feinstem landschaftlichem und botanischem Verständniß auSge- statteten Harten. Er empfing mich"herzlich, gerade wie wenn wir als Studenten nach einer Ferienreise wieder züsammenka« men, und zeigte Mir mit großem Behagen sein Besitzthum, woran er zwei Jahre gebaut hatte. „Run von Lebensüberdruß ist hier wenig zu merken," sagte ich> nachdem wir ein gutes Theil seiner Herrlichkeiten be« fichtiget hatten. „Pah, Lebensüberdruß!" erwiederte er. „Das Leben ist Mlleicht nicht Werth, daß man es lebt; es mag eine Narr- jheit sein, geboren ju werden — aber weißt Du, wer der klügste Mann warf Der alte Bursche, der auf Rosenblätter schlief und die BMtlein sortiren ließ, damit keines mit starker ÄiPpe ihn etwa drücke." „Also ein vollständiger Sybarit bist Du lebenöüberdrüssiger Titan in den Wüsten geworden?" „Ah, Titan!" lachte er. „WaS hast Du davon, wenn Du ein Titian bist 5 Höchstens bekommst Du ein paar Beulen und tüchtige Schmisse mehr als andere Leute. Komm', ich habe eine blühende Vanille in meinem Treibhaus, vielleicht die ein- zige augenblicklich in Europa, in deren Dust wollen wir unfern Thee trinken; nachher dort, wo die Quelle murmelt, die Ey- pressen sie umstehen und wilde Rosen über den Marmor hän^ gen, ganz windgeschützt unsere Havanna rauchen; wenn eS kühler ist, eine Stunde spazieren fahren, später einen echt englischen Hammelrücken verspeisen und schließlich die Götter um einen ruhigen, traumlosen Schlaf bitten." „ES fehlt Dir weiter nichts, als daß Du Dich verheira« thest," sagte ich zu dem mir vorangehenden. „Berheirathest —!?" und drehte sich so schnell um, wie ich noch nie eine Bewegung von ihm gesehen hatte. „Berheirathest — ?! O lieber Freund, welch ein Kind der Unschuld bist Du noch! Du hättest müssen die Frauen kennen lernen wie ich, um daS Wort Heirathen nie ohne Zusammenzucken hören zu können. Nur bei den wilden Völ« . kerschaften steht man die Evastöchter, wie sie wirklich sind. Dort, wo alle ihre Kräfte und Eigenthümlichkeiten frei walten, ohne den . Firniß unserer chinisischen Stiefelkultur, kannst Duzihr Wesen erkennen und begreifen, was im Grunde ihrer zarten Seele eigentlich wohnt. Ich brauche nicht erst zu heirathen, damit ich den Firniß abgestreift sehe. Geschossen habe ich Tiger, Löwen und anderes katzenartiges Gethier — aber in meinen beginnenden alten Tagen zum wirklichen Thierbändiger zu werden, dazu verspüre ich keine Lusti" „Du mußt eine eigene Art von Frauenzimmern kennen ge- lernt haben," wandte ich ein. „Allerdings eine sehr unkultivirte Rasse, aber jedenfalls der UrtypuS Aller! Und ich sinde eS doch etwas unbequem, daß ich jetzt, nachdem ich die ganze Welt durchreist habe, noch weiter auf eine solche Fährte gehen sollte. Meine Nach- barm hier gegenüber bringt mich schon genug zur Verzweif 172 lung " „Also weißt Du schon, daß Du ein weibliches Vis-ä-vis Haft? — dann bist Du vor der Thierbändigerrolle, von der Du zu sprechen beliebst, noch gar nicht so sicher." „Wie sollte ich mein Vis-ä-vis nicht bemerkt haben? be- reitet mir doch dieS trippelnde Frauengeschöpf seit drei Tagen Aerger und melancholische Stunden." „Aerger ist schon verdächtig — aber Melancholie? — O dann kommt bald Mondschein und eine Flöte oder Guitarre!" „Ja! Eine schöne Flöte. ES müßte denn eine solche sein, wie man sie auf den antiken Sarkophagen bei der Schilderung der Begräbnisse abgebildet sieht." (Fottfetzung folgt.) 3 - Verantwortlicher Redakteur u. SerWgeVer: kr. Rudolf Schädler. Nichtamtliche Anzeigen. Die Erben nach Frz. I. Laternfer zur Post in Reil- dein lassen Dienstag und Mittwoch den 12. und 13. d. M. 2 Pferde, Kühe, Wägen, Pflüge, sowie HauS-, Küchen- und Kellergeräthschaften, ferner mehrere Partien Wem , Most und SchnapS, Samengetreide freiwillig öffentlich versteigern, wozu Kausliebhaber freundlich eingeladen werden. LouiS Rheinberger, Massaverwatter. Bau-Ausschreibung. Die Hebung und Bedachung der Rheinbrücke Ben dern» Haag wird hiemit im Concurrenzwege vergeben. Bewerber wollen ihre Eingaben bis 18 d. M an den Gefertigten ge 172 langen lassen, wo Plan und Kostenvoranschlag eingesehen wer- den können. Eschen, den 1. Jänner 1875. Im Namen der Verwaltung: M. I. Oehri. Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 2. Jänner. j Der halbe Metzen beste mittlere geringe fl kr. I <l. kr. 1 fl- kr Korn 3 40 1 3 15 3 05 Roggen .... 2 80 2 60 2 50 Gerste 9 70 2 50 2 30 Türken .... 2 80 2 50 2 20 Hafer 1 70 1 60 1 50 Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. Monat Morgens 7 Uhr Mittags 12 Uhr Abends 6 Uhr Witterung. Dez. 30 — 6 — 4 — 6 trüb; Schnee - „ 31. — 8 - 4 - 6% trüb Jänner 1. - 7% - 5% -IO</ 4 fast hell. „ 2. -10% — 6 — 1 trüb; Schn. Reg. » + l + 3 + l 3 /4 trüb; Reg. * 4. + 2 + ? + % » .. 5. + 1 % + 3 + 2 „ Reg. Telegrafischer Kursbericht von Wien. 5. Jänner Silber .......... 105.— 20-Frankenstücke 8.91 Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.