ARTHUR BRUNHART 1848 in Liechtenstein Eine Einleitung «Wir wollen in Zukunft, als Bürger und nicht als Unterthanen behandelt sein», formulierte Peter Kaiser am 22. März 1848 in einem Schreiben der 112 von den liechtensteinischen Gemeinden in die Revolutionsausschüsse gewählten Männer an den Fürsten Alois II. von Liechtenstein. Das zum Deutschen Bund gehörende Fürstentum war im Verlaufe des Jahres 1848 von der revolutionären Bewegung ergriffen worden, welche, wie die Ausschüsse im gleichen Schreiben mahnend schrieben, «ganz Deutschland durchzuckt und an alle Throne klopft». Das Volk Liechtensteins verlangte nicht Um- sturz, aber tiefgreifende Reformen, materielle Entlastung und eine freiere Verfassung. Gründe für Unzufriedenheit gab es genug: Politische Unmün- digkeit, Unfreiheit, Absolutismus, materielle Beschwernis, Belastung des Grundeigentums. Wenige Tage vor dem programmatischen Schreiben der Revolutionsausschüsse, am 19. und 20. März 1848, hatten die revolutionären Ereignisse begonnen. In der Gemeinde Balzers riefen junge Leute Freiheit und Gleichheit aus, in Vaduz sang man Freiheitslieder, in Mauren verbrüderten sich die Bewohner mit den Vorarlbergern, die landesfremden fürstlichen Beamten wurden be- droht. Ein revolutionärer Marsch unter Trommeln und Pfeifen von Balzers nach Vaduz und weiter nach Feldkirch zeigte die latente Unzufriedenheit mit der Bürokratie und demonstrierte erneut den Willen der Bevölkerung zur Veränderung. Die Bewegung nahm ihren Verlauf, geleitet von Persönlich- keiten, welche die entstandenen Kräfte bündelten und zielgerichtet konzen- trierten. Gemeindeausschüsse wählten einen Landesausschuss, der die For- derungen an den Fürsten formulierte, welcher sich in einer ersten Phase konziliant und entgegenkommend verhielt, Die Ausschüsse drückten den Wunsch nach «Freiheit» aus. 11