Über die Verluderung von Sprache und Identität Mathias Ospelt Schlampiges Sprechen Sprache gilt als unabdingbarer Bestandteil der Identität. Daher wird eine von der Norm abweichende Sprache auch als Bedrohung der Identität an gesehen. Der nachlässige Umgang mit Sprache entsteht durch ein vor- sätzliches oder unbewusstes sich Hinwegsetzen über bestehende Regeln der Grammatik und der Stilistik. Doch wer setzt in einem Land wie Liech tenstein solcherlei Sprachregeln fest? Mannheim?1Karlsruhe?2Die Deutschlehrerin? Das Schulamt? Der P.E.N.-Club? Das TaK? Die Gross eltern? Das Namenbuch? Die «2. Lesung»? Von welcher Sprache wird überhaupt ausgegangen, spricht man von «sprachlicher Identität»? Ist die gesprochene Hochsprache gemeint? Oder die geschriebene? Ist es der Dialekt? Die allgemeine Sprech kom - pe tenz? Liegt bereits eine «Verluderung» vor, wenn «Grüezi» gesagt wird und «Tschau» statt «Grüass Gott» und «Bhüatt Gott»? Wenn «öp- pis» gesagt wird und «haam»? Wenn auf einheimischen Menükarten «Spaghetti’s» steht und «Pizza’s»? Wenn der Chefredaktor im Leitartikel einer lokalen Tageszeitung schreibt: «Wenn der Landesfürst nicht bereit sei, die Inhalte zu ändern, würden auch keine neuen Personen keinen Fort schritt bringen.»?3Wenn der Sportredaktor vom Entzünden der mi- niolympischen Flamme berichtet, «die auf einem reitenden Pferd im Stadionrund kreiste»?4Wenn der Moderator einer Radio-Dis kussions - runde spricht: «I kenn andri Uusländer, mir auch sehr wohl bekannte, dia o gscheiteret sind bei Iibürgerigs, äh, versüach, äh, eba im mit dem 106 1Sitz des Instituts für deutsche Sprache 2Sitz des Bundesverfassungsgerichtes 3Liechtensteiner Volksblatt, 7.7.2000 4Liechtensteiner Vaterland, 26.5.1993