Liechtensteinische Dritter Jahrgang. Vaduz, Freitag Nr. 34. den 20. August 1875< Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 si., halbjährig l fl. sammt Poßversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig l fl. 25 kr.; für das übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 kr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrückungSgebühr für die 2gespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. Vaterländisches. Vaduz, den 16. Aug. Die letzte Woche brachte uns UN- erwartet hohe und seltene Gäste, nämlich die Fürsten Alfred, LouiS und Heinrich Liechtenstein, nahe Verwandte unseres re- gierenden Fürsten. Dieselben haben während der Zeit ihres hiesigen Aufenthaltes (von Donnerstag bis Sonntag Abend) mehrere AuSfiüge in die obere und untere Herrschast unter- nommen. Bei der GebirgSjagd, welche den hohen Gästen zu Ehren veranstaltet wurde, betheiligte sich Fürst Heinrich allein und war so glücklich, auf einem Stande zwei Gemsen zu er- legen. Wie man vernimmt, sol!en*die hohen Herren die besten Eindrücke über unser Ländchen mitgenommen und die Verstche- rung abgegeben haben, bald wieder zu kommen. An diesen Besuch unsere Worte anknüpfend glauben wir im Sinne des ganzen Landes zu sprechen, wenn wir denselben als ein ange- nehmeS Ereigniß bezeichnen u. die Hoffnung ausdrücken, solche Gäste recht bald wieder begrüßen zu können. BadttZ, 16. Aug. Ein Gang durch unsere Weinberge zeigt, daß nicht wenige Trauben vom Sonnenbrand gelitten, indem die Beeren eingeschrumpft und roth sich zeigen, was in Folge der großen Hitze (am 12. -f- 28° R.) nicht zu ver- wundern ist. UebrigenS zeigt sich diese Erscheinung, mehr oder minder, in warmen Sommern fast immer. Der auf- merksame Beobachter wird finden, daß hauptsächlich die auf der Südseite des Stockes oder fönst zu frei hängenden Hrau- ben genannte Erscheinung zeigen, während die durch Laub genügend geschützten meist verschont geblieben sind. Sollte das nicht ein Fingerzeig sein gegen das leider noch vielfach vorkommende zu starke AuSlauben der Rebstöcke, zudem da die Erfahrung zeigt, daß dahinter Laub versteckten Trauben stets zuerst Spuren der Reife zeigen. Das Welkwerden der Traubenbeeren rührt mitunter auch vom Stich des SauerwurmeS her, welches Infekt diesen Monat schon wieder sein Unwesen treibt. Triesenberg, den 17. August. Gestern ereignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Die 23jährige blühende Tochter des Johann Schädler in Wangerberg war nämlich gestern Nachmittag in einem der steilen Heubergzüge eben damit be- schäftigt, eine „Bürde Heu" zusammenzuschnüren, als ein von der Höhe kommender Stein sie ^auf die Stirne traf und ihr die Hirnschale spaltete. Die sofort bewußtlos Zusammengesun- kene wurde dann nach Hause gebracht., wo sie nach kurzer Zeit verschied. Politische Rundschau. Deutschland. Unter den Vorlagen für die nächste preu- ßische LandtagSjession wird jetzt auch ein Gesetzesentwurf be- treffend die Gründung neuer Ansiedlungen in Aussicht gestellt. Dieses Gesetz soll dem Mangel an ländlichen Arbeitern abhel- fen, indem eS die Mittel bieten soll, den Arbeiter in seiner Heimath fest- und von der Auswanderung in die industriellen Bezirke zurückzuhalten. Der GefetzeSentwurf würde die Zer- stückelung von Domänialgrundstücken in kleine Parzellen plan- maßig und in großem Maßstabe anordnen. Man möchte einen selbständigen Bauernstand da, wo derselbe leider ganz verschwun- den ist, aufs Neue inS Leben rufen. Es wird schwer sein. Der Ausfall der bayrischen LandtagSwahlen hat eine wunderliche Nachblüthe gezeitigt. Es beginnt eine Anzahl preußischer Organe die Frage der Annexion Bayerns ganz offen zu ventiliren. Zuerst debütirte mit einer Kundgebung in dieser Richtung die Berliner „Vossische Zeitung". Nachdem hiemI daö CiS gebrochen war, folgte die „Schlestsche Zeitung", mit einem Artikel, welcher der Tendenz nach vollständig mit jenem der „Bossischen Zeitung" übereinstimmt. Die Folge hievon war, daß die „patriotischen" Abgeord- neten BaiernS sich über daS Ziel und die Mittel ihrer künf- tigen Aktion zu einigen entschlossen. Ihr Programm soll sein: Wahrung der bayrischen Reservatrechte, Opposition gegen AuS- dehnung der preußischen Kirchengesetze auf daS ganze Land, Hochhaltung der Freiheit der Presse u. a. m. Ueber die Vor- gänge im Landtag sollen zwei parteigetreue Korrespondenzen, die eine an die Gemeinde und die Wahlmänner unentgeltlich, die andere zu geringen Kosten an die Parteiblatter abgefertigt, und überhaupt eine stramme Parteidisziplin gehandhabt wer- den. Der Chauvinismus der Berliner Offiziösen hätte dem- nach nur weiter dazu gedient, den Liberalen im Süden ihre Position erheblich zu erschweren. England. DaS englische Parlament wurde am 13. dS. mit einer Rede der Königin geschlossen, worin diese erklärt, die ausländischen Beziehungen seien herzlich und sie habe volles Zutrauen zur Aufrechterhaltung des europäischen Friedens. Sodann zählt sie die angenommenen Gesetze auf und beglück- wünscht das Parlament für seine Thätigkeit. Spanien. Das Neueste aus Spanien ist die Belagerung der Karlistifchen Festung Seo de UrgelL Die alphonisistschen Trup 172 pen unternahmen am 11. ds. einen Sturm auf die Forts der Festung und nahmen das Außenwerk Solfona. Gleichen Ta- geS eröffneten sie auch den Angriff auf den Monte Cuervo, der die ganze Festung beherrsche. Dem „Temps" wird darü- ber gemeldet: Die Belagerer erstiegen im Sturm die Wälle, aber die Leitern waren zu kurz und der Angriff wurde abge- schlagen. Jedoch nach zweitem Anlauf und verzweifeltem Kampfe drangen die Alphonsisten schließlich doch in den Thurm ein und machten viele Gefangene. Bei der. Beschießung der Cita- delle flog ein Pulverthurm in die Luft und öffnete in der Mauer eine Bresche. Todte zählen die Belagerer über Hundert, die