Trauer über seinen Verlust die Verwirklichung seines Lebens- werkeS — so muß ich nach Ihren vorangegangenen Worten die Sorge um Ihre Zukunft nennen — stören, vielleicht qar hindern. Ich betrachte eS geradezu als ein Glück für Sie, Ma- dame, falls der Verkauf an meinen Freund zu Stande kommt. Sie würden ganz im Sinne des edeln Verstorbenen handeln, deß bin ich sicher, wenn Sie in dieser Absicht einmal daS Ge- wand ablegten. In der Erbschaftssache ist daS HauS zu sieben- zigtausend Franken taxkrt. Die Taxe ist wenig zu niedrig, lein für meinen Freund muß dieses HauS einen besonderen Werth haben, er will bunderttausend geben. Dürste ich morgen a!S den Tag zum Abschluß deS Geschäfts bestimmen, würde ich daS Aktenstück heute aufsetzen, einen mir bekannten Notar mit- bringen u. meinen Freund veranlassen, zu der Stunde, die Sie gefälligst angeben wollen, zur Unterschrift und Feststellung deS Zahlungstermins hier zU erscheinen; aber wohlgemerkt, verehrte Frau, ohne daß ihn diese traurige Kleidung hier erwartet." „In diesem einen Fall, mein Herr, will ich Ihren Grün- den nachgeben, aber auch nur dieses Eine Mal! Fordern Sie eS aber, ich bitte, nicht mehr von mir — ich könnte wirklich nicht darauf eingehen." Hiermit hatte unser merkwürdiges Zwiegespräch ein Ende. Ich weiß nicht, waS mich dazu trieb, so aus »die Ablegung der Trauerkleider u. aus die persönliche Zusammenkunft mit Laver zu dringen. Die Sache hätte, allerdings etwas umständlicher, jedoch auch sonst ebenso gut ohne ihn abgemacht werden kön- nen. Es war aber in mir das Gefühl: „wer weiß was ge- schieht", .wenn er dieses reizende, bescheidene, treuherzige und hilfsbedürftige Geschöpf von Angesicht zu Angesicht und ohne die verhaßten Trauerkleider sieht, daS mich so halb unwillkür- lich auf dieser Klausel bestehen ließ. Laver stutzte etwaS, als ich ihm da? Ergebniß meiner diplomatisch-merkantilen Mission mittheilte, war jedoch schneller mit Minem Arrangement ein 172 verstanden, a!S ich vermuthete. DaS Aktenstück wurde aufgesetzt, der Notar und Zeugen erschienen. Die kleine.Truppe wanderte zum Hause hinüber. Amalie Boneveldt, so hieß die Wittwe, kam unS in einem weißen, mit vielen kleinen jgrünen Blättern durchwehten Mous- selinkleide entgegen und bezauberte AlleS durch ihre ungeahnt feine, volle Mädchengestalt und ihre treuen sanften Mienen. DaS Geschäft war bald abgemacht. Der verdutzte Vormund, durch einen Boten eilig herbeigerufen, gab halb wie von Sin- nen seine Zustimmung u. ich bewunderte daS angenehine Kon- versationStalent meines Freundes der jungen Wittwe gegenüber. Er schien eS gar nicht so eilig zu haben, auS dem Trauerhause zu kommen; er kam mir plötzlich wie um zwanzig Jahre ver- jüngt vor und ich gerieth völlig in Erstaunen über seine feine geistreiche und Humoristische Art, Verbindliches zu sagen und bedeutende Dinge in der anmuthigsten Form für Damen zum Gespräch zu bringen. „Lernt man dergleichen unter Löwen, Tigern, Beduinen u. Eisbären," sagte ich bei der Rückkehr zu Laver, „so möchte ich wahrhaftig auch ^einmal einen solchen Kursus durchmachen." — Er lachte, nahm eine Rose, zerpflückte sie und warf die Blätter in daS Bächlein. „Parbleu, die Kündigung haben wir vergessen!" rief ich scheinbar erschreckt auS. „Hat Zeit bis Morgen!" erwiederte er kurz und ging schnell zu einem anderen Thema über. — Der nächste Tag kam und die Dame ging in Trauerktei- dern zu ihrem Grabe. Laver sprang mürrisch vom Fenster. Eine Woche verging; die Dame trauerte nach wie vor. Laver kehrte sich in Mißmuth um, wenn er sie erblickte und dieS fand stets statt, sobald sie nur einen Fuß auS dem Hause setzte. Die Kündigung aber — die Kündigung unterblieb. Fragte vielleicht Amalie mit dem halbverstohltnen Blick nach dem Fenster hinauf: ob ihr Wirth denn nicht bald über sein Haus disponiren, also kündigen wollte, und gab vielleicht Laver mit dem Umdrehen die Antwort? — Ich bemerkte nur, daß Amalie mit Spannung eine derartige schreckliche Maßregel erwarten mußte, denn sie zeigte sich jetzt öfter am Fenster und warf sinnend längere Blicke zu uns hinüber; Laver schien sich PaS einzuüben, so oft avaneirle er zum Fenster und chassirte dann schnell zurück. Zwei Monate vergingen. Keine Kündigung. Endlich brach ich mein Stillschweigen in dieser Angelegenheit. „Toll ich viel- leicht statt Deiner kündigen?" fragte ich. „ES mag Dich ge- niren, ich aber trete gewissermaßen als Amtsperson auf—unS nimmt man nichts übel." „Nein!" erwiederte er kurz, „die Person soll wohnen blek- ben, aber endlich einmal die verrückte Trauer ablegen. Ihren alten Eheherrn bekommt sie dadurch doch nicht vom Himmel herab, u^ sie ist noch zu waS Anderem geschaffen, alS so klö 172 sterlich düster ihr Leben zu verdämmern." „Mach' ihr doch einmal den Vorschlag!" warf ich ein; „Du stehst sehr in ihren Gunsten, wenn Du eS auch nicht be- achten willst und die liebenswürdige Person für all ihr Auf- schauen zum Fenster nicht einmal grüßest " „Ich werde sie grüßen, sobald sie aufhört mich zu ärgern." „Diesen Aerger würde ich mir bald auS den Augen schaffen." „Und wie denn, Du Macchiavell?" „Ei! Sie müßte ausziehen — Du bist ja Wirth und hast das vollständige Recht zum Kündigen." „Ah! Rede mir nicht von Kündigen. Soll man sich daS einzige hübsche Gesicht in der ganzen Umgegend auch noch fort- jagen? Ich habe hübsche Frauen um mich gern, wie die Bogel auf den Bäumen." „O! Du näherst Dich schon dem Thierbandiger sehr bedeu- tend, merke ich; nur nach unseren europäischen Verhältnissen, wo AlleS eine mildere, sanftere, zahmere Form annimmt — Du wüst Vogelfänger und nun nicht Thierbänviger, sondern Bogelabrichter." (Schluß folgt.) Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. Kornpreife vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 15. Jänner. Der halbe Metzen beste mittlere geringe 1 st kr. fl. fl- kr. Korn 1 3 40 3 15 3 05 Roggen .... 1 2 80 2 60 2 60 Gerste 1 2 70 2 50 2 30 Türken .... 2 80 2 50 2 20 Hafer j 1 70 1 60 1 50 Thermometerstand nach Reaumur in Baduz. Monat Morgens 7 Uhr Mittags 1,2 Uhr Abends 6 Uhr Witterung. Jänner 13 0 + 5 + 2 halb hell . 14. + * + 5 + 1 hell * 15. — 2% + 4% + Vi fast hell . 16 + 1% + 5 + 3 trüb . 17- + 3</ 2 + 5 + 3 trüb; Regen . 18. + 1 + 2% + 3 » tt „ 19. + 2 + 5% + sy 4 hell Telegrafischer Kursbericht von Wien. 20. Jänner Silber 105.70 20-Frankenstücke . 8 91 Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.