— 138 — sich nun sehr wohl annehmen, daß sie, wie die besten Güter des Landes, so die Herrschaft über das Land selbst von den fränkischen Königen erhalten haben. In der Erbfolge wurde in diesem Geschlechte folgende bernerkenswenhe Ordnung be> folgt: Der älteste Sohn erhielt die politische Gewalt und hieß Präses. Waren mehr als zwei Söhne, so wurde der zweite Sohn Graf von Bregenz, der jüngste aber erhielt die geistliche Gewalt und wurde Bischof von Ehur. So ging es durch alle Generationen hindurch bis zum letzten männlichen Sprossen des Geschlechtes, Bischof Tello (753—773), der die geistliche und weltliche Gewalt in einer Hand vereinigte. —" ■■■■ >"> Vaduz, 16. Sept. Die Gemeinde Vaduz hat vor einigen Tagen für die neue Kirche wieder ein sehr werthvolles Ge- schenk erhalten. Es besteht in einer neuen Fahne, die Herr Jos Rheinberger, Professor am Conservatorium in München, der Gemeinde widmete. Die Fahne ist aus feinster rother Da- mastscive und im rein qothischen Style gehalten. Auf der einen Fläche ist das sehr gelungene Bildniß der heil. Cacilia nach dem berühmten Gemälde von Rafael. Da das Bildniß nicht gemalt, sondern mit wirklich bewunderungswürdiger Kunstfertig- keit gestickt ist, so gewinnt es hievurch bedeutend an Werth. Auf der anderen Fläche ist in großen goldgestickten Lettern die Widmung angebracht. Die Randverzierungen find ebenfalls gestickt und dem Ganzen entsprechend in gochischer Form durch- geführt. Wer diese Fahne und diejenigen vom Paramenten- comite bestellten Fahnen zu vergleichen Gelegenheit hatte, dem wird der Unterschied zwischen ächter einfacher Kunstarbeit und farbenreichem Flitter bald in die Augen falten. Schaan, 46. Sept. Bahn verkehr. Schon bei der Er- offnung der Vorarlberger Eisenbahn Hörle man hierfeits lame Klagen über die hohen Frachtsätze und theuren Fahrtaxen auf der Strecke Schaan-Buchs, da man bekanntlich diese halbe Wegstunde gleich einer Meile bezahlen muß. Als dann zudem noch die Frachten und.Zölle in öfter/ reichische Währung Banknoten reduzirt wurden, und'nicht etwa zum Tageskurs, sondern 4% stets über dem sei den, so wurde dieS von unö Liechtensteinern doppelt schwer empfunden, da wir in der Rege! die Banknoten erst kaufen und dann wieder 1—2% verlieren mußten; zahlten wir mit Silber das sfctahii« amt, so hatten wir auch da eine Einbuße von 2%. Also 4% Verlust bei der ersten Umrechnung in Banknoten und 2% AgiotageManco bei der zweiten Umrechnung der Banknoten in Silber macht 6%, vielleicht gerade so viel, als anderswo die Fracht auf einer Strecke von einer halben Wegstunde be 172 tragen würde. Nun kommt eS aber immer besser! Jetzt nimmt man uns hier auf der Station Schaan die Zoll- und Frachtgelder weder Person nicht von einem weiblicheil Wesen beschämen lassen will/ „Jetzt verstehe ich dich erst. Du fürchtest, dich vor ihr zu blamiren, weil Du nicht so gut schreiben kannst wie sie." „O! mit dem Schreiben geht es noch an, mir fehlt nur was man den Styl nennt Auf eine Postkarte versteh' ich mich ganz gut; da schreibt man d'rauf, wie Einem der Schnabel ge 172 wachsen ist, und kann sich auch kurz fassen, zum Beispiel: ich bin gesund und hoffe desgleichen; vergiß mcht, mir Butter und Zigarren zu schicken; im Uebrigen verbleibe ich Dein Dich liebender Hans Grützner. — Das bringe ich fertig, aber so ein langer Brief mit Liebe und Gefühl ist kein Kinderspiel und macht Einem Kopfschmerzen, wenn mau keinen Briefsteller oder sonstige Unter- terstützuug hat." „Du thust mir leid," scherzte der Lieutenant, „und wenn ich Dir helfen kann —" „Einzigster, bester Herr Lieutenant!" rief der hocherfreute Grützner. „Da würden Sie mir einen großen Gefallen thun. Mir ist es nur allein von wegen der Blamage." „Wenn ich aber an deiner Stelle antworten soll, so muß ich 1 in österreichischer Währung Silber, noch in Banknoten ent- gegen — Franken müssen es sein, ob man solche hat oder nicht; — zum großen Gefallen kann der österreichische Silber- gülden noch zu 2 Fr. 35 Rp. angebracht werden; so lautet die Instruktion und liegen auch Belege vor. Da steigt doch gewiß jedem Phlegmatiker das Blut in den Kopf! Also k. k. österreichisches Silbergeld soll von österreichi- schen Bahnämtern nicht mehr'oder mit diesem hohen Verluste Mos angenommen werden, und auf den schweizerischen Bahn- ämtern gelte der Silbergulven heutzutage noch 2 Fr. 45 Rp. Das klingt doch zu spanisch! — Welche Sympathien werden solche Maßregeln für die zu» künftige Zollvertmgserneuerung erregen, wenn jetzt selbst öster- reichischer Seils ihr eigenes Silbergeld entwerthet wird? Was werden wir dann einstens von der Zollentschadigungösumme ziehen, die zum Theile blos in Banknoten bezahlt wird? Solche Gedanken müssen nolens volens jedem Liechtensteinischen Patrio 172 ten aussteigen. Es ist übrigens noch beizufügen, daß dieser Vorwurf nicht etwa auf untergeordnete Bahnbeamte gemünzt ist, denn diese haben ihre Instruktionen so; — woher aber diese verhaßten, unpraktischen Anordnungen kommen, worüber alles schimpft, wer mit der Vorarlbergs Bahn veikehren muß, dies kann sich jeder selbst herausbividiren. F. W (Anmerk. d. Red. Wenn es wirklich seine Richtigkeit hat, daß die schweizerischen Bahnämter den österreichischen Gulden heutzutage uoch zu 2 Fr. 45 Rp. nahmen, hingegen die vor- arlbergischen Bahnämter im Verkehre mit der Schweis zu nur 2 Fr. 35 Rp., so müssen wir der Kritik des geehrten Einsen« ders beipflichte» Wir möchten jedoch dies noch bezweifeln, da es doch wahrhaftig zu arg wäre, wenn eine k. k. österreichische Bahngeselljchaft das eigene Geld im Verkehre mit.der Schweiz geringer taxiren würde als die Schweiz selbst. Daß die Direktion der Vorarlberger Bahn die Frachten von uud nach dem Aus- lande in den betreffenden ausländischen. Wahrungen gezahlt haben will, kann ihv nicht zur Last gelegt werden, da sie hiezu im Verkehre mit dem Auslände nothwendig gezwungen ist, wenn ste nicht selbst Schaden leiden will. Hiefür ist nicht die Direktion der Vorarlberger Bahn, sondern das Vorgehen Deutsch- lands und der Schweiz, von wo die Entwmhung des öster 172 reichischen SilberguldenS ausging, verantwortlich zu machen Wir bemerken übrigens noch, daß im inneren Verkehr obige Verordnung der Vorarlberger Bahndirektion natürlich keine Giltigkeit hat, sondern nur für den Frachtverkehr mit dem Aus- lande gilt.) mm „'I III ■■Hill III | «Ii ■ —U|_____ doch zuvor den Brief Deines Schatzes lesen. — Es stehen doch keine Geheimnisse darin?" „Gott behüte! Die Louise ist ein anständiges Mädchen, was wir uns zu schreiben Haben, kann jedes Kind wissen." Mit diesen Worten reichte der Bursche seinem Herrn den so gepriesenen Brief, den dieser mit boshaftem Lächeln entgegen- nahm. Bald jedoch verwandelte sich der Spott des Offiziers in ein unverkennbares Erstaunen, das von Satz zu Satz sich steigerte. In jeder Zeile, aus jedem Wort der Schreiberin ath- mete eine natürliche Aumuth, eine Innigkeit des Gefühls, eine Zartheit der Empfindung und eine weibliche Feinheit, die um so inehr überraschen mußte va sich alle diese Eigenschaften ver- eint in dem Briefe eines gewöhnlichen Dienstmädchens fanden, so daß der Lieutenant seinen eigenen Augen nicht trauen wollte. „Das geht mcht mit rechten Dingen zu," sagte er nachdenk- kich, nachdem er bis zu Ende gelesen. „Unbegreiflich! Weißt Du sicher, daß das Mädchen den Brief geschrieben hat?" „Das steht bombenfest!" versetzte der ehrliche Grützner „Ich werde doch ihre Handschrift kennen?"