TEIL IV EINFÜHRUNG UND DURCHFÜHRUNG DES VÖLKERVERTRAGS- IM LANDESRECHT 6. KAPITEL: VERHÄLTNIS ZWISCHEN DEM VÖLKER- VERTRAGS- UND DEM LANDESRECHT IM TECHNISCHEN SINNE Ausgangslage In der Gestalt des Völkervertrags- und des Landesrechts stehen sich auch in Liechtenstein zwei Rechtsordnungen gegenüber, die sich unter verschiedenen Gesichtspunkten — wie z.B. in ihrem Geltungs- grund, in ihren Rechtsquellen und in ihrem Adressatenkreis — unter- scheiden. Sollen diese beiden Rechtsordnungen in ihrem Nebeneinan- der wirksam werden, bedarf es ihrer Zusammenführung: „Es gehört zu den (oft verkannten) Primäraufgaben der staatlichen Verfassung, für eine adäquate Einordnung des Völkerrechts ins Landesrecht zu sor- gen“285, Aus der Sicht des Landesrechts stellt sich in diesem Zusam- menhang vor allem die Frage nach der Rechtsstellung (Rechtsnatur und Rechtskraft) des Völkervertragsrechts; umgekehrt fordert das Völkervertragsrecht seine Verwirklichung im und mit den Mitteln des Landesrechts. Diese ‚symmetrische’ Ausgangslage begründet die Notwendigkeit, zwischen den beiden Rechtsordnungen eine Verbin- 285 Thürer (NZZ) S. 15. 95