Liechtensteinische Dritter Jahrgang Vaduz, Freitag Nr. 26. den 25. Juni 1875. Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fi. fammt Postversendung und Zustellung in'S Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. so kr., halbjährig 1 fl. 25 kr.; für das übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 kr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das In- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. —- EinrückungSgebühr für die 2gespaltene Zeile S kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaktion m Vaduz. Landtagsverhandlungen. Ueber die Einführung einer neuen Maß- und G ew ich t» Ordnung nach dem metrischen System hat die fürstliche Regierung nachfolgenden Gesetzentwurf in Borlage gebracht. Art. 1. Das bisherige Maß und Gewicht wird nach dem metri 172 schen System abgeändert und zwar in der Weife wie eS für die österr. Kronlander mit dem im AuSzuge beigeschlossenen Gesetze vom 23. Juli 137! (ReichSgesetzblatt Jahrgang 1872 Nr. 16) in' den Artikeln 1, 2, 3, 4, 13, 14 und 17 ange 172 ordnet erscheint Art. 2. Bei der fürstl. Regierung werden die benöthigten Normal- maße und Gewichte in Aufbewahrung gehalten, welche von der kais. österr. Normal-Aichungskommission in Wien auf land- schaftliche Kosten zu beziehen sind'. Art. 3. Zum Meßen und Wägen im öffentlichen Verkehre dürfen nur von einem österr. Aichamte geprüfte und' gestempelte Maße, Gewichte und Wagen verwendet werden. Die Aichung von Fässern hat entweder durch ein österr. Aichamt oder durch die für daS Fürstenthum ämtlich autori- firten Organe zu geschehen, welch letztere die fürstl. Regierung nach vorher erlangter Gewißheit über ihre Befähigung be- zeichnet. Art. 4. Die im Artikel 1 aufgeführten Maße und Gewichte stnd vom 1. Jänner 1876 an im öffentlichen Verkehre auSschließ- lich anzuwenden. Nach diesem Zeitpunkte ist der Gebrauch jedeS andern MaßeS und Gewichtes untersagt; nur in Betreff der Anwendung der Flächenmaße auf die Vermeßung der Grund- stücke wird die fürstl. Regierung ermächtigt, den Termin nach Bedarf zu verlängern. Art. 5. Alle GewerbSunternehmer, welche in einem öffentlichen GeschäftSlokale Kauf und Verkauf betreiben, müssen sobald sie daS neue Maß und Gewicht anwenden, welches sie sich auf eigene Kosten anzuschaffen haben, die von der Regierung auf- gelegten, daS Verhältniß des bisherigen zu dem neuen Maß und Gewichte darthmnden Umrechnungstabellen in dem Ge- schäftSlokale an einem für Jedermann bemerkbaren Platze afsigiren Art. 6. Wo diese derart veröffentlichten Tabellen nicht angetroffen werden oder wo vom 1. Jänner 1876 an andere als die metrischen Maße und Gewichte im öffentlichen Verkehr gebraucht werden, tritt, abgesehen von der anfälligen Behandlung nach dem Strafgesetze, nebst dem Verfall der beanständeten Maße und Gewichte eine Geldbuße von 5—50 fl zu Gunsten deS LandeSarmenfondeS ein. Wiederholungsfälle sind beim Straf- auSmaße als ein erschwerender Umstand anzusehen. Art. 7. Bei Abwickelung von Verträgen, welchen noch daS alte Maß und Gewicht zu Grunde liegt, hat die Umrechnung auf das neue Maß und Gewicht nach dem im Art. IV deS österr. Gesetzes vom 23. Juli 1871 festgestellten Verhältnisse zu ge- schehen. Art. 8. Die zum Meßen und Wägen im öffentlichen Verkehre dienenden Maße und Gewichte sind über Regierungsanordnung theilS periodisch, theilS von Fall zu Fall einer neuerlichen Aichung zu unterziehen. Die fürstl. Regierung hat daS kais. österr. Aichamt zu be- zeichnen/wo die neuerliche Zimentirung nachzusuchen ist. Die Anwendung von Maßen und Gewichten im öffent- lichen Verkehre, deren Abweichung von dem wahren Werthe größer ist als die gesetzlich zulässige, wird nach den Beftim- mungen deS Art. 6 geahndet. Als gesetzlich zulässige Abweichungen werden aber die- jenigen erklärt, welche vom kais. österr. Ministerium in Wien im VerordnungSwege festgestellt werden. Art. 9. Die fürstl. Regierung erhält die Ermächtigung zum Erlasse jener Verordnungen, welche die Durchführung der neuen Maß- und GewichtSordnung nothwendig machen sollte. Die LandtagSkommission, welche mit der Vorberathung dieses Gesetzentwurfes betraut war, ließ durch ihren Referen- ten Abg. Rheinberger nachfolgenden Bericht erstatten. Meine Herrn! Mit 1. Januar 1876 wird in ganz Oesterreich daS alte Maß- und Gewichtsystem verlassen und ein neueS daS söge- nannte metrische System eingeführt werden. Lange schon wurden hiezu die nöthigen Vorbereitungen gemacht; auch bei uns ist in den Landesschulen die Schuljugend mit diesem ein- heitlichen Maß- und GettfiHtsystem vertraut gemacht worden und endlich rückt für Liechtenstein auch die Stunde heran und zwar gleichzeitig mit Oesterreich, wo dasselbe Gesetzeskraft er- langen soll. DaS Metersystem macht seinen Gang durch die Welt. Nicht nur unsere Grenzstaaten, sondern bald alle Länder Eu« ropaS, werden sich zum besseren Verständnisse dieses einzigen MaßeS und Gewichtes bedienen. Die große Idee einer all- gemeinen internationalen Maß- und Gewichtseinheit geht in