Liechtensteinische Dritter Jährgang. ^ _4- / : ——— Vaduz» Freitag. JJr, g, den 29. Jänner 1875. Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Si^ kostet für das ZnlanV ganzjMfig s fl., halbjährig 1*fl. fammt Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. so kk^Halbjährig 1 fl. SS fr.; für da< übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 kr. ohne PoMrsendung. — Man abonnirt für das In- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrüchtugsgebühr für die zgespaltcne Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder werden tranco erbeten an die Redaktion in Vaduz. j Vaterländisches. (m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 40. Die Freiherren v. Brandis. (Fortsetzung) Die Söhne Wolfhards mit Ausnahme Rudolfs und Ort- liebs, die sich wie bereits erwähnt dem geistlichen Stande wid- meten, regierten die väterlichen Herrschaften gemeinsam. Georg siel bereits 1462 in der Schlacht bei Gängen. Als der kräf- tigste und thätigste unter den Brüdern zeigte sich Ulrich. Her- zog Siegmund von Oesterreich bestellte ihn zum Vogte in Feldkirch und dessen Gemahlin übertrug ihm die Ausgleichung einer Streitsache mit dem Herrn v. Hohensax Um diese Zeit geriethen die Herzoge v. Oesterreich aufS Neue mit den Eid- genossen in Krieg und obgleich die von Brandis mit den Letz- tern im Frieden lebten, mußte doch ihr. Gebiet eine muthwilli- ge Plünderung erleiden. Die Urner, Schwyzer, Glarner und 300 Zürcher fielen unter Felix Oeri in das Gebiet von Ba- duz ein, plünderten Vaduz und Schaan und lagerten sich im Schaanwald. (1460.) Als sie jedoch hörten, daß ihre Ver- bündeten, welche einen Raubzug ins Vorarlbergifche unternom- men hatten, glücklich über den Rhein wieder entronnen seien, zogen sie ab. Nachdem der Krieg überhaupt beendigt war, belehnte der Herzog SiegeSmund den Ulrich v. Brandis mit der Herrschaft MaschlinS und den Leuten und Gütern in Ma- lanS. Graf Georg von SarganS wollte die Grafschaft Va« duz von denen v. Brandis zurückfordern und behauptete: Die Grafen Heinrich und Hartmann II. hätten bei ihrem Abster- ben seinen Großvater zum Erben ihrer Güter eingesetzt und namentlich die Einlösung der Pfandschaft Vaduz auSbedungen. Er begehre sonach die Einlösung. In Folge dieses oft wie- derhollen Begehrens entstand ein hartnäckiger und wichtiger Streit, welcher endlich durch ein Schiedsgericht in gütlicher Weife beigelegt wurde. Graf Georg trat nämlich (1466) seinr Ansprüche für 4000 fl an die v. Brandis ab. Dem Pfandbriefe gemäß stand das Recht entschieden auf Seite des Georg v. Sargans. Ulrich v. Brandis nahm bis zu seinem Tode an allen Begebenheiten, welche Churrätien betrafen thä- tigen Antheil und starb im Jahre i486. DaS Todesjahr seiner zwei Brüder Wolfhard und Siegmund iß nicht bekannt. Ulrich hatte 4 Söhne hinterlassen. Von denselben wurde Johann Dompropst von Chur, Ludwig, Siegmund und Wer- ner erbten die vaterlichen Besitzungen. Ludwig wohnte ge- wohnlich zu Vaduz. Der Bruder des VaterS dieser Freiherren, Ortlieb, lebte zu dieser Zeit noch. Er war 1458 Bischof von Chur geworden und gilt als einer der fah/gften und tüchtig- sten Männer, welche an der Spitze dieses BiSthumS standen. Als standhafter Verfechter der Rechte feines Hoch- stifteS mußte er manche Kämpfe durchmachen. Besonders nachte ihm die Stadt Chur manche seiner weltlichen Rechte ßreitig, die ihm jedoch theilweise von den drei Brüdern und ^on» Kaiser wieder zugesprochen wurden. Ortlieb stmb 1491 Und erhielt als Grab» Denkmal einen Sarkophag, der noch jetzt eine Zierde des DomeS von Chur bildet. Auf demselben ist daS Bild OrtlkbS in vollem bischöflichem Ornat in Marmor gemeißelt. Die Herrschaft Werdenberg gerieth um diese Zeit in an- dere Hände. Da Graf Wilhelm keine Nachkommen hatte ver- kaufte er diesen ursprünglichen Stammsitz seines einst so mäch- tigen Geschlechtes. Während 33 Zähren wechselten nun die Herren 5 Mal. Jedesmal ging mit Werdenberg auch Wartau auf den neuen Besttzer über. Eine Zeit lang befaß der Bischof von Chur diese Herrschasten. Zuletzt kaufte ße 1517 daS Land GlaruS, bei dem sie als Vogtei bis zum Anfange dieses Jahrhunderts blieb. (Fortsetzung folgt.) Baduz, den 24. Jänner. (Postwesen). Im österreich. Reichsgesetzblatt finden wir eine Verordnung deS HandelSmi- nisteriumS, welche vom 1. Februar angefangen im Verkehre Oesterreichs — Ungarns mit Deutschland und der Schweiz die Postanweisungen einführt. Die Summe, welche zur AuSzah- lung durch die Postämter angewiesen wetven kann, ist rin Ma 172 ximalsatz von 75 fl öst. W. Bankvaluta oder 150 deutsche Reichsmark oder 187^ Francs; die Ein- und Auszahlung erfolgt in der Landeswährung. Für Postanweisungen bis zu 37% fl öst. W. sind nach Deutschland l0, nach der Schweiz 20 kr. über 37% fl. nach Deutschland 20, nach der Schweiz 30 kr. zu entrichten. Im österreichisch-schweizerischen Grenz- verkehr (bis zu 7 Meilen Entfernung) ist die Gebühr auf 10 refp. 20 kr. ermäßiget. Der der Anweisung beigefügte Coupon kann zu schriftlichen Mittheilungen jeder Art benützt werden. Postanweisungen auf telegrafischem Wege find nach Deutschland und der Schweiz nicht zulässig. Politische Rundschau. Der deutsche Reichstag hat in der Sitzung vom 20. d. M. das Civilehegesetz mit 207 gegen 72 St. angenommen. — Ueber die vielfach erwähnte Nachricht, nach weicher das deutsche Kriegsschiff „Nautilus" an der spanischen Küste bei Zarauz gelandet wäre, um die Carlisten für ihren Gewaltakt an der gestrandeten deutschen Brigg „Gustav" zu züchtigen, erfährt man vom Bord des „Nautilus" Folgendes: Capitän Zembsch war am 13. d. Abends von Santander abgefahren und traf am 14. Morgens vor Guetaria ein. Wie erinnerlich, ist das Städtchen und das Castell von Gue-