Liechtensteiner Kandeszeitung. ^Hveiter Vaduz, Montag R. den 4. Jänner 1864. Dieses Blatt erscheint monatlich regelmäßig 2m'al, nur zur Zeit der Landtagsverhandlungen öfter, und kostet für das Fürstentum Liechtenstein ganzjährig 1 fl., auswärts 1 fl. 50. — Einrückungsgebühr für die gespaltene Zeile 4 Nkr. — Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion und in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buchhandlung. — Gesetze und Verordnungen erscheinen in einer Beilage, wofür ganzjährig 50 Nkr. ferner zu bezahlen find. Deutschland. j Liechtenstein. Vaduz, 31. Dezember. (Kurze po- ! li tische Rundschau.) Die Bunoeserekution in Hol- ' stein hat auf keinen Widerstand der Dänen zu rechnen; sie ziehen sich im gleichen Schritt zurück, in dem die Bundestruppen vorrücken; sie hegen keine besondere Furcht für den Ausgang des Streites. Die Haltung unserer beiden Großmächte, Oestreich und Preußen, mag ihnen bürgen für eine ähnliche Lösung der Frage wie im Jahre 1852. Blinde Furcht vor einem Volksaufstand treibt die östreichischen und preußischen Diplomaten zu einer kläg 172 lichen Nothstandspolitik, die nur von heute auf morgen sorgt und dadurch die eigene Existenz und Ruhe und? Wohlfahrt des Vaterlands augenscheinlich gefährden muß. Will's Gott, so wird am Bundestag, dem einzigen ge 172 setzlichen Organ der Nation, die Vernunft durchbrechen! Welche Stütze könnte ein Oestreich oder Preußen darin finden, wenn es den Beschluß der am 21. Dezember in Frankfurt versammelten 500 Abgeordneten zum eigenen Programm erheben wollte? Ganz Deutschland würde ihm zujauchzen und alle Fehler vergangener Tage wären verziehen. Aber dazu kann man sich nicht entschließen. Lieber läßt man auf einem Congreß mittels englischer u. französischer Handlanger die Sache aufs Neue verpfuschen. Es ist unbegreiflich, wie so streng legitime Höfe als der Wiener und Berliner dem so gut beglaubigten Fürsten 172 recht des Augustenburgers die Anerkennung verweigern können. Oder ist etwa Preußens König schon so weit fortgeschritten, daß er nur einem durch Volksabstimmung ernannten Fürsten, wie z. B. Napoleon oder Viktor Emanuel die Anerkennung zugesteht? Der Augustenbur- ! ger hat ein klares Erbrecht auf Holstein und Schles- , wig; in ganz Holstein ist er bereits vieltausendstimmig zum Herzog ausgerufen; die deutschen Mittel- und Klein 172 staaten müssen ihn unterstützen, wenn sie nicht wollen, daß das Volk selbst durch Freischaaren zc. diese Unter 172 stützung gewährt; Dänemark ist in sich selbst unems; das Ausland wird, wenn es Ernst gilt, nicht einen Sol 172 daten einsetzen für die Unterstützung der Dänen: und so hoffen wir, daß auch Oestreich und Preußen znletzt mit 172 helfen und daß so der Wunsch der Nation endlich in Erfüllung gehe. — ^ Napoleon lobt wieder einmal den Segen des Frie 172 dens und predigt vor aller Welt seine Friedensliebe. Es glaubt's ihm aber Niemand. Der Geist ist zwar willig — aber Gelegenheit macht den Dieb. — Viel bestere > Gewähr des Friedens schöpfen wir aus den Reden der ! französischen Abgeordneten; aus diesen leuchtet kervor, ^ daß Frankreich den Frieden aufrichtig ^wünscht, weil es ihn unbedingt braucht. Der junge König in Griechenland hat ein saures Amt. Die Griechen möchten ihn nur als Strohmann benützen und ihre Sachen selber machen. Es wäre kein Wuu- der, wenn er in Kurzem des Weges ginge, den er ge 172 kommen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und wär es selbst eine Krone. — Donnerstag, 7. Jänner, Vormittags 10 Ihr ist eine Landtagssitzung, wobei die endgiltige Berathung des ! Zehentgesetzes verhandelt wird. Vorarlberg. Feldkirch, 22. Dezember. Das Hilsskomite für Schleswig-Holstein erläßt einen Aufruf zu Beiträgen um die Lage der schleswig-holsteinischen Be 172 amten Nichter und Lehrer, welche treu am Landesgesetz festhalten, zn erleichtern. — Im Vorarlberg beginnt der Winter und die nahrungslose Zeit bereits in höchst bezeichnender Weise sich zu äußern. In Dornbirn zogen jüngst am hellen Tage vermummte Gestalten in ein Haus uud raubten, was ihnen zur Hand war. Ein noch schlim 172 merer Fall ereignete sich ganz kürzlich. Ein Fuhrmann wurde Abends auf der Dornbirner Straße mit einem Pistolenschuß angefallen, und als derselbe die geboffte Wirkung nicht machte, wurde der Fuhrmann mit Messer 172 stichen traktirt, und liegt nun hoffnungslos darnieder. Etwa 200 fl. Geld sind dem Angefallenen geraubt wor 172 den. — Die große Fabrik in Nenzing läßt gar nicht mehr arbeiten, in Feldkirch wird nur wöchentlich ein paar j Tage gearbeitet, ebenso in den andern Bezirken Vorarl 172 bergs. Die Anzahl der verdienstlosen Arbeiter ist gera 172 dezu beunruhigend. (Ostschw. W.) Feldkirch. Letzten Sonntag Abends zwischen 7 und 8 Uhr brannten in Hohenems zwei Häuser ab. Auch von hier war eine Feuerspritze ausgerückt und hat 172 te schon die Marktgasse erreicht, als die Nachricht ein 172 traf, daß der Brand gelöscht sei. F. Z. Feldkirch, 29. Dez. (Sammlung für Schles 172 wig-Holstein.) Beim hiesigen Hülfskomite sind bis jetzt gegen 500 fl. eingegangen. Es steht zu erwarten, daß die Summe der Beiträge noch bedeutend größer wer 172 de, da der bisherige Betrag nur in Feldkirch und von einer verhältnißmäßig kleinen Anzahl Personen gezeichnet wurde. F. Z.