Jahr erhält. Ein einziges Concert, welches diese Vir 172 tuosen in Leipzig gaben, trug an 7000 fl. ein. — Der reiche Baron Rothschild in Paris hat aus seinem jüngsten Sohn einen Gelehrten gemacht. Als dieser jüngst heim kam und seinem Vater mit Freuden verkündigte, daß er das Doktorexamen glücklich bestanden habe, griff der erfreute Vater in die Chatulle und über 172 gab dem Sohne ein Paquetchen mit den Worten: da, mache dir einen guten Tag. In dem Paquetchen be 172 fanden sich für 50,000 Fr. Banknöten. Der Sohn will damit eine Reise nach Äegypten und in das Land Go- sen machen. — Von dem vertriebenen Großherzog von Tos- kana erzählt man eine edle That. Als er in der Ver 172 bannung hörte, daß ein Theil seiner früheren Unterthanen durch Überschwemmung hart gelitten habe, schickte er sofort 10,000 Fr. zu deren Unterstützung. — In einem Gaschofe in Bamberg wurde einem Reisenden aus Locle in der Schweiz, während er bei Tische saß, sein Uhrenkasten mit 110 goldenen und 60 silbernen Uhren im Werthe von 8000 Gulden aus dem Zimmer gestohlen. Der Dieb, ein kürzlich erst aus dem Münchner Krankenhaus entwichener Verbrecher, Namens Hautmann, wurde Nachts auf dem Bahnhofe Oberhaid erwischt und verhastet. — Was nur der Gans fehlt! sagte die stattliche Frau im Bauernhofe bei Prag; sie watschelt kaum mehr, hängt melancholisch den Kopf und frißt und säuft seit gestern nicht, es ist ihr nicht richtig im Kröpf! Fort mit Schaden, die Leute in der Stadt wissen viel, ob eine Gans gesund oder krank ist. — Die Gans wurde rich 172 tig in Prag um ein Billiges verkauft und die Frau lachte heimlich über die dummen Stadtleute, als sie die schönen Batzen zählte. Wohl bekomms! — Die Stadt 172 frau holte das Küchenmesser, ritsch, ratsch! war der Gans 172 hals durch; was ist das? was klingelts? Da fällts noch einmal klingend auf den Boden — ein, zwei, drei, vier Dukaten; alle funkelnagelneu; noch ein Schnitt in den Hals, da kommt auch das Papierchen- zum Vorschein, in das die Dukaten gewickelt waren und das der Gans den Appetit verdorben hatte. Jetzt lachte die Frau in der Stadt. Aber verrathen wollen wirs der Bauernfrau nicht; denn wir wollen niemand ärgern. — England hat einen seiner Geldkolosse verloren, den Quäker und Brauer Gorney. Der Mann hinter 172 läßt ein Vermögen von wenigstens 21 Millionen fl., die seinen Kunden durch die Gurgel gerollt sind. — Die fetteste Martinsgans hat der Kaiser von Oestreich gegessen und war ein Geschenk der Preßburger Judengemeinde. Alljährlich überbringt eine Deputation der Juden dem Kaiser die Martinsgans, — es ist ein alter Brauch, bei dem beide Theile nicht auf Ablösung antragen. — Das 2. deutsche Bundesschießen wird näch 172 stes Jahr in Bremen gehalten werden und am 16. Juli anfangen. Daö Central-Comite hat drei Aufrufe erlassen: 1. an die deutschen Schützen, 2. an die Deut 172 schen im Auslande, 3. an die Schweizer Schützen, daß sie zahlreich Theil nehmen. Land- und HauswirHschaftliches. Hans- und Flachsbau. In früheren Zeiten wurde hier unvergleichlich mehr Hanf und Flachs gebaut als jetzt. Leider fehlen^ uns dafür die statistischen Belege, aber die Thatsache steht fest. Die Ursache davon ist hier wie anderwärts darin zu suchen, daß die wohlfeilem Baumwollwaaren die theu 172 eren Leinenstoffe verdrängten. Die in den letzten Jahren eingetretene Baumwollenkrisis hat die Baumwollenindu- strie verringert und den Hanf- und Flachsbau wieder in Aufnahme gebracht. Um unsere Landwirthe zu diesem einträglichen Betriebszweige anzueisern, weisen wir auf die volkswirtschaftliche Thätigkeit anderer Gegenden hin und entnehmen der allgemeinen Zeitung folgende Korre 172 spondenz aus dem Großherzogthum Baden. „Der Hanf 172 bau im Großherzogthum nimmt unter den Handelsge 172 wächsen im engern Sinn die dritte Stelle ein und er 172 streckt sich durchschnittlich über 24,000 Morgen mit einem Gesammterträgniß von 2/2 Millionen Gulden im Durch 172 schnitt. In keiner andern Gegend Deutschlands wird besserer Hanf erzeugt als längs des deutschen Ober 172 rheins, insbesondere in den badischen Antheilen der ehe 172 maligen Grafschaft Hanau zwischen Kehl und Rastatt; hier erreicht der' Hanf, insbesondere der sogenannte Schleißhanf, eine Höhe von 10 — 12, selbst bis 15 Fuß und liefert einen Bast, der an Stärke und lichter Farbe dem russischen gleichkommt und an Zartheit ihn noch übertrifft. Der auswärtige Absatz geht hauptsächlich nach dem Niederrhein, nach Holland und England, wo er vorzüglich zu Tauen, aber auch zum Spinnen und Weben verwendet wird. Der diesjährige Ertrag ist sehr befriedigend; die Preise stellen sich zu 16—-22 fl. pr. Centner, was für den Morgen 100—150 fl. abwirft. Um den Umsatz zu Gunsten der Produzenten zu erleich 172 tern, hat man dieses Jahr erstmals eine große Ausstel 172 lung von Hanf in Kork veranstaltet, welche auswärtigen Fabrikanten und Geschäftsleuten Gelegenheit bietet, sich selbst ohne kostspielige Mäkler ihren Bedarf auszuwählen und zu beziehen. Eine in neuerer Zeit in Emmerdingen errichtete mechanische Hanfspinnerei und Weberei ist in gedeihlichem Aufschwung begriffen, ihre jährliche Produk 172 tion ist bereits nahezu auf 300,000 fl. gestiegen." Ist das nicht lockend für Landwirthe und Industrielle?! Unser Land eignet sich so gut wie irgend eines zum Hanf- und Flachsbau. Bei unserer landwirtschaftlichen Ausstellung im vorigen Jahre hat man sehr schönen hier erzeugten Hanf und Flachs gesehen. Es ist nicht über 172 trieben, wenn wir sagen, daß unser Land in diesen Pro 172 dukten fast mit jedem andern concurriren kann. Zur Errichtung einer mechanischen Hanfspinnerei und Weberei fehlte bei uns die Gelegenheit auch nicht. Wir machen unsere Geschäftsleute auf diesen Industriezweig aufmerk 172 sam und wünschen, daß sie den Frauen die Last des Spinnens und Webens abnehmen. Unsern Landwirthen rufen wir zu: Baut Hanf und Flachs. Keßler. Wer sich eine leichtverständliche Zeitung über land 172 wirtschaftliche und andere gemeinnützige Dinge wünscht, dem empfehlen wir die „Bauernzeitung" (Freising