— ü der. Die echten Radikalen, besonders aber das niedere Pariser Volk, find ungehalten wegen der Begnadigung, und b.ginjlen bereits die ganze Sache als eine Komödie der Herrschenden zu betrachten. Unter den Gebildeten und Verständigen fängt man dagegen an einzusehen, daß der Hauptzweck des Prozesses, Ba- zaine deS Einverständnisses mit dem Feinde zu überführen miß- lungen ist. Denn daß das Kriegsgericht nur wegen Kapitu- lation verurtheilte und die mildernden Umstände zugestehen mußte, geht aus seinem einstimmigen Antrag auf Begnadigung hervor. Bazaine ist also vollständig gerechtfertigt, und Frank- reich hat den Vortheil, daß der Prozeß seine innersten Gebre- chen vor aller Welt bloßgelegt hat. Uebrigens ist Bazaine bereits aus den militärischen Rang- listen gestrichen worden. Er und seine Gemahlin haben durch persönliche Besuche und schriftlich vielfache Sympathiebezeugungen erhalten, so von der Exkönigin Isabel!« und der Exkaiserin Eugenia :c Thiers hatte sich bei Mac Mahon ebenfalls für die Begnadigung des Marschalls verwendet Derselbe glaubt, daß der Prozeß trotz seiner langen Dauer noch zu wenig auf' geklärt sei Bekanntlich hat er s. Z. auf Bazaine's eigenen Wunsch eine Untersuchung über die Kapitulation von Metz veranstaltet, freilich in der Meinung, daß dabei Nichts heraus- komme. Einstweilen allerdings hat sich Thiers geirrt, aber die Zukunft, welche diesen Prozeß vielleicht einer Revision unter» stellen wird, wird ihm Recht geben müssen. Dies drückt auch Bazaine's Vertheibiger in einem Dankschreibeu an Thiers aus. Das bonapartistische „Pays" verlangt, daß der Staat die Kosten des Prozesses (Fr. 800,WO) übernehme und daß man nicht auch Bazaine's Familie ruinire. In drei französischen Departements wurden Deputaten- wählen vorgenommen. Das Ergebniß war für die Republi- kan?r günstig, indem alle vier Gewählten: Mareou, Bonnel, Calmon und Swiney dieser Partei angehören. Die Regierung hatte Nichts unterlassen, um ihre Eandidaten zu sichern, es ge- lang aber nicht. Italien. Am 22. Dezember wird der Papst 12 neue Kardinäle ernennen. Spanien. General Mariones hat einen Offizier nach Madrid geschickt, welcher der Regierung über die Operationen im Norden Bericht erstatten soll. Der Verlauf des Kampfes vom 9. U. ist schon in ziemlicher Klarheit bekannt. Während MarioneS nach hartnäckigem Gefecht Villabona einnahm, stürmte die Division Eatalan die Köhen von Belabieta. Hier setzte sich der Kampf mit wechselndem Glücke fort, bis endlich um 5 Uhr die Regimenter Constitution und Tetuan die Earlisten zurückwarfen. Die Republikaner waren am Abend in Besitz der Ortschaften Billabona, Andoain, Aduna, Cizurquil und Astcusa, des Haupquartiers deS CarlistengeneralS Lizarraga. vielleicht lächelt uns das Glück holdmopsig wieder einmal! Viel- leicht wird noch einmal wieder irgendwo ein Fünftansendthaler- mops für vier Groschen verauktionirt! Wir müssen in Zukunft nur immer auf die Auktionen gehen!" „Du phantasirst, Bucephal! Ein solcher Mops kommt höchstens einmal in der Weltgeschichte vor." „Man muß sich in die Dinge schicken, wie sie sind!" sagte Bucephal mit Seelengröße. „Jedenfalls haben wir doch bei dieser Gelegenheit Jeder einen hübschen neuen Anzug gekriegt. — Um elf Uhr müssen wir fort! Mache dich fertig, Kalmäuser!" — Eine Stunde später befanden sich die beiden Studenten in einem Coupe dritter Klasse auf der Heimfahrt. Im - Dunkel der Nacht schlichen sie in des Bürstenbinders Haus, wo oben in der Stube der Mops noch wohlbehalten im Kleiderschrank stack Als Kassenrevision gehalten wurde, ergab sich ein Baarbestand von sie^enundzwanzig Silbergroschen. 3. Am anderen Vormittage gegen zehn Uhr schritten «die beiden Die zunächstliegende Frucht deS SiegeS bei Belabieta ist die Entsetzung Tolosas. ES war hohe Zeit. Einwohnerschaft und Besatzung waren schon auf halbe Mehl- und MaiSrationen ge- setzt; am 1. Dez. waren 60 Granaten in die Stadt gefallen in der Nacht deS 6 Dez. angeblich 217. Die Schrecken der Nacht wurden durch sieben Feuersbrünste vermehrt, und am Morgen gewann die Verzweiflung fast die Oberhand, als die Beschießung plötzlich aufhörte. Lizarraga forderte die Stadt zur Uebergabe auf; der Kommandant aber war entschlossen, die sechs Tage, für welche er allenfalls noch Lebensmittel hatte, tapfer auszuhalten. Seine Standhaftigkeit wurde belohnt: am Abend des 9 Dez. zogen die Soldaten Loma's ein, von den Belagerten mit Jubel als Erlöser empfangen, und bald er- schienen auch die nicht minder ersehnten Proviantkolonnen. Von beiden Seiten stehen jetzt so starke Truppenmassen in die- sem Theile Guipuzcoa'S angehäuft, daß es wahrscheinlich in kurzer Frist noch weitere Kämpfe absetzen wird. — Wie amtlich gemeldet wird, ist der „Virginius" am 16. Dez. Morgens den amerikanischen Behörden ausgeliefert wor- den und sofort von Bahiahonda abgegangen. Rußland. Der dritte Sohn deS Kaisers von Rußland, Großfürst Alexis Alexandrowitfch, welcher erst vor kurzem von einer mehrjährigen Reife um die Welt auf der Fregatte „Swet- land" nach Rußland zurückgekehrt ist, hat, wie aus St. Peters- bürg gemeldet wird, Befehl erhalten sich zu einer neuen Reife um die Welt fertig zu machen. ES scheint demnach, daß die Hoff- nung auf eine Aussöhnung zwischen dem Kaiser und seinem Sohne sich als irrig erwiesen. Ueber den Grund der Mißhel- ligkeiten in der kaiserlichen russischen Familie, erfahre man von wohlonentirter Seite, daß dieselben durch eine heimliche Ver- mahlung entstanden sind, welche Großfürst Alexis ohne Wissen seiner Eltern mit der Hofdame Alexandrine SchukowSki, einer Nichte des russischen Finanzministers v. Reutern, eingegangen ist. Als der Kaiser Nachricht von dieser Mesalliance feines SohneS erhielt, war er aufs äußerste erzürnt und setzte alleS ili Bewegung um die Ehe annulliren zu lassen. Doch die beiden Neuvermählten hielten fest an ihren Verpflichtungen. Die junge Frau befand sich in Nizza, als Graf Peter Schuwaloff, der Vertraute des Kaisers beauftragt wurde, die frühere Hof- dame zur Lösung ihrer Ehe mit dem Großfürsten zu bewegen. Die Mission des Grafen Schuwaloff scheiterte. Die Hofdame, welche eines Knaben genesen war, blieb standhaft. Der Kai- fer schickte seinen Sohn auf eine Reise um die Welt, in der Hoffnung ihn auf andere Gedanken zu bringen. Doch dem scheint nicht so gewesen zu sein. Denn der Großfürst soll fest entschlossen sein seine Ehe mit Alexandrina SchukowSki auf- recht zu erhalten. Freunde in ihren schlechten Anzügen und mit guten Vorsätzen beladen durch die Severinstraße um auf den Anatomiesaal zu gehen. Als sie am Hause Nr. 93 vorbeigingen, kam ihnen lebhast die Vier- grosch'enzeit in den Sinn, in welche sie nun wieder hineingefallen waren, und die Fünftausendthalerepoche erschien ihnen fast wie ein feenhafter Traum. Sie waren noch nicht viel weiter gekommen, als eine bekannte Stimme hinter ihnen herrief: „Meine Herren! meine Herren!" Es war der Auktionator, Herr Hilbrecht, der ihnen nachlief. Die jungen Mediziner blieben stehen. „Paß auf!" flüsterte Bucephal seinem Freunde zu. „Die Mopsgeschichte ist noch nicht zu Ende!" „Ah, meine Herren," rief der Auktionator, als er ganz nahe gekommen war, sich an Kalmäuser wendend: „ich habe Sie in den letzten 6 Wochen gesucht wie eine Stecknadel!" (Fortsetzung folgt)