Dritter Jahrgang. VÄduz, Freitag Nr. 21. den 2 t. Mai 1875. . l>cchtensteinischc Wochenzettnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für da« Inland gali,jährig S st., halbMria v « kämm« «O""? Zustellung in S Kau«. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 9 st. 50 kr., halbjährig l fl. 2& kr • für »?t w/k?»'- 4: B6 o«nj)iährig a fl., halb,Shng l fl. 10 fr. ohne Postversendung. - Man abonmrt für da« In- und Ausland' bei de» werden f?anco^rte^e/a" die Re^atti»^!»^^ ^".ückung«».dShr für die 2g-sp-«.ne Zeile S kr. - Briefe und Gelder Vaterländisches. Stabu}, 18. Mai. Aus Ueberfehen wurden in der letzten Nummer unseres Blattes die Stimmzahlen der neugewählten LandtagSabgeordneten einzuschalten vergessen; wir bringen nach- träglich dieselben wie folgt: Im 1. Skrutinium Herr Landrichter Keßler mit 93 Stimmen. Altvorsteher Ferdinand Walser von Schaan 82, Vorsteher Heed von Ruggel 88, Joh. Alois Schlegel von Trkesenberg 89. Im 2 Skrutinium, da Herr Ferdinand Walser ablehnte, kommen 2 zur Wahl und es gehen hervor Altvorsteher Fritsche von Balzers 84 und Vorsteher Kaiser von Mauren (im letzten Berichte fehlerhaft vor; Ruggell) mit 78. Ersatzmanner: Wpwfte^er Amman - SkattfrÄ# Q;% Gamprin 176, BreWmWtt MK Schellenberg 175, Äpsch Tschelter von Schaan/ ; Herr Landrichter Keßler hat die Annahme des Mandates abgelehnt und tritt daher der 1. Ersatzmann Herr Altvorsteher Amman von Vaduz für denselben in den Landtag ein. Vaduz, 18. Mai. Schweizerblätter bringen folgende Notiz betreffend die Mittheilung über Rheinhochwasserstänve: Nach neuester Verordnung und Uebereinkunft vom 15. März 1875 betreffend Beförderung von Depeschen über Rhein- Hochwasserstände sind die Beobachtungen an den Pegeln (Was- serzeiger) in Reichenau bei der großen Brücke über den verei- nlgten Rhein und in Ragaz bei der HinterlandungSschleuße maßgebend. Laut Art. 1 jener Verordnung erfolgen die Berichte sobald der Reichenauer Peqel 21 Fuß, und von Ragaz aus, wenn dieser Pegel 9 Fuß Wasserhöhe zeigt Zur Beurtheilung dieser Berichte und zu Jedermanns Schätzung der Gefahr dient folgende Zusammenstellung beob« achteter Hochwasserstände.' a) am Pegel in Reichenau: Hoch- wasser von 1817, 26' boch. 1834, Aug. 28., 30' hoch. 1861, Juli 7., 23' hoch. 1868, Sept. 28., 28 %' hoch. 1871, Juni 19., 25%' hoch. 1872, Mai 22., 21 %' hoch. 1874, Aug. 15., 22' hoch. Winterwasser 1872, 7' hoch, b) am Pegel der Schleuß? in Ragaz: Hochwasser von 1874, Juli 31., 9' hoch. 1874, August 15., 10' hoch. Vaduz, 18. Mai. Gestern entlud sich über Schaan ein Hagelwetter, das strichweise, besonders in den Weinbergen nicht unbedeutenden Schaden verursacht hat. Herr Baptist Quaderer, Gastwirth in Schaan ist gestern gestorben. Sein ehemaliges Wirken im Landtage, seine Thä- tigkeit in den landschaftlichen Kommissionen für Rheinbau.und Schayung haben ihn als einen Mann von uneigennützigem und gemeinsmnigem Charakter gekennzeichnet. Mit ihm ver. liert das Land und die Gemeinde einen achtbaren Bürger und Verfechter gemeinstnmger Ideen. Politische Rundschau. Dentschland. Die Presse beschäftiget sich noch immer mit Betrachtungen über Krieg und Frieden Eine Pariser Korre- spondenz der „Times- besagt, die Miiilärpartei in Deutschland wolle den Krieg mit Frankreich, welches einen zu günstigen Frieden erhalten habe und zu rasch seine militärischen Finanz- qWen wieder herstellte. Die „TimeS" selbst hält zwar diese für ungereimt m,d konstatirt, daß Frankreich PoU^'ÄeHwsche Idee verfolge, den mit Frankreich geschW senen Wven zu brechen; dies hieße daS internationale Recht verletzen. Die „Times" findet den Ursprung dieser Gerüchte in den Prahlereien preußischer Soldaten, in der Unbesonnen- hcit der Berliner Presse und in den leeren Drohungen voft Staatsmännern, welche die Einschüchterung als diplomatisches Mittel hochschätzen. Die bereitS stattgehabte Anwesenheit deS Kaisers von Ruß- land wird von den meisten Blättern als sichere Bürgschaft für die Fvrtvauer deö Friedens betrachtet, und dürfte derselbe daher auch wenigstens für die nächste Zeit sichergestellt fein. DaS preußische Abgeordnetenhaus hat in jüngster Zeit? RegiermigSvorschlage, die gegen die katholische Geistlichkeit und daS katholische OrdenSwesen gerichtet sind, durch verfassungS- mäßige Behandlung zum Gesetze erhoben. DaS erste Gesetz verhängt die GehaltSeinstellung gegen die katholische Geistlich- keit, solange sich dieselbe den Kirchengesetzen nicht füge. Nach neueren Nachrichten gedenkt zudem die preußische Regierung gegen alle Subskriptionen und Sammlungen zu Gunsten der ihiei? G-Haltes verlusttgen Bischöfe und Geistlichen strafgericht- lich einzuschreiten und die Sammler oder Theilnehmer gericht 172 lich zu belangen. Das. zweite Gesetz schließt sammtliche Ordey und ordensähnlichen Congregationen von dem preußischen Ge- biete miS. Denjenigen Niederlassungen, T>ie sich mit der Er 172 ziehung der Jugend beschäftigen, wird die .Frist zur Auflösung auf 4 Jahre verlängert. Diejenigen Orden und Congregatw, nen, welche sich ausschließlich der Krankenpflege widmen , er- fahren auch eine ahnliche abweichenve Behandlung. Jedoch steht eS dem jeweiligen Ermessen des CultuSministerS anHeim, vorkommenden Falls auch vorher die Aufhebung auszusprechen. Die enorm folgenschwere Bedeutung dieser 2 Gesetze und ihrer Consequenzen gestalten den kirchenpolitischen Kampf zu einesil immer ernsteren.