Liechtensteinische Dritter Jahrgang. Vaduz, Freitag Nr. 43. den 22. Oktober 1875 Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fi. sammt Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig l fl. 25 kr.; für das «brige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 kr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das In- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrückungSgebühr für die 2gespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. Landtagsverhandlungen. IV. Sitzung des Landtags. Dienstag, den 19. Oktober. Beginn »er Sitzung Vormittags 10 Uhr. Anwesend sind: der fürstl. LandtagSkommissär und 12 Abgeordnete. Abwesend 3 Abgeordnete. TageSordy-ung: 1. Verlesung deS Protokolls der letzten Sitzung. 2. Verlesung der Einkäufe. 3. Berathung und Beschlußfassung einer Adresse an Seine Durchlaucht. 4. Berathung und Beschlußfassung wegen einer Subven, tion von 300 fl.- für die Gemeinde Triesnerberg zu Straßenbauzwecken. 5. Berathung und Beschlußfassung bezüglich Bewilligung einer TheuerungSzulage für die Lehrer von je 50 fl. pro 1875. 6. Berathung und Beschlußfassung behufs Erhöhung der Taggelder für landschäftl. CommifftonS-Mitglieder. 7. Berathung und Beschlußfassung über das Gesuch der Gemeinde Mauren behufs einer Subvention aus den Zinsen deS Armenfondes zu Armenzwecken. 8. Berathung und Beschlußfassung über daS Gesuch der Rheinbrückenbaukorporationen behufS Einführung von Brückenzöllen. 9. Berathung und Befchlußfaßung betreff Steuerrevision. Nach Verlesung deS Protokolls wird dasselbe genehmigt und unterfertigt. Der nächste Gegenstand, die Berathung einer Adresse an Seine Durchlaucht in Sachen des LandeSmünzwesenS, gab dem Präsidenten Dr. Schlegel Anlaß, die Angelegenheit unferS MünzwesenS in einer längern Rede eingehend zu besprechen. Zunächst wurde in derselben hervorgehoben, daß der Landtag schon letztes Jahr die nöthigen Schritte gethan habe, um die immer mehr wachsenden Nachtheile der MünzkrisiS vom Lande fer» zu halten, jedoch seien diese Versuche an Artikel 12 deS österr.-liechtenft. Zoll- und Steuervertrags, welcher das Fürsten, thum bis Ende dieses JahreS an das öffcrr. Münzsystem bin 172 det, gescheitert. Wenn auch in dem neu abzuschließenden Vertrage jene Bestimmung deS Artikel 12 nicht mehr aufge 172 nommen werde d. h. dem Fürstenthum das freie BestimmungS- recht in Münzangelegenbeiten überlassen werde, so sei doch die Möglichkeit vorhanden, daß der neue Verlrag in diesem Jahre nicht mehr zu Staiide käme und somit die alten Vertragsbe 172 stimmungen noch über den 31. Dez. hinaus in Kraft bleiben könnten. Um nun die drohende Gefahr einer Verschleppung unserer Münzkalamität in das »eue Jahr hinaus zu verhüten' habe die Finanzkommisston den Entwurf einer Adresse in dieser Angelegenheit an Seine Durchlaucht beschlossen und sei heute in der Lage dieselbe dem Landtage zur Berathung und Be- schlußfassung vorzulegen. Die Wichtigkeit dieser Hache und die schweren Wunden, die daS Land durch die MünzkrisiS unverschuldet bereits erlitten habe, ließen erwarten, daß die Landesvertretung einstimmig für die Adresse eintreten werde. Die hierauf zur Verlesung gelangende Adresse lautet wörtlich: Durchlauchtigster Fürst! Gnädigster Fürst und Herr! Die Landesvertretung deS souv. Fürstenthums hat in der letztjährigen LandtagSsession Eurer Hochfürstlichen Durchlaucht durch die fürstl. Regierung in Vaduz die kritische Lage deS Landes gegenüber der immer fortschreitenden En twerthung des hier zu Lande gesetzlich kursirenden österreichischen SilberguldenS zum Ausdruck gelangen lassen und das ehrerbietigste Ersuchen ausgesprochen, es möchte dir fürstliche Regierung ermächtigt werden, eine Gesetzesvorlage zur Beseitigung dieses unsere Lan- Desinteressen eminent schädigenden UebelstandeS zur verfassungs- mäßigen Behandlung einzubringen. Die darauf erfolgte höchste Resolution Euer Durchlaucht ging aber dahin, daß der noch in Wirksamkeit stehende an daS österr. Münzsystem gebundene Zollvertrag jetzt noch keine Aen- derung deS MünzwesenS gestatte. Die Gründe dieser Entschließung Euer Durchlaucht wohl anerkennend ist auch der heute versammelte Landtag weit davon entfernt, eine Umgestaltung deS bisherigen MünzsystemS anzu- streben, so lange jener Vertrag zu Recht und Kr«ft besteht. Die Gründe, welche die gegenwärtige Landesvertretung bewo- gen Haben, die Angelegenheit des MünzwesenS Euer Durch- laucht dennoch wieder ehrfurchtsvollst vorzuführen, liegen viel- mehr in ver Möglichkeit, daß die sowohl von Euer Durch- laucht als auch vom Landtage unter gewissen Modificatisnen angestrebte Erneuerung deS österreichisch-liechtensteinischen Zoll- Vertrages in diesem Jahre nicht mehr zu Stande käme, und somit eine Prolongirung des jetzigen Vertrages in Aussicht käme. Eine Verlängerung des jetzt'noch zu Recht bestehenden Vertrages aber hätte für uns auch ein Fortbestehen der jetzi- gen uns so schwer schädigenden Nachtheile der MünzkrisiS zur nothwendigen Folge, insofern jener daS Fürstenthum an das österr. Münzsystem bindende Artikel 12 deS Zoll- und Steuer- Vertrages vom 23. Dez. 1863 die Berechtigung zur weiteren Wirksamkeit hätte. Zur nähern Beleuchtung und Klarstellung der genannten Uebelstände erlaubt sich die ehrfurchtsvollst unterzeichnete Lan- deSvertretung auf den in der anhängenden Beilage angeführ 172 ten Nachweis über die durch die Entwertung des öfterreich. SilberguldenS drohenden und bereits erlittenen Verluste bei der