Dritter Ashrgang Sur Klarstellung. In der vorsetzten Nummer unseres Blattes brachten wir die Mittheilung über die erfolgte endgültige Verurteilung deS Forstadjunkten Hartmann. Mancher unserer Leser wird iich zur Zeit alS die Unglück- liche Hartmannaffaire im In- und Auslände durch mündliche Agitation und Benützung der benachbarten auslandischen Presse zum Tagesgespräch wurde, gewundert haben, daß sich un- ser Blatt mit der kurzen rein sachlichen Mittheilung über den unglücklichen Vorfall selbst begnügte und dem freilich un- erquiklichen Durcheinander leidenschaftlicher Polemik fern blieb. Unsere Stellung war und ist eine durchchu^ DDDve. Wir verachteten AMMfangS daS traWW.MeiWM-MMM Ha kk v o n rem prwMeMlcher Mtur^sDa zMM der. Mtte schon am 2. Tage nach der That verhaftet Murde und die Kompetente richterliche Untersuchung auch sogleich eingeleitet Wurde, so war umsoweyiger Grund vorhanden, unbegründeter- weise dem richterlichen Vorgehen vorzugreifen und die ganze Sachlage auf diese Weise vorzeitig zum ZeitungSgespräche zu machen. ES ist dies, wie bekannt, dennoch von anderer Seite in einer sehr leidenschaftlichen und unerquiklichen Weise in der benachbarten ausländischen Presse versucht worden. Man hat dort den unglücklichen Vorfall zu „politischem Kapital" ver^ werthet und unser ganzes Beamtenchum als mitverantwortlich und quasi'mitschuldig zu verdachtigen gesucht. Man hat sich nicht entblödet dem Auslände die Vorstellung beizubringen, als ob unsere Beamten, anstatt 'sich mit dem Wohl und Wehe deS Landes zu befassen, ihre Zeit mit Jagdvergnügen u. s w. zubrächten und als ob unsere Bevölkerung noch unter dem Joche einer Art altrussilcher Knutenwirthschaft zu leiden hätte. Man hat die geheimen Fäden sogar bis nach Wien spinnen wollen, und zu guter Letzt daS frühreife Kind der leidenschaft- lichen Agitation im LanvtagSsaale präsentirt. Wir haben trotzdem biS jetzt eine öffentliche Besprechung vermieden und zwar, weil wir einerseits abwarten wollten, bis unter der theilweife erregten Bevölkerung wieder eine ru- higere Stimmung Platz gegriffen, und weil wir andererseits während der Dauer der Hartmann^schen Proceßverhandlung, als dem Ausgangspunkte der künstlich instenirten politischen Agi 172 tation, jede vorzeitige öffentliche Aeußerung vermeiden wollten, um nicht den Vorwurf auf uns zu laden, als hätten wir nach dieser oder jener Seite hin auf den Ausgang deS ProeesseS irgend einen wenn auch noch so geringfügigen Einfluß ausüben wollen. Jetzt, wo die richterliche Entscheidung.erfolgt und fkO ru 172 higere Stimmung Bahn gebrochen, erachten wir es als Pflicht eines öffentlichen OrganeS, auch diese Angelegenheit soweit sie auf das politische Gebiet MÄbergespielt wurde, itt kurzen Zü gen zu beleuchten. Wie wir schon oben angedeutet haben, w unsere officiellen Kreise durch die betreffendes 'isch U insbesondere düngen in untergesetzt. Zaune ge« ausländischen Blättern ungerecht verdächtigt Wir Hennen die MotMt,nicht, die zu diesem ^ rissenen" Vorgehen Bewogen, müssen selbe aber nothwendiger- weise in untergeordneter persönlicher Leidenschaft suckM. Denn soviel wird Jedermann klar sein, daß sich weder unsere JRt* gierung noch daS Landgericht noch daS Forstamt in irgend welcher' Weise etwas darum vermag, daß sich eine einzelne Amtsperson einen persönlichen Fehltritt hat zu Schulden kom- ;Mn lasten, ber nür den Thäter selbst verantwortlich macht. ifc, WM feafl- BorHehsn der Agitationspartei noch un- eiMMchNmacht,Mgemein bekannt, daß gerade die Regierung-. je4. : ify HMen. daS jetzt gesetzlich bestehende Jagd^efttz aM ÄÄiative zur Vorlage brachte. In diesem Gesetze gilt alS höchste Strafe gegen Wildfrevel eine Arreststrafe von 2—4 Monaten. Nebenbei wird in einer forst- amtlichen Dienstverordnung v. I. 1863 dem Jagdperfouale ausdrücklich ^'eder Gebrauch der Schußwaffe gegen Menschen außer im Akte der Nothwehr strengstens verboten. Wir glauben daher das durchaus Ungerechte und Unmo- tivirte obiger Verdächtigungen zur Genüge dargelegt zu haben. ES wurde in den betreffenden Einsendungen auch unsere richterliche Behörde in einer durchaus ungerechten Weise ver- dächtigt. Wir konstatiren in dieser Beziehung, daß gerade daS Landgericht eS war, das schon vor mehreren Jahren auf gründliche Revision der noch jetzt bei unS zu Recht bestehen- den Strafprozeßordnung hinwirkte, vom Landtage aber in An- betracht von dringenden Sachen nicht hinreichend Unterstützung. fand. Nebenbei sei bemerkt, daß unsere zur Zeit gültige Straf- gesetzesfammlung durchweg strengere Strafmaße hat, als daS neue deutsche Strafgesetzbuch. ES ist nothwendig und wie oben bemerkt, gerade der mehrjährige Wunsch deS Landgerich« teS selbst, daß auch bei unS, wie in andern Staaten, das neue öffentliche Gerichtsverfahren eingeführt wird, Wie be- kannt ist auch im letzten Landtage ein Antrag in diesem Sinne. einstimmig angenommen worden. In einem Ländchen von so geringer Einwohnerzahl stoßen derartige Neuerungen jedoch, auf Widerstände, die in größeren Staaten nicht bestehen Die viel größere Kostbilligkeit deS öffentlichen Gerichtsverfahrens, daS geradezu Unmögliche aus einem so kleinen Territorium die gehörige Anzahl unpartheiischer Geschwornen heraus zu 172 finden, stnd Hindernisse, die unsere LandeSkasse und unser klei 172 nes Terrain nicht überwinden kötmen. Da demnach ein selbst- ständiger Gerichtsapparat nicht möglich sein kann bei derärti- gen Schwierigkeiten, so kann die Einführung deS öffentlichen