Christa Mayer Haben sich die Kinder verändert? Haben sich die Kinder verändert? Oft wird mir diese Frage gestellt, nachdem ich fast ein Vierteljahrhun- dert Kinder im Kindergarten betreut habe. Meine Antwort ist ein überzeugtes Nein, denn alle Kinder spielen gern. Spiel ist für sie eine notwendige Tätigkeit. Sie spielen laut oder leise, in Gruppen oder allein, im Haus oder im Freien, mit oder ohne Streit. Kinder sind anpassungs- fähig, Kinder passen ihr Spiel dem jeweiligen Angebot an und das Angebot kommt von Erwachsenen, ist aber deswegen nicht immer zum Wohl des Kindes gemacht. Sehr oft steht hoher Umsatz an erster Stelle und nicht Qualität. Schonungslos ste- hen unsere Kinder heute ei- nem Überangebot und pau- senloser Reklame gegenüber, welche kaum für Erwachse- ne und erst recht nicht für Kinder überschaubar sind. Folgen des Überangebots sind bei den Kindern natür- Christa Mayer. Seit 1972 in Triesen und somit lich «übergrosse Wünsche» und «haben wollen». Wer weiss schon, wo und wann Bescheidenheit und Genugsein beginnen. Kinder spielen mit den Dingen, die man ihnen anbietet. Auch die Kinder von heute kónnen noch mit Steinen, Sand und Holz im Wald und an Báchen wunderbar spielen. Was «in» bzw. «out» ist beim Spielzeugangebot wird vom Umsatz bestimmt. Kindern bleibt dabei nichts anderes übrig, als sich diesem Angebot anzupassen. Und da Kinder ihr Spiel von jeher dem Angebot der Erwachsenen anpassen mussten und es noch heute tun, haben sie sich nicht verándert. Sie passen sich den Veránde- rungen der Gesellschaft an. Fantasie und Kreativität wird oft mit Kinderspielen in Verbindung gebracht: Fantasie und Kreativität heisst nicht, sich etwas aus- denken, es heisst, aus den Dingen etwas machen. (Thomas Mann) Es ist abhángig von den Din- gen, ob ein Kind Kreativität und Fantasie üben kann. Noch ein Geheimtip zum Spielzeug-Einkauf: Nicht von jedem Angebot etwas kaufen, sondern von einem Angebot viel kaufen. dienstälteste Kindergártnerin der Gemeinde. 85