Liechtensteinische Vierter Jahrgang Vaduz, Freitag Nr. SS. den 8. September 1876. Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. famwt Postversendung und Zustellung in'S HauS. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. so kr., halbjährig l fl. ss kr.; für das übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 fr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für daS Zn- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrückungSgebühr für die sgespaltene Zeile 5 kr. —Briefe und Gelder werden franeo erbeten an die Redaktion in Vaduz. Vaterländisches. Baduz, 4. September. In der Criminalgerichtssitzung am 24. v. M. wurde Georg Ritter von Ruggell wegen Ver- brechenS der schweren körperlichen Beschädigung, zur Strafe schweren Kerkers in der Dauer von fünf Jahren verurtheilt. Die körperliche Beschädigung wurde verübt an Josef Mayer von Schellenberg welcher in Folge derselben das linke Auge verlor. An Entschädigung und Schmerzengeld wurde ihm die verlangte Summe von 555 fl. 80 kr. durch daö Strasur- theil zugesprochen. Vaduz, 6. September. Die Maul- und Klauenseuche ist in der Ostschweiz im steten Fortschreiten begriffen und hat im Kanton St. Gallen beträchtliche Dimensionen angenommen. In den Alpen der Gemeinden Amden und SchänniS befinden sich laut dem amtlichen Bericht 1156 Stück Groß- und Klein- vieh; von denselben sind die überwiegende Anzahl erkrankt. In den Alpen des ObertoggenburgS speziell Neßlau'S sind seit dem Monat Mai 700—800 Stücke erkrankt. Die Krankheit ist im allgemeinen gutartig; die Verbreitung erfolgt vorzüglich durch Schmalvieh und ist auch durch solches aus den Toggen- burger Alpen nach den Amder Alpen verschleppt worden. Die Verbreitung dürfte übrigens im Kanton St. Gallen ihren Höhepunkt erreicht haben, wenigstens in Amden, da die Seuche dort eigentlich alle Alpen befallen hat. Wegen Verheimlichung und Verschleppung der Mault- und Klauenseuche und wegen Umgehung des Verbots deö HausirhandelS mit Schweinen wurde ein Viehhändler von den Zürcher Gerichten zu einer Buße von Fr. 200 und den Kosten verurtheilt. Ueberdieß verlangen die Viehbesitzer, welche durch den obigen Fall geschädigt wor- den sind, einen Schadenersatz von Fr. 2000 (Art. 37 des BundeSgesetzeS gegen Viehseuchen). Die Lungenseuche ist neuer- dings ausgebrochen in der Gemeinde RuSwil, Kanton Luzern, bei einem Viehstande von 35 Stücken Rindvieh. Die Ein- schleppung erfolgte aus einem benachbarten Hofe, wo diese Seuche ebenfalls geherrscht hatte. Die vorgeschriebenen Sicher- heitsmaßregeln, sowie die Abschlachtung der Viehhabe sind an- geordnet. Außer den oben bezeichneten Seuchen sind folgende Krankheitsfälle vorgekommen: Kanton Rotz Zürich — Bern 2 Luzern 1 Schwyz — Nidwalden — Zug — Graubünden 1 Thurgau 1 Milzbrand Hundöwuth — 5 1 9 In den Kantonen Bern und Nidwalden haben wuthkranke Hunde einen Menschen und Vieh gebissen, welch letzteres dann unter Symptomen der Wuthkrankheit zu Grunde ging. Vaduz, 5. Sept. (Ueber die Obsternte 1876 in Mittel-Europa) Soeben erschien der Bericht über die diesjährige Obsternte im deutschen Reich, im Kaiserstaat Oesterreich und in der Schweiz. ES wird manche Leser iuteHssiren, hierüber das Nähere zu erfahren. Unser Bericht stützff sich auf die Angaben von 126 Berichtsstationen aus dem bezeDneten großen Gebiete und bestätigt im Allgemeinen, daß daS Jahr 1876 weit und breit zu den an Obst armen zu zählen sei, und daß in Folge hiervon die Obstpreise ungewöhn 172 lich hoch sein werden. Dieser geringe Ertrag wird dem ver- verblichen, 3 bis 4 0 R. betragenden Froste zugeschrieben, wel- cher Mitteldeutschland und die östlich davon gelegenen Länder vom 19.—20. Mai heimsuchte, so daß vorzugsweise nur eini- ge südlich und klimatisch günstig gelegene Gebiete, wie Tyrol, Rheinbaiern, Rheinpreußen, wie auch einige hochgelegene Ge- genden (Böhmen), unbeschädigt blieben. Selbstverständlich litten im ganzen Gebiete am wenigsten die recht spätblühenden Sorten. Wie verhielt es sich in dieser Beziehung in der Schweiz? Anlangend die werthvollste Obstgattung, die Aepfel, so finden wir deren Ertrag nur 10 Mal als sehr gut notirt, wobei Tyrol mit 4 partizipnt, während Bremen, Rheinbaiern, Hessen, Westfalen, Rheinpreußen, Hessen-Nassau Ifach kom- pariren. 20 Mal werden die Erträge als gut und 30 Mal als mittelgut angegeben, was aber auch meist wie- der mit den Stationen der ersten Kategorie zusammentrifft. Alle übrigen Berichte lauten auf gering oder fehlt ganz. ES sind demnach nur wenige und meist kleinere Gebiete, welche eine hinreichende Aepselernte in Aussicht haben. Mit dem Ertrage der Birnbäume steht es wo möglich noch mißlicher. Sehr gute Ernten erwartet nur Tyrol 2 Mal (Brixen, SchlanderS); gute Erträge stehen in Aussicht in Tyrot 3 Mal, in Ungarn 2 Mal, in Unter-Oesterreich 2 Mal, Hohenzollern 1 Mal und 2 Mal in Rheinpreußen. Auch nur wenig mittelgute Erträge sind zu erwarten in der Rheinpfalz, Provinz Preußen, Sachsen, Westfalen, Hessen- Nassan, Württemberg, wahrend an allen andern Orten geringe oder gar keine Erträge zu erwarten sind. Die Kirschen geriethen nur an 22 Orten gut und sehr gut, daher gewaltiger Aufschlag deS KirschwasserS. Die für viele Gegenden so wichtigen Zwetschgen er- scheinen nur von 11 Stationen als gut und sehr gut vorge- merkt, so in Böhmen (höhere Lagen von Lobositz), Unter-Oester- reich, Rheinpreußen, Brandenburg, Provinz Sachsen, Preußen, Mecklenburg, Hessen. Endlich die Wall nüsse 15 Mal gut und sehr gut, in