Dritter Jahrgang. Vaduz, Freitag Nr. 4. den 22. Jänner 1875. «*.«?'f l'e»t«nsteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie k»stet för da« Inland ganzjährig 2 f[„ haldjidria , «, famml ^ M l, fr Un ^ un6 3 u tfi;[Iun0 inifoiui. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. so kr., halbjährig I fl. s» kr.: für da« !»/ii »>• an v" 8 3 •' halbjährig 1 (1. 10 kr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für da« Zn- und Ausland bei der w-r°.»°?an?°?r7.7.n a7 die' R^attioni^Bad^^'"''' ^ ^inrückungSgebühr für die -gesp-I.ene Zeil« s tk. - Briefe und Gelder Vaterländisches. (>n) Bilder ans der vaterländischen Geschichte. 39. Die Freiherren v. Brandis (Fortsetzung.) Die Eidgenossen unterließen eS übrigens nicht nochmals in das Gebiet Wolfhards einzufallen und zwar thaten fie dieß (in einem Orte wo die Rüstungen in Bendern keine Hinder- nisse bereiten konnten. Sie machten nun ihren Besuch in der Herrschaft Maienfeld, raubten und plünderten daselbst. Die Maienfelder, welche einen Ausfall aus ihrem Städtchen tha- ten, mußten sich wieder zurückziehen, da die Eidgenossen von Ragaz her Zuzug erhielten. Nun kam die Reihe wieder an die Landschaft Vaduz. Die Eidgenossen rgcktey bis Triefen vor, wo fie 2 Tage hinvurcv vttrveu. und am Triesnerverg stunden die Leute der Landschaft, welche von Zeit zu Zeit Reiter gen Triefen sandten um die Stellung der Feinde auszukundschaften. Nachdem man sich längere Zeit gegenseitig beobachtet hatte, zogen die Eidgenossen inS Sarganserland zurück und lagerten bei MelS. 4—6000 Mann aus den Herrschaften Vaduz, Schellenberg, Blumenegg und Maienfeld, sowie auS Feldkirch und dem Wallgau rückten den« selben nach, lagerten sich bei Ragaz und suchten sie anzugrei- sen. Außer Wolfhard v. Brandis, war HanS v. Rechberg, ein erfahrner KriegSmann und grimmiger Feind der Eivge- nossen Anführer dieses KriegSvolkeS. Die Eidgenossen, welche Kunde erhalten hatten, daß ihre Feinde sie am folgenden Tage angreifen wollten, kamen denselben zuvor, indem sie sogleich gegen Ragaz vorrückten. Die Leute Wolfhards hatten sich gerade zum Morgenimbiß gesetzt als HanS v. Rechberg, der auf Kundschaft auSgeritten war, die Nachricht vom Anrücken der Eidgenossen brachte. Man suchte nun eiligst daS Kriegs- volk in Schlachtordnung aufzustellen. Bevor aber dieß ganz geschehen war griffen die Eidgenossen an und trotz der kraf- tigen Wirkung des brandischen Geschützes siegten dieselben. Wolfhard verlor sein Panner, viele seiner Leute wurden er- schlagen oder ertranken im Rhein (März 1446). Feldkirch al 172 lein betrauerte den Verlust von 42 Bürgern. Im ganzen Lande herrschte darum große Trauer über den Verlust so vieler biederen Leute. Die Sieger hatten übrigens keinen großen Vortheil von ihrem Siege. Im April erschie- nen abermals 4000 Mann aus den brandischen Herrschasten im Sarganserland und zwangen daselbst alle Unterthanen wie- der unter die alte Ordnung und die alten Herren zurückzukch- ren. Wallenstadt, Freudenberg und Nidberg kamen wieder an Oesterreich. Im Jahre 1449 schloßen die Eidgenossen über- Haupt Frieden mit Oesterreich und damit kehrte auch die Ruhe wieder in unsere Gegenden zurück. Wolfhard v. Brandis wandte nun seine Hauptsorgfalt seinen Besitzungen zu, welche in den letzten Kriegen stark gelitten hatten. Daß er ein be- deutender Mann war und in allgemeiner Achtung stand, geht daraus hervor, daß er öfters in Streitigkeiten als SchiedSrich- ter in Anspruch genommen wurde. WaS er von seinen Stamm- Herrschaften im jetzigen Canton Bern noch besaß, verkaufte er 1455 an Kaspar v. Scharnachthal. So gab er feine alte Heimath und alle Güter daselbst auf und beschränkte sich auf die in Churrätien erworbenen Besitzungen. Nur das Bürgerrecht in Bern behielt er für sich und seine Söhne. Wolfhard'starb 1456, und wurde in der Kirche deS hl. Florian zu Vaduz in der Gruft der Grafen v. Werdenberg. Vaduz beigesetzt. Von seinen Söhnen sind bekannt: Wolfhard d. Jüngere, Sigmund, Ulrich, Georg, Rudolf und Ortlieb. Rudolf wurde Domdekan HMKrllieb Politische Rundschau. Deutschland. Am 16. fand die Eröffnung deS preußi 172 schen Landtages durch den Vize-Präsidenten des StaatSmini- steriumS Kamphausen statt. Der deutsche Reichstag beschäftigte sich in der Sitzung vom 9 d. MtS mit einem Gesetzentwurf betreffs der Maßregeln gegen die Reblauökrankheit. Der Wortlaut desselben ist folgender: 8 l. Der Reichskanzler ist ermächtiget: l) Ermittlungen innerhalb deS WeinbaugebieteS der einzelnen Bundesstaaten über das Auftreten der Reblaus (Phylloxera vastatrix) anzustellen; 2) Untersuchungen über Mittel zur Vertilgung deS Insekts anzuord- nen. § 2. Die von dem Reichskanzler mit diesen Ermittlungen u.Un- tersuchungen betrauten Organe sind befugt, auch ohne Einwilligung deS Verfügungsberechtigten, den Zugang zu jedem mit Wein- reden bepflanzten Grundstück in Anspruch zn nehmen, die Ent- wurzlung einer dem Zweck entsprechenden Anzahl von Rebstö- cken zu bewirken und die entwurzelten Rebstöcke, sofern sie mit der Reblaus behaftet sind, an Ort und Stelle zu vernichten. § 3. Die durch die Ausführung dieses Gesetzes erwachsenden Kosten werden auS Reichsmitteln bestritten. Der Antragsteller Dr. Buhl begründet seinen Antrag wie folgt: Zur Begründung meines Antrages gestatten Sie mir ein»- geS über die Natur deS Insekts, um welches eS sich hier han- delt vorauszuschicken. Die Phylloxera gehört zu den Halb- ftüglern, sie erscheint in einer ungeflügelten Form, welche sich auf über- und unterirdischen Wegen von Weinstock zu Weinstock verbreitet, und in einer geflügelten, welche der Wind weite Strecken fortführt und die eS deshalb unmöglich macht die Krankheit in enge Grenzen einzuschränken. Die Natur deS JnsektS macht eS daher nothwendig die Reichsgewalt gegen dasselbe zu Hülfe zu rufe«. (Heiterkeit ) Maßregeln, welche die Einzelstaaten zur Unterdrückung der Krankheit er- v