Dritter Jahrgang. Babnz, Freitag Nr. 16. den 16. April 1875. Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Ztlland ganzjährig 2 st., halbjährig l st. sammt Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. so kr., halbjährig l fl. ss kr.; für das übrige Ausland ganzjährig Z ff., halbjährig 1 fl. 10 kr. ohne Postbersendung. Man abonyirt für das In- und Ausland hei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrüÄungSgebühr für die Sgefpaltene Zeile s kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. I Noch ein Wort zur Klarstellung. Die „Feldk. Ztg." brachte letzthin in Nr. 28 und 29 (7. und 10. April) eine anonyme Emsendung „von der liechten 172 steinischen Grenze", welche sich als „Richtigstellung" zu jener Klarstellung betitelt, die wir in Nr. 9 (26. Februar) unseres. BlatteS gebracht hatten. Diese sogenannte „Richtigstellung" richtet ihre Angriffe zunächst gegen unser Landgericht und fer- tigt dann unsere Klarstellung mit einigen Ausdrücken wie „un- qualWrbar," „persönliche Jnvektiven", „subjektiv" jc. kurz ab, ohne sich die Mühe zu geben, unsere auf Aktenstücken und auf Tatsächlichem beruhenden Beweisführungen zu widerlegen. Doch alles dieses hätte uns nicht veranlaßt, noch einmal diese Angelegenheit zu einem ZeitungSgespräch zu machen, wenn in jenem Artikel nicht Aeußerungen enthalten wären, die wir schlechterdings als Lügen bezeichnen müssen. Der „Richtigstellet" in der „Feldk. Zeitung" wirft uns nämlich vor, die That HartmannS „schöngefärbt", „in ein besseres Licht gestellt", „ja sogar alS eine bloße Kleinigkeit an- gesehen" zu haben. Dieser absichtlichen Unwahrheit gegenüber berufen wir unS auf alle in unserer Klarstellung gebrachten Aeußerungen und heben noch hervor, daß wir in unserer Zeitung ausdrücklich betonten, die Hartmann'sche Affaire nur insoweit einer öffentlichen Besprechung zu unterziehen, a!S selbe mit unserem Beamtenthum und unseren öffentlichen Zuständen in Zusammenhang gebracht wurde. Die That HartmannS selbst war und ist nie der Gegenständ unserer öffentlichen Besprechung gewesen, weil wir, wie wir dieS auch betonten, in keiner Weise, einen wenn auch noch so geringfügigen Einfluß auf den Gang der Prozeßverhand- lung ausüben wollten. Wir erklärten, daß für die That nur der Thäter allein verantwortlich sei und nicht die Behörden. AuS diesen Erklärungen wird gewiß Niemand eine „Beschöni- gung" ac herausgefunden haben. Weiter macht uns der anonyme Einsender den Vorwurf, wir hätten durch unsere „Klarstellung" daS Ansehen einiger Männer im Lande namentlich des Abgeordneten Wanger in den Augen der Mitbürger heruntersetzen wollen. In demselben Artikel aber, in welchem unS dieses entgegengehalten wird, bricht der Herr Richtigstellet nicht ohne Pathos zu Gunsten der öffentlichen Kritik eine Lanze und führt an, wie schon und zweckdienlich für das Gedeihen eineS StqateS eS fei, wenn die- selbe sogar auf ausländischem Boden eifrig gepflegt werde. ES scheint somit jener Einsender daS Recht der öffentlichen Kritik nur für sich und feine Freunde als Privilegium an- sprechen zu wollen. . Der Antrag deS Abgeordneten Wanger war eben eine öf- fentliche im Landtag protokollirt abgefaßte Aeußerung, welche dem Recht der öffentlichen Urtheile hier wie anderwärts unt,er- worfen bleibt. Da wir öffentliche Aeußerungen wortgetreue mittheilten, so kann daher füglich eine Heruntersetzung" von unserer Seite nicht unterschoben werden. Bezüglich der LandtagSverhanvlungen ist jener richtigstellende Einsender bestrebt ein zweckdienliches möglichst" unvollständiges Bild zu bieten, um mit seinen Schlüssen bequemer logisch wer- den zu können. Zunächst kleidet er den Wanger'schen Antrag in das Gewand einer thränenreichen Humanität und spricht von bedrohten Bürgerleben und brutaler Gewalt, alS ob Wik noch in^den besten Zeiten deS FaustrechtS lebten. Seinen Aeußerungen zu entnehmen, wären somit jene 10 Abgeordnet ten/welche den Antrag WangerS verworfen, Männer, welche solchen humanen Gefühlen entfremdet zum/Schutze ihrer be- drohten Mitbürger keine Hand bieten wollen, die erst durch die Einsendungen in den „Werdenberger Anzeiger" und die „Felvk. Ztg " darauf aufmerksam gemacht werden müssen, daß ein Verbrechen keine Kleinigkeit sei und daS Leben eines Mit- bürgerS Beachtung verdiene. Jene 10 Abgeordneten waten wahr- scheinlich nicht geneigt, wenn ste noch einigen Mangel an menschli- chen Gefühlen hätten, von dem oder den Herren „Richtigstellern" Vorlesungen über Moral und Nächstenliebe anzuhören. Besser wäre eS dem Herrn „Richtigsteller angestanden, wenn er und sere in der Klarstellung gemachte und auf Aktenstücken beruh- ende Erklärung: „daß d e bestehenden. Gesetze (Jagdgesetz, vom Jahre 1872 und fürstl Dienstinstruktion für daS Jagddienst- personal vom Jahre 1863) dasjenige. waS der Antrqg Wan- gerS will, schon langst in vollem Umfange enthalten" wider- legt oder doch wenigstens einer Aeußerung gewürdigt hätte. In seiner Entrüstung darüber, daß jene 10 Abgeordneten den Wanger'schen Antrag und die bekannten Petitionen verwarfen, geht der richtigstellende Herr soweit, daS er von „Schamroth" spricht, welches einen Mann von Charakter hierüber befallen müsse, daß er ferner unser an öffentlichen Dingen wenig In- teresse nehmendes Volk bedauert, wenn eS solche Abgeordnete nicht auffordert, ihr Mandat niederzulegen :c. Wir möchten dem „Richtigsteller" diese „Schamroth" zum eigenen Gebrauche empfehlen über alle die Entstellungen, die er unseren Aeußerungen angedeihen ließ. Weil jene „Richtigstellung" auch in besonderer Weise von einem gewissen Muthe spricht, der die Vertheidiger des Wan- gerschen Antrages beseelte, so möchten wir an dieser ein kftl> neS Streiflicht auf diesen Umstand werfen. Circa 8 Tage vor jener LandtagSsitzung wurden sämmtliche Abgeordnete voiy Präsidenten zu einer Versammlung im Gasthof „zunz Engels eingeladen, um alle die Gegenstände, welche auf die Tagesord 172 nung der nächsten Sitzung kommen sollten, einer vorläufigen vertraulichen Besprechung zu unterziehen. In den vorgelegte BerathungSgegenstänverl wurde ein gutes Einverstäydniß der