— 176 nicht ahnt, daß er Moltke in Person vor sich hat, entgegnet: „Ja, dat kan ick Se ganz genau seggen. Moltke wohnt hier ganz dicht hi, doa wua de beiden Schillerhüser stahn, doa gahn'S man herin." „Ja, erwidert Moltke,dat hew'ck mi ock so dagi", bedankt sich und geht ganz vergnügt über seine ge- lungene Kriegslist in seine Wohnung. * Rußland und Polen. Wie man in Rußland Mil 172 lionär wird. Die russischen Grenzbehörden sind in der jung- sten Zeit einem seit vielen Jahren schwunghaft betriebenen Schwindel aus die Spur gekommen, welcher die russischen Staatskassen Millionen gekostet haben mag. Der Schwinde! ging so harmlos vor sich, daß es nur einem Zufalle zu dan 172 ken ist, daß er aufgedeckt wurde. Der Borgang dabei war nämlich folgender: Die russischen Grenzzollämter vergüten beim Export von EpirituS die vom Erzeuger eingehobene Steuer zurück. Diesen Umstand benützte ein vielverzweigtes Konsortium in Russisch- Polen und exportirte reines Wasser von dort nach Preußen, natürlich um das Wasser als Spiritus zu deklariren und die betreffende Steuervergütung einzustreichen. Der Schwindel wurde jahrelang betrieben und Posener Handelsleute sind da- bei Millionäre geworden. Selbstverständlich war bei dem Ge- schüfte auch die Mithülfe der Zollorgane nöthig. Zahlreiche Verhaftungen sind bereits vorgenommen worden und eine groß- artige Untersuchung ist noch im Zuge. Eine bei der Defrqu« dation betheiligte Firma wurde zu einer Strafe von 1 Million Rubel verurtheilt. * Ein wirklicher Zweikampf auf der Bühne spielte sich kürzlich in dem Theater von JameSville in Ohio ab. Eine italienische Operntruppe brachte GounodS „Faust" zur Auf- sührung. Alles nahm seinen gewöhnlichen Verlauf bis zu der Scene, in welcher Faust sich mit Valentin duellirt und letzterer durch einen Stoß des höllischen RapierS von MephistopheleS getödtet wird. Bei dieser Gelegenheit griff Valentin, sobald er auS dem Hause seiner Schwester trat, nicht Faust, sondern MephistopheleS an. Beide Darsteller fochten mit solch merk- würdigem Eifer und solcher Geschicklichkeit, daß die Zuhörer- schaft enthusiastisch applaudirte, bis plötzlich MephistopheleS, jeder Bühnentradition zuwider, einen furchtbaren Stoß von Valentin erhielt und, statt denselben mit dämonischer Kalt« blütigkeit durch einen Streich seines magischen Schwertes zu panren, ohnmächtig in die Arme des Faust zurückfiel. Die Affaire war thatsächlich ein verabredeter Zweikampf und der Bariton hatte den Bassisten vor einer Menge unfreiwilliger Zeugen getödtet. Die beiden Sänger waren Nebenbuhler um die Gunst der Primadonna der Truppe. Was die unglückliche Natur 5eS tragischen Zwischenfalls erhöhte, war der Umstand, daß der getödtete Bassist, der Giulio hieß, der bevorzugte An- beter der Signora.Arabella war, deren lautes Wehklagen sich in die Scene der Verwirrung, unter welcher der Vorhang fiel, mischte. England. Bostoner Blätter jubeln über den guten Er- folg des ersten Versuchs, lebendiges Vieh aus den Vereinigten Staaten nach England zu bringen. Das Wagniß wurde in Anbetracht der hohen Fleischpreise in England unternommen und das Ergebniß war sehr befriedigend. Das Vieh, 160 Stück, kam in einem ausgezeichneten Gesundheitszustand an und brachte hohe Preise. Die Qualität war derjenigen des schottischen Viehes gleichgestellt. Dieser ViehtranSport war mit um so größerer Gefahr verbunden, -als daS neue englische Gesetz zur Verhütung der Einschleppung der Maul- und Klau- enseuche oder andern Krankheiten sehr streng durchgeführt wird. AuS folgender Notiz geht hervor, was für enorme Preise in England für ausgezeichnete Racenthiere bezahlt werden. Bei einer Viehsteigernng wurden folgende Preise erzielt: Für 1 Kuh, Spornthorn-Race, 5250 Fr.; 1 Kuh, Oxford-Race, 9580 Fr.; 2 Rinder, beide Wild-Epel-Stamm, eines für 10,700, das andere für 1 1,400 Fr,; 1 Zuchtstier, Dücheffe- Race, 52,500 Fr.; 1 Pferd, Doueaster-Hengst, 350,000 Fr. Der Zuchtstier ist sieben Jahre alt, kam aus Amerika und ist wieder dorthin. Das Pferd ist vom Herzog von Westminster gekauft worden. * Amerika. Cigarren - Produktion. Vor 40 Jahren wurden in den Bereinigten Staaten jährlich 58 Mill. Cigarren fabrizirt, während jetzt jährlich 742 Mill. Cigarren konsumirt werden. * Z u r S a u s e r z e i t. Ein Poet läßt sich über die Sau- serzeit folgendermaßen vernehmen: Geht hie und da jetzt Einer krumm, So ärg're dich nicht, Publikum. Das kommt vom Göttertrank der Reden, Die auch so krumm zum Himmel streben. Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber : vr. Rudolf Schädler. Nichtamtliche Anzeigen. W Die Gefertigte widerruft hiemit die über die Fidel Lampert'- fchen Eheleute hier ausgesprochene Beschuldigung der Brand- stistung als unwahr. Schellenberg, den 23. Juli 1875. Katharina Wohlwend. B a d « z. Sonntag, dm 31. Oktober d«< neu errichteten Gasthauses zur Linde vis-ä-vis der neuen Kirche. Der Besitzer: Ferdinand Walser Kornpretse vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 22. Ott. Der halbe Metzen | beste mittlere geringe 1 ? I kr. fl. kr. ?. kr. Korn 1 3 40 3 I 15 3 05 Roggen .... 2 80 2 60 2 50 Gerste 1 2 70 2 50 2 30 Türken .... 2 80 2 50 2 20 Hafer I 1 70 | 1 60 1 50 Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. Monat Morgens 7 Uhr Mittags 12 Uhr AbendS 6 Uhr Witterung. Oktober 20 + 5% + 14 + 7 hell . 21. + 6% +11 + 73/4 * „ 22. + 6 +10 3 /< + 7% trüb » 23. + 5% —-+-10 + 6 % halb hell . 24. + 6 + 8 + 5-/4 trüb Reg. . 25. + 3 + 6'/4 + 2% halb hell * 26. + 2 + s + 1% hell Telegrafischer Kursbericht von Wien. 29. Okt. Silber 103.60 20-Frankenstücke 9 01 ^ Druck von Heinrich Grass in Feldkirch.