Liechtensteinische Zweiter Jahrgang. Vaduz, Freitag Nr. IS. den 8. Mai 1874. Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig % fl., halbjährig l fl. sammt Postverfendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 fr., halbjährig l fl. 25 kr.; für da< übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 kr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die Lgespaltene Zeile 5 kr. — Briefe und Gelder werden franco erbeten an die Redaction in Vaduz. Vaterländisches. Baduz, den 3. Mai. Heute hat unS der hier stationirte k. k. Finanzwachkommissär -1. Klasse, Herr Katzenmeier verlassen, um seinen neuen Posten in MalS in gleicher Eigenschaft an- zutreten. Wie Keiner seiner Vorgänger hat sich derselbe durch seine einnehmenden Charaktereigenschaften, sowohl die Sympathien aller Kreise der liechtenst. Bevölkerung als auch die Anhang- lichkeit der ihm untergebenen Wachmannschaft in einem beson- deren Grade erworben. Indem eS unS drangt dem Scheiden- den dieses ehrende Zeugniß an dieser Stelle öffentlich zu ver- zeichnen, rufen wir ihm nochmals ein herzliches „Lebewohl" nach. ^Baduz, 4. Mai. Der 28. und 29. April, sowie der 3. Mm hat die schönen Hoffnungen auf eine reichliche Ernte frostig und kalt zu Grabe getragen. Die Weinreben und die Obstbäume haben besonders durch die Nacht auf den 3. Mai am stärksten gelitten. Auch an dem so üppig dagestandenen Grase hat die herbe Kälte ziemlichen Schaden angerichtet. Von früh blühenden Obstbaumen wird wenig Ernte mehr erwar- tet werden können. DaS junge und gegen Reif so empfindliche Laub der Nußbäume ist fast durchgängig rüllig abgefroren. In den Weinbergen haben jüngere Reben mehr gelitten, alS die ältern. Wo der Wind gehörigen Spielraum hatte und so manche Pflanze vor starkem Reif bewahrte, war nur der Ein 172 fluß der Temperatur allein kein vernichtender. Der Umstand, daß in dem nämlichen Quadratklafter mehrere Reben noch vollständig frisch dastehen, während andere theilweise oder ganz vom Froste befallen wurden, deutet zur Genüge darauf hin, daß weniger die Temperatur, als vielmehr das Fallen deS ReifeS, das durch die größeren und kleineren Windzüge einen sehr verschiedenen Charakter erhält, die Ursache hievon ist. Durch stärkere oder schwächere Windströmungen wird sowohl die Bil- dung deS ReifeS selbst, als auch daS gleichmäßige und gleich- Vertheilte Niederschlagen deS ReifeS mehr oder weniger beför- dert, und die Ungleichheit deS Frostschadens in dieser oder jener Lage, oder an dieser oder jener Weinrebe scheint unS auch durch diesen Naturvorgang hauptsächlich begründet zu sein. Daß hiebei auch die Widerstandsfähigkeit der Rebe durch ibre mehr oder weniger fortgeschrittene Entwicklung, durch ihre Art, Kräftigkeit ic. auch von Einfluß ist, hat jedenfalls auch seine natürliche Begründung. Die versuchten Räucherungen unter den Obstbäumen und in den Weinbergen, die sowohl bei unS, als in der benachbarten Schweiz und Vorarlberg angewendet wurden, haben jedenfalls, besonders wenn sie allgemein und zur rechten Zeit und in richtiger Art und Weise durchgeführt wurden, manche Pflanze vor dem todbringenden Reife bewahrt. ES ist sehr natürlich, daß, wenn ganze Rebgelände in eine geschlossene Rauchwolke gehüllt werden, sowohl der Bildung als auch dem Niederschlagen deS ReifeS ein bedeutendes Hin- derniß entgegengestellt wird. Wenn auch durch derartige Versuche der Schaden theil- weise etwas vermindert wurde, so ist doch im Großen und Ganzen der Nachtheil für unser Ländchen als ein sehr großer zu bezeichnen, um so eher, wenn man einen TheilS die Miß 172 ernte in den letzten zwei Jahren, und andemtheilS die außer 172 ordentlich große Anstrengung und Steuerlast der Bevölkerung durch die Rheinschutzbauten in Betracht zieht Wenn jedoch auch das Auge manches Bürgers mit Kummer und Sorge in die Zukunft blickt, so muß eben den Christen und den Men? schen der Gedanke trösten, daß er daS seinige gethan, und daß dn Mensch die Fügungen deS Schicksals nicht selbst bestimmen oder von stch abwenden kann; dies steht in eines Höheren Hand. Die Witterungsberichte, die uns bis zur Stunde aus an- deren Gegenden vorliegen, bringen unS die traurige Mitthei- lung, daß der Frost auch anderweitig großen Schaden verur- facht hat. Die unheilbringenden Frostnächte haben nach den Berichten in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz und in Frankreich im Allgemeinen ähnlichen Schaden verursacht wie bei uns. In Oesterreich scheint besonders Ungarn hart mitge- nommen worden zu sein. Wir theilen die Nachrichten eine? Korrespondenten der „Allg. Ztg " aus Oesterreich in folgendem mit: Einen höchst betrübenden Eindruck machen die WitterungS- berichte, welche den Blättern jetzt aus allen Theilen des Landes zugehen. Daß dieselben von hoher politischer Bedeutung we- nigstenS für einen großen Theil des Landes sind, ist nicht zu verkennen. In Ungarn. herrscht jetzt die Finanzmisvre, und alle Hoffnungen auf eine Beseitigung derselben waren auf eine gute Ernte gerichtet. Die Steuerrückstände über die in letzter Zeit viel hin und herdiskutirt wurde, können entweder gar nicht eingetrieben und müssen als uneinbringlich aus den Liften gestrichen werden, oder die Aussicht liegt nahe, daß Kravalle in Szene gesetzt werden, wie sie vor nicht langer Zeit bei einer GewaltSeintreibung in Neupest zu Tage traten. Ghyczy, der sich in Wahrheit viel Mühe gegeben hat diesem traurigen Au- stand ein Ende zu machen, stützte die Hoffnungen auf einen guten Erfolg hauptsächlich auf den günstigen Ausfall der Ernte und nun — da einige Zeit hindurch das herrlichste Frühlings- wetter alles herausgetrieben und mit Blüthen umkleidet hatte, wandelt sich die Temperatur in fünf Grad Kälte um, starke Nachtfröste, Schnee und Hagel haben sich gezeigt, einen vot- läusig noch unberechenbaren Schaden angerichtet und damit einen großen Theil der schönsten Hoffnungen zu nichte gemacht. Wte man auS verschiedenen Gegenden meldet, haben die Blüthen