ROLAND STEINACHER Franz Joseph Oehri und Peter Kaiser Laufbahn und Tätigkeit, Verfassung und Politik — ein Vergleich Bildungsbürger tragen die Revolution von 1848. Sie formulieren die For- derungen, die Verfassungen, versuchen eine Neuordnung der alten Welt. Man will den Herausforderungen der neuen sozioókonomischen Strukturen entsprechen, eine flexiblere, der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rea- litát entsprechende staatliche Ordnung schaffen. Dass dieser Prozess nicht immer glatt durchgezogen wurde, dass sich die Akteure der Tragweite und Bedeutung ihrer Handlungen nicht in vollem Umfang bewusst waren und dass ein theoretischer Hintergrund als Basis politischer Aktion erst geschaf- fen beziehungsweise formuliert werden musste, lásst sich an den uns erhal- tenen Schriften der «1848er» zeigen. Die Analyse ihrer Biographien lásst uns ein tieferes Verstándnis der Kom- plexitát dieser Zeit entwickeln. Auch sehen wir, dass Parteien im Sinne unseres Jahrhunderts nicht existierten, die Tráger der politischen Richtungen der zweiten Hálfte des 19. Jahrhunderts in der Regel nebeneinander auf den Barrikaden stànden oder doch meist einen áhnlichen sozialen und intellek- tuellen Hintergrund hatten. Politik in unserem Sinn des Wortes ist eine Ent- wicklung der Gesellschaft nach 1848! Zwei der wenigen Personen, die in Liechtenstein um 1848 eine führende Rolle spielten, sind Thema dieses Beitrags. Wie ihr Bildungshintergrund war, welcher Art ihre Weltsicht und ihre politischen Ansichten, wie diese entstanden sein könnten und von welchen Umständen und Gruppen sie ge- prägt wurden, all das wird im folgenden zur Debatte stehen. 119