^ Zwischen Nordamerika und Frankreich thürmen sich drohende Wolken auf; Napoleon mag bald für einen Blitzableiter sorgen. Die Nordamerikaner wol 172 len keine Monarchie zum Nachbar haben und nötigen 172 falls ihr Hausrecht brauchen. Man höre die Sprache der Senatoren des Kongresses! Sie erklären; „Da der Kaiser Napoleon gegen den Volkswillen die Monarchie in Meriko errichtete, den Usurpator militärisch unterstützte, Letzterer aber die Sklaverei staatsrechtlich einführte und Gesetze zivilisirter Kriegführung durch Aechtung der Re 172 publikaner verletzte, so betrachtet der Senat die Lage Merikos mit tiefster Besorgniß. Die Gründung einer Monarchie in Amerika, welche einzig durch europäische Bajonnette gestützt ist, widerstreitet der Politik der Union, dem Volsgeiste und den Einrichtungen. Der PräKent wird aufgefordert, die Politik und die Interessen der Union zu wahren." — Der Gesandte Napoleons in Meriko muß noch mehr wissen; denn er hat seinen Sekretär Hals über Kopf nach Paris geschickt, um an 172 zufragen, wie er sich verhalten solle. — Die Amerikaner machen bedeutende Anstrengungen um den Baumwollen bau wieder auf die Stufe zu erheben, welche er vor dem Kriege hatte. Schon im nächsten Jahre sollen wieder 5 Mill. Ballen erzeugt werden. Viehseuche in England. Diese Krankheit, auch Rinderpest genannt, wurde durch russische Schlachtthiere in England eingeschleppt. Bisher sind in England 39,714 Thiere erkrankt, davon 19,936 (also die Hälfte) gestorben, 10,787 wurden getödtet 2909 wurden wie 172 der gesund. Ueber die Entstehung dieser rätselhaften Krankheit zirkuliren die sonderbarsten Ansichten, welche beweisen, daß die wirkliche Ursache, die Natur und Hei 172 lung noch ganz unbekannt sind. Im südlichen Rußland, wo die Krankheit zuerst und sehr heftig grassirte, hat das Volk den Glauben der Biß giftigen Spinnen sei Ursache. Diese schwarzen, giftiger Spinnen überziehen ganze Landstriche mit ihrem Gespinnste, der Biß ist sehr^ schmerzhaft und bewirkt auch unter den Hirten schwere Krankheiten. Bei großer Dürre sollen diese^ Spinnen besonders gefährlich sein, und es soll dann die Seuche immer wieder von Neuem entstehen. Auch Schafe Wur 172 den angesteckt, Hunde, welche das Fleisch solcher Thiere verzehrten, wurden wüthig; auch dem Menschen bringt der Genuß dieses Fleisches den Tod. Seit 1746 war England nicht von einer solchen Viehseuche heimgesucht. Die Fleischpreise gehen dadurch sehr in die Höhe; die armen Leute werden dadurch am härtesten betroffen. Ein Londoner Fleischer machte leine Reise nach Wien, um das Fleisch der wohlseilen ungarischen Ochsen nach Lon 172 don zu bringen. Die Thiere werden in Wien geschlach 172 tet, das Fleisch kommt in Kisten mit doppelten Wänden, zwischen welchen Eis gelegt wird und so gelangte es per Eisenbahn in 3^-4 Tagen wohlbehalten in London an. — Auch in Belgien grasstrt die Rindviehseuche; in Rbeinpreußen wurde bereits eine militärische Absperrung durchgeführt, um das Eindringen der Seuche zu hindern. — In Cöln ist vor Kurzem ein Telegraphenbeamter für einen neuen telegraphischen Apparat patentirt wor 172 den. Der Apparat arbeitet nicht wie bisher in Zeiche«, die für den Laien unleserlich sind, sondern in gewöhn 172 lichen Buchstaben auf eine viel leichtere Weise als eS beim Hughes'schen Apparat der Fall ist. Die ankom? menden Depeschen werden im Original mit dem Druck- steifen direkt an die Empfänger der Telegramme erpedirt und das zeitraubende Abschreiben der'Depeschen vom Streifen ist vermieden. Der Erfinder, Tele^raphenin- spektor W. Ludewig, ist gegenwärtig noch mit der Re- gulirung seines Apparates beschäftigt, wird denselben je 172 doch bald der Oeffentlichkeit übergeben können. — Ein ungarischer Volksvertreter, der zur Hostafel in der Burg Ofen geladen war, rief gerade, als der Kaiser Platz nahm: Majestät, ich wünsche Ihnen besten Appetit! — Der Hofmarschall aber erschrack zum Tode, der Kaiser aber'verneigte sich lächelnd und sagte: Ich wünsche Ihnen desgleichen! — und aus seinen Wink wurden dem höflichen Gaste alle Schüsseln zweimal ge 172 reicht und jedes Glas bis zum Rande gefüllt. — Ein interessanter Rechtsstreit droht zwi 172 schen den Familien Heitmann und Nagel in Teufelsbrück bei Hamburg auszubrechen. Das kinderlose Heitmann'- fche Ehepaar hatte einen Erbvertrag geschlossen, in wel 172 chem der Längstlebende als alleiniger Besitzer des gemein 172 samen Vermögens eingesetzt wurde. Nachdem Beider Leichen in ihrer Wobnung gefunden und angenommen wurde, Heitmann habe im Jähzorn erst seiner Frau und dann sich selbst eine TodeSwunde beigebracht, beschlossen die beiden Familien mündlich, sich den Nachlaß auf die Hälfte zu theilen. Später bekannte sich der Matrose Paulino Torio zu dem Doppelmorde, und der Zweifel, wer von den Eheleuten Heitmann den letzten Athemzug gethan, wurde wenigstens erschüttert durch seine gericht 172 lich protokollirte Aussage, daß er Heitmann zuerst ^ge 172 stochen, dann die Frau mit einem Stoß getödtet und erst nach seiner Rückkehr in das Haus dem noch immer lebenden Heitmann den Garaus gemacht habe. Dieser war also der Ueberlebende, und darauf gestützt, ist seine Familie der Ansicht, daß -sie die ganze Erbschaft zu be 172 anspruchen habe. — Die Berliner erzählen, ihr Magistrat habe sich für das neue prächtige Rathhaus einen Tisch bauen lassen, der 1000 Thlr. koste. Es sei dabei auf die Einführung von Berlinischen Lordmajors-Essen abgesehen. Gegen Hagel versichert. Ein Bauer hörte viel von der HagelversicherungSge- sellschast und ließ sich endlich auch darin aufnehmen. Zwei Tage darnach schlägt ihm der Hagel alle seine Felder zusammen. Voll Zorn geht er in die Stadt und sagt Sem Agenten: Ihr müßt mich nicht eingetragen haben, daS ist eine saubere Versicherung, wenn may gleich darauf in die Patsche kommt. Endlich erklärt der Agent, daß das nicht so gemeint sei, er sei gegen den Schaden versichert, der werde ihm ersetzt werden. Gegen den Hagelschlag kann Niemand versichern als Gott. Endlich leuchtete es dem Bauer ein und er steckte da? Geld getröstet in den Sack.