«Die Frauen haben mit konstantem und stetem Druck ihre Sache vorangetrieben» Isolde Marxer Das nachfolgende Gespräch mit Dr. Ursula Wachter, Rechtsan wäl - tin in Vaduz, Präsidentin der Liechtensteinischen Rechtsanwalts - kam mer, ist am 9. Oktober 2000 während der Dreharbeiten für meinen Film «Die andere Hälfte» vor laufender Kamera im Liech - ten stei ner Dialekt aufgezeichnet worden. In diesem Film kommen akti ve Frauen und Männer zu Wort, die sich für das allgemeine Stimm- und Wahlrecht und für die Gleichberechtigung von Frau und Mann eingesetzt haben und weiter an der Verbesserung der ge- sellschaftlichen und privaten Rahmenbedingungen für die Gleich be - rechtigung arbeiten. Der nachfolgende Text stellt eine auszugsweise und sinngemässe Wie dergabe des Gesprächs mit Ursula Wachter dar. Ich habe dieje- nigen Aspekte herausgearbeitet, die Antworten auf die in diesem Buch gestellte Frage nach dem Frauenbild und der Frauenidentität geben können. Als gemeinsame Erfahrung, die sich durch alle während den drei- wöchigen Dreharbeiten mit Frauen gemachten Interviews zieht, kann das Gefühl des Ausgegrenztseins genannt werden, des nicht Wahr genommenwerdens und der Geringschätzung der eigenen Per - son. Diese Verletzungen tragen Frauen mit sich. Gemeinsam ist auch die Erfahrung einer tatsächlichen Verbesserung ihrer Situation in der jüngsten Vergangenheit, ein Aufatmen, aber auch das Be wusst - sein, dass die Arbeit nicht getan ist. Oder wie es die Histo ri ke rin Veronika Marxer ausdrückt: «Männer und Frauen müssten die Welt zu gleichen Teilen definieren und interpretieren können. Sie müssten ihr Leben in der gleichen Selbstverständ lich keit führen können. Was mir heute begegnet, ist die Tatsache, dass die Welt immer noch von Männerseite definiert ist. Ich muss mich anpassen. Zwar hat sich die Sache geweitet, Frauen haben mehr Möglichkeiten als die vorherge- 72