bleiben, immerhin aber müsse ihm zur Ehre angerechnet werden, daß seine Justizbehörden wenigstens versucht haben gegen den Stachel zu lecken. Im Gegensatz zu diM energischen Sprache befleißt sich die ^Nordd. Allg. Ztg." emer außerordentlichen Reserve, ob, wie sie angibt, wirklich auS dem Grunde weil sich fremden LändeS njcht zieme, oder ob etwa aÄ zarterRücksichtfürdaS Trifolium Wagener-Ober-Schufter, bleibe dahinstellt. Die „Börsenzeitung" ferner sagt: das Verdikt der Geschwornen sei erklärlich, da die juridischen Aus- führungen der Staatsanwaltschaft nur zu oft jene Klarheit vermissen ließen, welche bei dem im allgemeinen für nicht sehr hoch zu erachtenden Niveau der in diesem Prozesse fungiren- den Geschwornen die für die Beurtheilung deS Falles entschei 172 denden Punkte mit zwingender Beweiskraft hätte hervortreten lassen. Auch die „Tribüne" sucht sich den Wahrspruch der Geschwornen aus der hohen Intelligenz und fachmannischen Wchktnntniß OfenheimS gegenüber den schwachen staatlichen Hrganen zu erklären, gesteht aber zu, daß, dieses „ Äichtschul- big" der AuSbeutungslust der Unternehmer freie Bahn biS zum Mußersten eröffne, utid die Schranken niederreiße welche man bisher gegen die Bereicherungssucht Einzelner in dem gelten- vett Landesrecht aufgerichtet glaubte. Her „Berliner Bötsenkourier" hingegen kann eS fachge 172 mäß nicht unterlassen für die „saubere Sache" eine Lanze zu brechen indem er schreibt: „Das aus unabhängigen Männern Zusammengesetzte Volksgericht hat sein Verdikt dahin abgegeben: ein kühner (!) schöpferischer Unternehmer dürfe bei der Aus 172 führung seiner Ideen auch den eigenen materiellen Vortuet! verfolgen, so lange Dritte nicht (?) in ihren Vermögensrechten geschädigt werden. DaS ist der Kern des am Sonnabend zu ALiett gesprochenen Nichtschuldig, und daö ist ein Rechtsprinzip dessen neue und laute Verkündigung auch bei dem verständigeren Theile der deutschen Bevölkerung ihren Wiederhall finden muß." Die „Kreuzztg" bemerkt hiezu mit Recht: daß, waS die Schä- digung von Dritten betrifft, auch der UrtheilSspruch selbst, der die Geschädigten auf die Zivilklage verweist, vaS Vorhanden- feitt einer solchen darthue, gegen die Suppostu'on aber daß auch unsere LandSleute Beifall rufen werden, wird sich jeder ehrliche Deutsche, der nicht zu den Börsenjobbern gehört, ver- Wahren. Italien. Der italienische Senat hat sich für die Beide- Haltung der Todesstrafe ausgesprochen. Der Justizminister griff persönlich in die Debatte ein, um dem Senat die Roth- wendigkeit der Beibehaltung, klar zu machen, wobei er na- mentlich auf die Sicherheitszustände in einigen Provinzen hin- wieS. Die Todesstrafe bleibt übrigens nur noch für wenige. Fälle: Königsmord, Vatermord, vorbedachter Mord und Raub- mord. England. Die Administration des WeltblatteS „TimeS" organisirt auf ihre Kosten einen besonderen Gisenbahndienst von London nach Edinburg zu dem ausschließlichen Zweck schneller Bedienung ihrer Leser. Der „ZeitungS-Zug" nimmt keine Reisende auf, sondern nur Angestellte deS BlatteS, welche auf der Fahrt den der Linie entlang plazirten Zeitung^ver- käufern und Verträgen, die entsprechende Zahl „Times" zu- werfen. Die Züge der andern Eisenbahnlinien brauchen von London nach Evinburg 15 % Stunden, der Timeö-Zug durch fliegt die Strecke in 13 Stunden. Dieser 2% Stunden Zeitgewinn halber legt sich die Administration der „Times" solch Ungeheure Opfer auf. Anterika. In den Vereinigten Staaten ist nicht wem- ger als eine MiMott Arbeiter und Arbeiterinnen brodlos, da es nichts für dieselben zu thun gibt. Ein volles Viertel da- von sind Eisenbahnarbeiter oder Kohlen- und Eisengruben- Arbeiter und andere Handwerker, die für ihr tägliches Brod auf den Eifenhandet angewiesen sind. „Für die Gejjenwar^ sögt ein Zeitungsbericht, hat die Welt ihren HuWe nach Eisen gestillt und eine zweite HnngerSnoth, wie die im Jahre 1872, ist eine Unmöglichkeit. Die Lieferungsfähigkeit der Bi- senwerke der Welt übersteigt bei Weitem dii? gegenwärtigen Bedürfnisse". Verschiedenes. AuS der Rekrutenprüfung. Jüngst wurden in einer Schweizerstadt die angehenden Rekruten geprüft und ein Schul- inspektor hatte zu untersuchen, wie sie im Schreiben stünden. Er gab ihnen als Aufgabe das Thema, ihren Eltern nach Hause zu schreiben wie sie in der Kaserne angekommen, wie sie sich befinden zc. AuS diesen Briefen werden nun folgende Muster mitgetheilt: 1. Lieder Matter und Futter; Ich bin nun in der GaS- renne und habe nur ein Bett mit Strauhsack welcher Euch grüßt. Euer Sohn. 2 Morgen muß ich die Montaur anziehen, aber ich habe schon gemargert, weil ich keinen Herdopfel Stock mehr essen kann; sag doch dem Muetti, es soll mir die fünf Franken schicken, ich habe sie hinterm Abtrittrohr verborgen weil eS der Kari nicht zu weißen braucht. 3. Ich konnte mich nicht frei machen, denn der Jnstruktor sagte, ein so großer starker Bengel könne schon dienst thun, schick mir jetzt die Unterhosen, denn ich brauche jetzt kein Bauch- weh mehr zu haben, wenn eS doch nichts nützt für dienst un- tauglich. 4. In dem Miledärkurz ist eS nicht lustig, denn neben mir liegt einer aus B. im Bett der alle Abend faulen KäS ist und nur noch das Bett verstänkt. Grüße mir Hansen Betbli und sag ihm, ich wolle schon an JnnS tenken, wenn ich heimkomme, bringi ich im Züg zu einem Fürtuch, daß eS sich vor em Köbi nicht mehr zu schwämmen braucht. * AuS dem bayrischen Hochgebirge kommen sehr trübe Nachrichten über die Verheerungen, welche die fast beispiello- sen Schneemassen dieses Winters im Gefolge haben. Der ganze Wildstand ist jetzt ruiturt, alle Höhen und Thäler, Schluchten und Gräben liegen unter einer Schneedecke von 5 bis 20 Fuß. Der Verlust an zu Grunde gegangenen, im Schnee begrabenem und noch täglich verendendem Wild läßt sich zur Zeit nicht einmal annähernd bestimmen. Weitere noch schlim 172 mere Klagen werden aber über die in ihren Folgen weit ver- hängnißvollere und täglich zunehmende Abtreibung der in Privatbesitz übergegangenen Waldmassen deö bayrischen Hoch- gebirgeS erhoben und der dringende Wunsch ausgesprochen, daß die gegenwärtig wieder versammelte LandeSvertretung die- ser systematischen, die traurigsten Folgen für Land und Lewe nach sich ziehenden Waldverwüstung energisch entgegentreten möge. *Die Chinesen rebelliren gegen die Einführung der Nähmaschinen; so wurden in Honkong jüngst mehrere Schnei- der, die Maschinen zu benutzen anfingen, gemißhandelt und auS der Zunft verbannt. * Noch ein Brief aus der Rekrutenschule. „Lieber Feder, ich kahn eS gar nicht meer hausalten, bis ich wieder bei dir und der Frau Paß bin. Die Spatzen, die wir be- kohmen, sind ser klein und ich Hab imer Hunger, Schick mir voch von den Raukwürschten atliche und einen von VeterS Hammen, der Veter ist schon so gut, er ist ja sonst ein so lieber Veter, aber hänke ihn vorher noch ein Tag in daS Kämi, damit er dur und dur geräuchert wird. ES nimmt mich wunder wie es der braunen Stute geht, ob sie der Melcher meistern mag, sonst soll im nur die Katri helfen, aber er soll sie vorher am Bauch mit der Reitgerte schwach zwicken, sie wird fünft von dem mir immer zahm. Vorgestern Hab ich meine Schuh nicht gebuzt gehabt, da hat mir der Offenzier vom Tag zwölf Stund in das Loch thun lassen, aber ich Hab gleich wieder hinaus können, denn