PETER GEIGER Der lange Atem der Revolution von 1848 in Liechtenstein Elf Thesen Zu Folgen, Bedeutung und Nachwirkungen der Revolution von 1848 in Liechtenstein! môchte ich einige Ergebnisse zusammenfassen und knapp begründen, und zwar in Form von elf Thesen. Sie sind bewusst zugespitzt, teils paradox formuliert. Die Thesen sollen Anstoss erregen, nämlich zu Diskussion und Reflexion. These 1: Die Revolution von 1848 in Liechtenstein war Kopie und Original zugleich Die 112 Märzmänner der elf Gemeinden schrieben ganz richtig an den Fürsten: «So ergreift auch uns die Bewegung, die ganz Deutschland durch- zuckt und an alle Throne klopft, auch wir wollen [...]»,? und dann folgten die Forderungen. Der Anstoss kam von aussen, man sprang auf und ritt mit. Das war Kopie. Aber man hatte auch hierzulande eigene Gründe, lang ver- gebens gehegte Wünsche nach umwálzenden Veràánderungen, ein durchaus revolutionáres Bewusstsein. Man ergriff die günstige Situation, formulierte, drohte dosiert, handelte eigenstándig, hartnáckig, bis man alles erreicht oder in Aussicht hatte. These 2: Die 1848er Revolution ist in Liechtenstein gelungen, nicht gescheitert Die an den Fürsten gestellten Forderungen wurden grósstenteils 1848 und 1849 zeitweilig verwirklicht. Die wirtschaftlichen Zugestàándnisse blieben 131