Liechtensteiner Kandeszeitung. Dritter ^alirKanK. Vaduz, Samstag Nro» ÄÄ» 9. September 1865. Dieses Blatt erscheint ln der Regel monatlich 3mal und kostet ganzjährig 1 fl. 50 kr. Einrückungsgebühr für die gespab tene Zeile 4 Nkr. Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion — in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buch- Handlung oder bei der k. k. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst. Landesgesetzblatt. Landtagsverhandlungen. Vierter Landtag. 5. Sitzung, Vaduz am 21. August 1865. Abgeord. Fischer ist beurkubt. ^ Tagesordnung : 1. Gesetzentwurf über Viehveredlung; 2. desgleichen über Feuerpolizei; 3. Rekrutenaushebung pro 1866; 4. Zusätze zur Schulordnung vom I. 1859; 5. Umwandlung der Lehrergehalte an Elementarschulen in östr. Wahrung; 6. Wahl einer Kommission zur Be 172 richterstattung über den Gesetzentwurf über Rheinwuhr- bauten. Nach Genehmigung des Protokolls wird von der f. Regierung ein Wuhrgesetz in Vorlage gebracht und so 172 dann in die Berathung des Gesetzes über Vieh 172 veredlung eingetreten. Ans dem Kommissionsberichte ist ersichtlich, daß bereits seit dem Jahre 1845 durch f. Verordnung die planmäßige Veredlung der inländischen Viehzucht betrieben wird, lei 172 der nicht nut dem Erfolg, der von einer 20jährigen Ar 172 beit hätte erwartet werden können. Man findet die Ur 172 sache dieser Hemmung darin, daß die angewandte Me 172 thode zur Veredlung der heimischen Viehzucht nicht den lokalen Verhältnissen angepaßt war und es wurde des 172 halb schon im Jahre 1857 eine Abänderung der beste 172 henden Verordnung angestrebt. Dadurch wurde man 172 ches verbessert. Im I. 1862 fand auch die Schweine 172 zucht die gebührende Rücksicht, indem zur Hebung dieses Zweiges jährlich 100 fl. Prämien ausgesetzt wurden, während man früher nur Zuchtstiere und Pferde prä- mirte. Trotzdem blieben viele Mängel. Eine zeitgemäße Umarbeitung, eine gleichmäßige, ihrer Bedeutung ange 172 messene Unterstützung aller Zweige der landwirthschaft- lichen Thierzucht mußte in's Auge gefaßt werden, wenn der Fortschritt einen rascheren Gang gewinnen sollte. In Anerkennung dieser Verhältnisse brachte nun die f. Regierung den vorliegenden Gesetzentwurf an den Land 172 tag. Das Gesetz zerfällt in 5 Abschnitte. Der erste behandelt die Viehveredlung im Allgemeinen und bestimmt z. B. daß Zuchthengste nur aus der Schweiz, Zuchtstiere nur aus dem Vorarlberger Hinterlande und der Schweiz angekauft werden dürfen. Der zweite Abschnitt erstreckt sich auf die Pferdezucht, und es sind im Wesentlichen die bisherigen Einrichtungen beibehalten. Der dritte Ab 172 schnitt umfaßt die Rindviehzucht. Zur Überwachung dieses Zweiges besteht eine Landeskommission und in je 172 der Gemeinde eine Lokalkommisston (der Vorsteher und zwei vom Gemeinderath erwählte Mitglieder). Diese Kommissionen überwachen die Anschaffung geeigneter Zuchtstiere und die Einhaltung sowohl der gesetzlichen Bestimmungen über Viehzucht, .als auch der Verträge zwischen Viehhalter und Gemeinde. Im vierten Absch. wird die Prämirung preiswürdiger Nutzthiere gere 172 gelt. Für Pferdepramien werden alljährlich aufgewendet fl. 99 — (30 fl. für die schönste trächtige Stute, je 13 fl. für drei weitere trächtige oder mit Füllen versehene Stuten und je 10 fl. für 3 der schönsten Pferde ohne Rücksicht des Geschlechts im Alter von 3 und 4 Jah 172 ren). Die prämirten Thiere müssen wenigstens 1 Jahr noch in Händen des Eigenthümers bleiben, oder dürfen insolange nicht ins Ausland verkauft werden. Neben den Prämien für Zuchtstiere (drei Prämien 5^15 fl. und 10 fl. und 10 fl.) werden in Zukunft auch Kühe und Rinder pramirt und zwar 11 Stück mit Preisen von 15 bis 4 fl., im Gesammtbetrag von fl. 93. Mast 172 vieh erhält keine Prämien. Außerdem können alljährlich noch Geldunterstützungen bis zum Belauf von fl. 100 an Gemeinden und Vieh 172 züchter verwilligt werden, welche edle Zuchtthiere unter Aufwand großer Opfer von auswärts beziehen. — Die Prämirung der Schweine ist gegen früher etwas ermäßigt, weil dieser Zweig der Thierzucht sicher nicht die Bedeu 172 tung hat, wie die Rindvieh- und Pferdezucht. Es wer 172 den vertheilt fl. 10, 8 und 6 für Eber, fl. 8, 6, 5 und 4 für Mutterschweine. Die Verkeilung der Pferdeprä 172 mien geschieht in Nendeln, die der Rindvieh- und Schweineprämien in Vaduz, nur wenn der landwirt 172 schaftliche Verein eine Ausstellung hält, werden sämmt 172 liche landschaftliche Viehprämirungen bei dieser Aus 172 stellung zugleich vorgenommen. — Das Gesetz wurde nach kurzer Debatte angenommen. ' Der Entwurf einer Feuerpolizeiordnung enthielt einige höchst nothwendige Bestimmungen, die man bisher gar oft mit Bedauern vermißte. So z. B. ist das Tabak 172 rauchen in Stätten, Scheuern, beim Heuen tt. streng verboten, sodann ist verordnet, daß in jedem Haus und beziehungsweis in jeder Gemeinde die erforderlichen Lösch- geräthe zu halten sind, daß jedes Gebäude gegen Feuer 172 schaden zu versichern ist. Gegen letztere Bestimmung er 172 hebt sich Pfr. Erni, er wünsche keine Zwangsmaßre 172 geln. Dfls sei zu viel, das sei Regiererei. Ebenso spricht er sich dagegen aus, daß jedeWemeinde eine Spritze haben soll^ mögen sich unter Umständen 2