renden Theile dahin übereingekommen, im Laufe des Jahres 1876 über die wünschenswerchen Abänderungen deS Vertrags Verhandlungen einzuleiten und zum Abschlüsse zu bringen. Art 2 Die Ratifikation des gegenwärtigen Vertrags wird vor Ende 1875 in Wien erfolgen " Urkund dessen Huden d e Bevollmächtigten der hoben kon- trahirenden Theile den Vertrag unterschrieben und ihre Siegel beigedrückt. Wien, am 12 Dezember 1875 Clemens Gf. Westphalen m p. Josef »^rhr. v Schwegel m p. Nachdem die obwaltenden Umstände es also unmöglich M«cbten einen neuen Vertrug zu vereinbaren, so mußte selbst- verständlich mit der Verlängerung deS alten Vertrages einst» Weilen die entstandene Lücke ausgefüllt werben. Da aber in den letzten Jahren die wirklichen Zolleinkünfte den Minimache- trag bedeutend überstiegen und diesfalls uw>n Anforderung gen ziemlich entsprochen wurde, so bat die üinanzkommission gegen den vorliegenden Vertrag weiter nichts Anzuwenden alf haß daS Land durch denselben wieder ein Jahr an daS österr Münzsystem gebunden bleibt. BereuS bar der Landtag die mog' lieben Schritte getban um diese an stößige VertragSbestimmnng zu beseitigen oder doch zu entkrästigen, aber leider ohne Er 172 folg Die stinanzkommission erk nnt aber auch ander- seitS, so viel Einbuße wir zwar durch diesen mißliebigen Artikel im Handel und Verkehre noch ein Jahr lang zu erleiden haben werden, daß eS doch unthunlich fei, das neue U berein- kommen abzulehnen; jedoch qlnubt sie ernstlich darauf bejteh n zu müssen, daß die k k österreich's^e Regierung rücküchtlich deS Art 12 dabin interpretirt wer e: eS sei mit Beibehaltung deS österr. Münzsystems die Valuta (respekt. Taxirnng der Kfter. Silbermünzen nach dem Kurse) noch im Lause deS Iah- res 1876 Liechtenstein freizustellen. Der Antrag der Kommission an den Landtag lautet daher wie folgt: 1. Der Landtag genehmigt die Ve»!äng?rung deS am 23 Dez. 1863 zwischen Oesterreich und Liechtenstein vereinbar e» Zoll- und Steuervertrages dd W en, am 12. Dez. 1875 um ein Jahr, r t. bis Ende 1876; 2 jedoch wird die fürul Regierung dringend aufgefordert den Bevollmächtigten Seiner Durchlaucht bei der Wiede-aul nabme der Verhandlungen wegen Erneuerung des Zoll- und SteuerveitrageS von Seite des k. k österr. Ministeriums eine Interpretation deS Art. 12 deS verlängerten Vertrages dahin zu erwirken: eS sei das Aürstemhum Liechtenstein nicht behin, dert die österr. Gilbermünzen bei den öffentlichen um Privat- kassen deS Landes nur mehr nach ih^em laufenden KurSwerthe — nicht wie biS anher idrem Nennwerthe nach — anzu 172 nehmen. Vaterländisches. Stabil), 11. Jänner. Nach dem Ausweise der Vorarl- berger Bahn von 1875 dab.n sich Die Bet'iebS rträgnisse ge eu das Vorjahr' um 32,324 st geHoden Es wurden nämlich befördert im Jahre 1875: 467.815 Personen (1874 nur 450,154) mit einer Ein 172 nahme von 197.184 st. (geg^n 181.446 sl >ln Vorjadre); 2 295,944 Zentner Frachten 1874 nur 1 823,383) mit einer Einnahme von 129,364 fl. (gegen 112,778 fl im Vor- jähre) ES ergibt sich daher eine Mehreinnahme aus dem Personen- verkehre von 15,738 fl.; an* fern Krachtenve, kehre von 16,587 fl., zusammen 32,324 fl Ausland. Deutschland. Am 25 •£)• .. v 3s. wurde der bisherige General-Postvirektor Stephan zum General »Postmeister ernannt. Unter ibm, der auch an der Spitze der Telegrafenverwaltung steht, sind ungefähr 65,(WO Beamte beschäftigt, etne Zahl, weiche die Truppenstärke zweier Armeekorps übersteigt Dr. Stephan hat fem Meisterttück bei der Schöpfung deS allge- meinen PostvereinS gemacht In den Weihnacht^tagen war der Postyr-rkehr in Berlin »euer als je und zur Bewältigung k'.S PaketverkebrS waren 72 Wagen extra eingestellt. DaS günstige Wetter — kein Schnee und EtS auf den Straßen, kein Regenwetter — hat die Expedition der Güter begünstigt. Eine interessante demonstrative Kundgebung hat am 29. Dezember in Berlin stattgefunden. Auf ergangene Einladung v rsammelten sich die in dort lebenden unv zeitweilig anwesen 172 den Amerikaner in „Sachse'S Kunsjlalon" in der Taubenstraße, um gegen die Angriffe einiger Berliner Zeitungen, welche daS in Bremerhaven begangene Verbrechen mit der amerikanischen Civilisation in Zusammenhang brachten zu Protestiren. Höhlenbewohner in der nächsten Nähe der deutschen Kai- serftadt gehören in daS Reich der Fabel wird man sagen, und dermo b gibt eS eine vollständige Höhlenkolonie. von etwa 70 Menschen bewohnt, im Grunewald. Eine Anzahl polnischer Erdarbeiter, die bei dem Bau der Wenzlaer Bahn in der Ge- gend deS WannseeS beschäftigt sind, haben sich dort riir die Zeit deS Baues in Erddöttlen bauSlich eingerichtet Sie ha- den dem strengen Droste Trotz geboten, während rer Kalte ihr Daheim nicht zu verlassen und ersreuteu sich trotzdem der be- tteu Gesundheit Sie H ilten in ihrer „Kolonie" auf Ordnung, haben idren s.lbstgewählten Aeltesten, dem sie willig geborgen, und und fleißige und ruhige Menschen, die biSVer zy Klagen keine Veranlassung gegeben haben. Ihre Höhlen sind mit Erve bebeckt, sie s blasen zu dreien oder v eren »n einer solchen, deren Eingang zur Nachtzeit mit Reisig gegen die Luft geschützt wird. Der »Rheinpfalz" schreibt man auS Forst: „In Foge der kalten Witterung am 7 und. 8. Dezember lind bei uns und in der Umgebung in den Niederungen und teilweise auch an den Bergen dte Weinberge total erfroren, so daß a if daS nächste Jahr die Öffnung auf ein gesegnetes Weinjadr ganz- lich geschwuilden in " Dagegen wird auS der Südpsalz berich- «et, day dort die Reben nicht oder wenigstens nicht in dem Maße gelitten haben, daß eine Beeinträchtigung deS diesjähri 172 gen Herbstes zu befürchten wäre, obrchon daS Holz der Reben in Folge der unzuträglichen Witterung noch nicht Hinreichend gezeitigt ist. Oesterreich. Die österreichisch-ungarischen Verbältnisse sind mit dem Jahre 1876 iy eine bedeutungsvolle Phale ge- treten Vor all m ist es die Bankfrage die ernste Belürchtun- gen begründet Ungain will nämlich, daß das Vrivileutum der österreichischen Nationaldank, welches für die Gesammt-nonar- chie Geltung und erst mit Ende 1877 abläuft, schon mit 1876 erlösche; und will alSvann eine selbständige Bank errichten In Oeuerreich ist man aber der Ansicht, daß tm gegenwärtigen Zeitpunkte, wo die finanziellen und wirtschaftlichen Zustände nichts weniger alS gute sind, eine fo tief eingreifende Aenve- derung nicht vorgenommen werden dürfe und daß man efter daS Silberagio verschwindm machen müsse, bevor man an me Stell- deS Bestehenden unabsehbare Neuerungen treten lasse. Die ungarische Regierung beharrt >nun aber aus rhem Schein und e«klart am Schlüsse des JahreS 1875 auf offiziö- sein Wege, daß sie sich gar nicht darum kümmere, ob O lstef/ »eich daS Privilegium der Nationälbank kündige over nicht, iondern daß sie ein emverstanolicheS Vorgehen mit der dieslei- Ilgen Reichsdälite zur Lösung der Bankfrage zu erreichen suchen und, wenn dieS ohne Erfolg sein sollte, selbständig zu handeln gedenke. Außer dieser Verwicklung, deren günstige oder ungünstige Lösung zweifelhaft erscheinen muß, kommen noch andere Mo- mente in Betracht, die nicht geeignet sind, daS Bild rosiger zu