21. KAPITEL: BEHEBUNG VON NORMENKOLLISIONEN AUF DER EBENE DES VOLLZUGS Ausgangslage Auch in Liechtenstein, auf dessen Staatsgebiet sich das Völkerver- trags- und das Landesrecht sehr viel mehr als anderswo überschnei- den?817, gilt das Grundprinzip, dass das Völkervertragsrecht zu sei- nem Vollzug im Landesrecht zwingt°818, Diesem Imperativ ist Rech- nung zu tragen — wobei die Behebung von Normenkollisionen einem System zu entsprechen hat, das sich nach der Art des in Frage stehen- den Konflikts richtet (echte oder verdeckte Konflikte). Vorgehensweise und Anfechtungsmöglichkeiten Vorgehensweise Zur Behebung von Normenkollisionen zwischen dem Völkerver- trags- und dem Landesreht hat die Vorgehensweise der Vollzugsor- gane zwischen der Art des in Frage stehenden Normwiderspruchs, d.h. danach zu unterscheiden, ob der Anlassfall einen echten oder ei- nen verdeckten Konflikt betrifft: Fälle eines echten Konflikts Nach Massgabe der Praxis des Staatsgerichtshofes beruhen die Lö- sungsmechanismen, die den Vollzugsorganen für eine Behebung von Normenkollisionen zwischen dem Völkervertrags- und dem Landes- recht zur Verfügung stehen, auf dem Vorrangprinzip einerseits und auf der Normenkontrolle andererseits?8!?, Unter diesen Vorzeichen haben die Vollzugsorgane (d.h. die Anderen Gerichte und die Son- 2817 Der Zufluss von Rechtsvorschriften des Vólkervertragsrechts hat in den vergangenen Jahren das Ausmass jener des Landesrechts in der Tat bei weitem übertroffen. In einem groben Ver- gleich stehen jeder landesrechtlichen Rechtsvorschrift fünf Rechtsvorschriften des EWR- oder des Wirtschaftsvertragsrechts gegenüber. 2818 Siehe hierzu das 14. Kapitel Pkt. 2.1. 2819 Siehe hierzu das 18. Kapitel Pkte. 3 und 4. 508