„Saturdav Review" gedenkt dieser Seite mit kurzen Worten. Eingehender bespricht sie yer „Eeonomist". „In England — bemerkt er u. a. - - fiel unS die Härte der einleitenden Maß- regeln als so ungewöhnlich auf, daß viele von unS mehr als halb zu der Annahme geneigt waren, der Gerichtshof thue ein Uebriges, um dem Kanzler einen Gefallen zu erzeigen. ES ist heute indeß wenigstens ganz klar, daß der Gerichtshof ganz unabhängig war. Wenn er weiter ging hinsichtlich der Untersuchungsmaßregeln als eS bei einer weniger wichtigen Sache geschehen wäre, so kann dieß bloß deßhalb geschehen sein, weil man dem deutschen Herkommen gemäß bei Verge 172 hen von Beamten besonders scharf vorgeht. Auf alle Falle war in dem Urtheile auch nicht ein Schatten von Nachgiebig- keit gegen die herrschende Gewalt zu erkennen. DaS Ge- fetz ist für die allenfalls zu tadelnde Härte der Unter, suchung verantwortlich. Die englische Justiz selbst aber hätte nickt unabhängiger sich aussprechen können, alS eS der Deut- fche Gerichtshof gethan hat." Der „Speclator" äußert sich in Ähnlichem Sinne, und wünscht dem deutschen Volke zu seinen Richtern Glück. Türkei. Die Mutter des Sultans hat Auftrag gegeben, in der Krimm 3000 Zoch Ochsen für die Notleidenden in Kleinaßen zu kaufen und über Trapezunt nach den betreffen- den Bezirken zu tranSportiren. ES ist hohe Zeit, daß den be- drängten Einwohnern thatkräftige Hülfe geleistet werde. Ein Bericht deS MifsionarS FarnSworth aus Kaissaria meldet, daß die Griechen. Armenier und Protestanten in dortiger Gegend an Allem Mangel leiden, daß jedoch die Türken die allerbe- drängtesten sind. In der Gegend von Angora hat sich bereits der Winter mit aller Strenge eingestellt und die Felder sind 2 Fuß hoch mit Schnee bedeckt. Landwirthschaftliches. Etwas über Futtermangel, Behandlung «ud Fütterung des ViehstaudeS. BuS der „Oftschweizerischen Bauern-Zeitung." EineS der größten Uebel in der Landwirthschast ist wohl der Futtermangel, wie'er sich nach der üppigsten Vegetation im verflossenen April durch den fatalen Zwischenfall im Früh- ling dieses ZahreS einstellen mußte. Unter feinen warmen Tagen zeigte das Thermometer uns am 25. April noch 19 Grad Wärme. Durch den Umsprung eines NordostwindeS verkältete sich in wenigen Tagen die Temperatur aber derart, daß vom 28. bis 30. April und vom 1. bis 4. Mai das Thermometer unter dem Gefrierpunkt stand, wo die üppigste Vegetation in ihrem Leichentuch gleichsam unS ihr tiefeS Weh klagte. Mit Ausnahme weniger Tage blieb die Luft in ihrer spätherbstlichen Rauhheit bis zum 20. Mai. Diese Zeit war der Sensenmann für unser Gras, für unsere Heuernte. Die Folge einer allgemeinen Futternoth blieb nicht ai*S, sie macht sich immer mehr fühlbar. Und soll der Frühling sich nicht besonders günstig zeigen, so muß die Roth groß werden. Ein sehr großer Verlust bleibt dem Landwirth bei der gegenwarti- gen Sachlage in keinem Falle aus. Entweder muß er zu unerschwinglichen -Preisen Futter kaufen, oder einen großen Theil seines ViehpandeS zu Schleuderpreisen verkaufen. Letzte- res ist um so weniger zu rathen, wenn man sich in die spätere Lage versetzt, wo nach der Möglichkeit eines guten Frühlings die Nachfrage, das Angebot im Viehverkehr daS umgekehrte Verhaltniß wieder derart hervorrufen kann, daß man, um den unentbehrlichen Viehstand wieder zu ersetzen, die früheren enorm hohen Preise bezahlen müßte. Unsere Aufgabe muß dahin gehen: eineS TheilS so viel alS möglich den Viehstand suchen Durchzuwintern und andern TheilS mit dem Futter recht sparsam umzugehen, ohne daS Vieh hungern zu lassen. Zu diesem Zwecke entferne man nur diejenigen Stücke Vieh, die keine größere Rentabilität mehr bieten. Dann läßt sich Futter ersparen, wenn man den Vieh- stand fortirt und die Milch- und Nutzkühe von den „trocknen" scheidet, die Milchkühe zusammenstellt und werthvoller füttert. Dabei sorge man für eine behagliche und angenehme Warme im Viehstall. DaS Vieh darf weder frieren noch sich in einem Schwitzkasten befinden. Die Wärme soll 10—14 Grad Reau- mur sein, und sollte in keinem Stall ein Thermometer fehlen. Eine fernere Futterersparniß ist die Sorge für möglichst große Ruhe beim Viehstand. Alles unnöthige in den Stall gehen zwischen der Futterzeit soll vermieden werden, sowie der un- nöthige Lärm von Außen, zudem halte man den Stall lieber etwaö dunkel als gar zu hell Um jede Störung zu vermei- den, soll daS Futter gleich nach Beendigung der Fütterung gerüstet und geordnet werden und immerhin in möglichst gleich- j mäßigen Portionen. Man füttere im Tag nur 2 Mal und ' weil die Nacht für daS Vieh mehr Ruhe bietet als der Tag, am Morgen nie zu früh und am Abend nicht zu spät und immerhin zur bestimmten Zeit. DaS Füttern beim Dürrfutter soll schnell gehen, jedoch immerhin mit Vorsetzen von kleinen Portionen, nur darf dabei daS Vieh nie lange am leeren Bahren oder Krippe auf die weitern Portionen, die zur Ab- fütterung nöthig find, warten. Exaktität und Reinlichkeit find zum Futtersparen eine Hauptsache Deßwegen reinige man vor jedem Füttern die Krippe und vergesse nie daS Salz mit etwas Krüsch oder AuS- mahleten. Heu kann durch Miethe weiter erspart werden. Zu diesem Zwecke halte man alle Abfälle sorgfältig zusammen, so in Küche, Tenn und Futtertenn: ferner die Abfälle von Wurzeln- und Knollengewächsen, von „Güsel" und Heublu- men« Man spare namentlich daS Korn- und Weizenstroh zur Emstreue und schneide solches kurz zu Häcksel, die man zur Mischung mit anderen gehaltreicheren Stoffen braucht. Zur Miethe alles Taugliche wohl durcheinander gemischt, ist eben- falls eine Hauptsache. Die Heublumen sollen aber nie unge- siebt und ungestäubt dazu benutzt werden Wer die Strohrit- tern und daS Staubsteb gebraucht und so die von Heu und Staub gereinigten Heublumen noch durch die Wanne auS- stäubt, kann sich überzeugen, wie ohne diese Manipulation Gegenstände durch die Miethe in den Magen der Thiers wan 172 dern könnten. Erde, Steinchen, Holz, Leder, Nägel, Geld, wie ich auch schon gefunden habe, bleiben durch das Stäuben in der Wanne zurück, welch' Alles ohne durch diese kleine Mühe im Magen deS ThiereS Leiden und Tod verursachen müßte. AlleS reine Stroh, daS mittelbar unter dem Heu oder unmittelbar vor der Krippe gefüttert wird, soll mit der Stroh- sense wenigstens 1 Fuß kurz geschnitten werden, und nicht, wie eS häufig geschieht, in Bürden, wie solche sind. Wie alle Futterstoffe zerkleinert und aufgeschlossen durch größere AuS- nutzung besser füttern, so muß alle Körnerfrucht, die man füt- tern will, weich gekocht werden, selbst Kartoffeln, Rübli und Runkel» wären gekocht nahrhafter. Ein fernerer wichtiger Faktor, daS Vieh wohlleibig zu er- halten, erfordert, daß man dem Hornvieh daS Wasser nicht eiskalt als Tränke bietet. Hat man nicht gutes Quellwasser in der Nähe, fo bereite man vor jedem Tränken 1 oder 2 Kessel voll siedendes Wasser und schütte dasselbe beim „Drau- ßentränken" in den Brunnentrog. Wer aber im Stalle tränkt, der halte im Stall eine Stande bereit und bringe daS Was- ser auf daS zweite Tränken, also 12 Stunden vorher in die- selbe zur Stallwärme. Es braucht dieses Verfahren ja nicht mehr Mühe, indem daö Wasser so wie so herbeigeschafft wer- den muß und das Vieh beim Bringen daö dadurch von der