— 168 — der Nacht zum wüthendsten Orkan anwuchs. Das Wasser, durch den Druck des Windes zum Lande hingetrieben, stieg mit rasender Schnelligkeit, so daß Jedermann nur an die Er- Haltung des eigenen Lebens denken konnte. Binnen Kurzem standen die Straßen 7 Fuß hoch unter Wasser. Am 17. drehte sich der Wind n«ch Nordwesten, und die Wassermassen, welche derselbe aus den Jndianola umgebenden, mit dem Meere zu 172 sammenhangenden Seen heraustrieb, überflutheten die Stadt von der ändern Seite. Die Häuser wurden weggerissen oder stürzten zusammen. Gegen den Morgen deS 18. legte sich der Wind und das W«ffer trat dann allmälig zurück. Mit Tagesanbruch wurde alsdann die schreckliche Wer- Wüstung sichtbar. Die Stadt konnte kaum wiedererkannt wer« den. Kein HauS wsr der Zerstörung entgangen und todte Körper lagen in allen Richtungen umher. Die Ueberlebendsn und organisirten Polizeiwachen suchten zu retten, waS noch zu retten war. Siebenzig Leichname wurden binnen Kurzem auf- gefunden und beerdigt. Männer, Frauen und Kinder entdeckte man in allen Stellungen, wie sie sich vergeblich an Fenstern und Thüren anzuklammern versucht hatten, um nicht von den Wellen hinweggerissen zu werden. Viele Gefangene ertranken in den Zellen; einer, ein Mörder, entkam, als man ihn be- freite, um ihn von dem Tode deS Ertrinkens zu retten. Hun- derte entkamen durch eigentliche Zufälle. Der Verlust., an Menschenleben mag sich auf inSgesammt 200 belaufen. Alle Kirchen find vollständig verschwunden, ebenso alle Kaufmanns- Häuser, mit Ausnahme von fünfen. Ein Telegramm, welches der Attornev-General des Distrikts nach Galvestone sandte, lautet wie folgt: „Senden Sie uns um Gotteswillen schleunige Hülfe. Neun Zehntel aller Häu- ser sind gänzlich zerstört. Todte Körper finden sich in einem Umkreis von 20 englischen Meilen zerstreut. Siluria in Texas ist vollständig hinweggeschwemmt worden. Corpus Christi hat wenig gelitten." Die Stadt Sabine wurde vollständig überschwemmt und arg beschädigt, aber ohne Verlust an Menschenleben. Cedar Lake ist ebenfalls zerstört und es heißt, daß alle Einwohner dabei umkamen. In einem Gehöfte von 28 Menschen ertran- ken Alle bis ans fünf. * Von der Ertragfähigkeit der Kattoffeln erzählt der „Bote der Urschweiz" folgendes Beispiel: Letztes Jahr hatte ich einen zwei Pfund und anderthalb Pierling schweren Erdäpfel auS- gegraben und beschloß denselben aufzubewahren. Dieser Rie- senkartoffel wog dieses Frühjahr nur mehr 2 Pfund und ich legte denselben an einen eigenen Platz und unter Pflege ganz in die Erde. ES war eine große kräftige Staude, die dieser Sämling getrieben und als wir die Staube letzthin ausgruben da zählten wir 87 Stück Kartoffeln an derselben, welche zu- sammen 16 Pfund wogen. Unter ihnen waren Stücke bis auf ein Pfund. * Der größte Bienenzüchter der Welt ist Herr Adam Grimm zu Jefferson in Wisconsin. Die Zahl seiner Bienen- stöcke beträgt 1158, von welchen er im vergangenen Jahre nicht weniger als 25,910 Pfund Honig bezog. * Die Berliner Bürgerzeitung erzählt von einer Wunder- kur, die letzter Tage ein Handwerksmeister in Berlin an einem Lehrburschen verrichtet habe. Jener hatte akf kurze Zeit sein Geschäft verlassen und die Lehrburschen hatten während dersel- ben, anstatt zu arbeiten, Allotria getrieben. Der Meister war darüber so entrüstet, daß er ihn Zorn gerieth und einem der Burschen, dessen Vater ihm befreundet war und der gerade den Sohn, weil dieser schwerhörig ist, ihm in die Lehre gegeben, eine Ohrfeige gab. Der Junge lief schweigend davon und klagte zu Hause, was ihm wieverfahren sei. Der Vater un 172 terhielt sich mit ihm in dem gewohnten lauten Tone, erstaunte indessen nicht wenig, als der Sohn ihn aufforderte, nicht so laut zu schreien. Was vielfacher ärztlicher Rath nicht vermocht hatte, daS hatte die Ohrfeige bewirkt. Das Gehörleiden ist seitdem beseitigt und der Knabe befindet sich bereits wieder bei seinem unfreiwilligen Arzt in der Lehre. * Läusekrankheit der Hühner. Gegen diese, wohl jedem Zuchter als lästig bekannte Krankheit hat Hr. C. Rasch mit Erfolg Carbolfäure angewandt. Cr berichtet varüber: „Ich ge 172 brauchte Carbolsäure mit Wasser verdünnt im Verhältniß von t zu .100. Die Mischung wurde in einen Topf gethan und unter beständigem Rühren, weil die Säure sich schnell nieder- schlägt, bestrich ich mit einem Pinsel zunächst die Sitzstangen, sowie alles Holzwerk, Nester und den Kußboden. Hinterher wurde jedes Huhn vorgenommen und unter den Flügeln auf der Haut depinselt. Die Wirkung war eine eminente, denn schon nach einigen Tagen war keine LauS mehr zu spüren; die Thiere bekamen ihre alte Munterkeit wieder und erreichten bald ihr früheres Gewicht, wovon sie über die Hälfte schon eingebüßt hatten. Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. Nichtamtliche Anzeigen. Anzeige und Empfehlung. Unterzeichneter hat sich hier als praktischer Arzt niederge- lassen und empfiehlt sich auch dem geehrten Publikum der über- rheinischen Gemeinden in allen Zweigen der Medizin, Chirur- gie und Geburtshilfe bestens, unter Zusicherung treuer Pflicht- erfüllung. Buchs, (Bahnhofstraße) im Oktober 1875. z Eigeninann-Sequiii, Arzt. Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 8. Okt. Der halbe Metzen beste mittlere geringe fl kr. fl- kr. | 1 fl- kr. Korn 1 3 40 3 15 3 05 Roggen .... 1 2 80 2 60 2 50 Gerste . . . . . 2 70 2 50 2 30 Türken .... 2 80 2 50 2 20 I Hafer 1 70 1 60 1 50 Thermometerstand nach Reaumnr in Badnz. Monat Morgens 7 Uhr Mittags 12 Uhr Abends 6 Uhr Witterung. Oktyber 6 +10 +14 + 12 fast trüb; etw.Reg tr ' 7. + 7 % +11% + 8 hell n 8. + 6% +12 + 8 u V 9 + 8 Vi +13 y 2 + 13 3 / 4 hell etw. Föhnw. tf 10. + 9 +H/4 + 8 trüb «f 11. + 5 + 8 + 6% halb hell 0 12. + 5-/2 + 5% + 4 Regen Telegrafischer Kursbericht von Wien. 13. Okt. Silber 102.45 20-Frankenstücke 8.97 Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.