine Folge davon, daß die Käufer kurz nach dem rapiden Aufschlage inne zu halten begannen Und so der Handel inS Stocken gerietb, während man sofort beeilt war, die im Orient zurückbleibenden Quantitäten auS andern Gegenden zu ersetzen. Auf diese Weise wurden auf den Häupthandelsplätzen ungeheure Massen von Frucht aufgestapelt, welche endlich um so mehr wieder losgeschlagen werden mußten, und zwar zu med- rigeren Preisen, als die Ernteaussichten dieses Jahres allent- halben sehr gut sind. Bei der gegenwärtig sehr gedrückten Zeit ein tröstender Engel. Mittheilungen über den Krieg zwischen Rußland und der Türkei. (Fortsetzung.) Man will jetzt auS allen diesen russischen Deserteuren eigene Corps bilden und sie an die asiatische Küste führen, wo sie gewiß das Beste leisten und einen grimmigen BerzweiflungS- kämpf führen werden. Doch was nützen alle noch so vielen einzelnen Erfolge sobald die kräftige Eentralleitung fehlt, und den Thron deS Padifchah ein Mann einnimmt, welcher sich der furchtbaren KrisiS, in der sich sein Reich befindet, auch nicht im allermindesten gewachsen zeigt. Ja, säße jetzt einer der frühern kühnen Großsultane auf dem Herrschersitz, oder lebte nur noch der Großfultan Mahmud, wie dieS im Kriege von 1928—29 der Fall war, so würde alleS ganz anders gekommen fein. Der jetzige Padischah mag immerhin ein persönlich ganz braver ehrenwenher Mann sein, aber die nöthige Energie fehlt ibm entschieden, und so läßt sich daS Ende zuletzt mit Sicherheit voraussagen, wenn nicht Ält- England sich emporrafft und im letzten entscheidenden Augen- blick kräftig für die Integrität deS türkischen Reiches eintritt. Doch ich fürchte der englische Löwe schläft auch wieder, daß Ganze beschränkt sich auf bloße diplomatische Noten, und vor diesen haben die Panslavisten. welche jetzt daS Reich deS Czaren nach Lust und Belieben regieren, nicht mehr Achtung al< wie vor leeren Papierpatronen/ wofern sie nicht wissen, daß den hoDxabenden Worten auch die entsprechenden kräftigen Thatea entschieden nachfolgen werden. / Inzwischen vertreibt man sich die unbestimmte Zeit bis der gefallene Stand der Donau den Russen wirklich erlaubt zur Offensive überzugehen, mit einer lebhaften Kanonade von hüben und drüben. ^.Biel Lärm um m4)tS, kann mawhievon mit voller Wahrheit sagen, denn außer einige kleine Holz? schuppen, die hart am Donau-User standen, in Brand zu schießen, haben die vielen Bomben und Granaten, welche die Russen über den Fluß sandten auch noch nicht die mindeste Wirkung gethan. Der C;ar muß gewaltig viel Geld in seiner KriegSkasse besitzen und die russischen Artilleristen eine wahr- Haft kindische Freude an diesem nutzlosen Kanonieren hah?n, sonst begreife ich nicht, warum dieses eben so koftsyiLliHe unschädliche Vergnügen nicht schon längst eingestellt lpurdt, Ich befand mich kürzlich hei Turtukäi, welche von einer ^|^?5 fcben Batterie, die unweit Oltenjtza aufgestellt Mp,' Pix 'hßW Rächt hindurch ziemlich lebhaft mit Bomben und Brandraketen beschossen wurde. Wahrlich, eS war dieS ein so hübsches Feuerwerk wie man eS im Vauxhall in London auch nicht besser sehen könnten, und für uny, die beschossen werde^ soMen, auch nicht viel gefährlicher alS säßen wir auf einer Tribüne dieses VergnügungS Etablissements. Von all den vielen hundert Geschossen, welche die russischen Batterien übersandten, hat auch nicht ein einziges den minhesten Schaden gethan. Viele Bomben explodirten schon mitten über her Donau, und ihre Theile flogen zischend in die dunkle Fluch, da ihre Zündröhren zu kurz waren; andere sprangen gar nicht, weil sie eine schlechte Brandraketen waren so meter von dem beabsichtigten das Ganze war zu komisch nnp bereite uH aften .eznzy vergnügten Abend. Un^ nun gar die ruch^yischtN Hatten, welche bei Kalasat ausgestellt waren, weM kindisches S^iejl trieben diese! Wahrhaftig, der edle Fürst Karl vyn Äumäniea muß das Geld zum Fenster hinaus zu werfen Haben, daß er so vollständig nutzlos die theure Munition verkna^en läßt, sonst begreife ich Dieses komische Treiben nicht. Wenn die armen rumänischen StaatSgläubiger, die für ihre unbegreifliche Tborheit einem so vollständig bankerotten Staat, wie dieS unzweifelhaft Rumänien ist, auch nur einen PennH geliehen zu haben, jetzt dafür büßen müssen, daß sie nicht das mindeste an Kapital und Interessen jemals erhaben weryefl, gesehf» hätten wie die rumänische Artillerie so und so vjel hundert Pfund Sterling vollständig nutzlos in einer Nacht verpuffte — was diese wohl für mißvergnügte Gesichter bei diesem für sie so theuren Schauspiel geschnitten hätten! Aber offen gestanden, glaube ich auch nicht, daß die türkischen Batterien aiuf dem linken Donau-Ufer einen viel größern Schaden zuge- fügt haben werden als die russisch-ruminischen Batterien bei uns auf dem rechten Ufer dieS thaten. Ueber einen so- breiten, dazu vom Winde bewegten Fluß, wie die Donau hier ist, läßt sich stets sehr schlecht schießen, da das sich be 172 wegende Wasser ein richtiges Abmessen der Distanz und ein