Seit 146 Jahren keine Soldaten mehr erlebt... Einen anderen Aspekt beleuchtet der damalige Schulleiter Walter Kauf- mann aus Schellenberg: „Die Sommerschule, welche am 30. April begann, mußte vom 3. bis 13. Mai wegen Einquartierung der in der Nacht zum 3. Mai über die deutsch-liechtensteinische Grenze gekom- menen Russen eingestellt werden. Vor Wiederbeginn des Unterrichts wurde das ganze Schulhaus gründlich gereinigt und desinfiziert.” Machen wir wieder einen gedanklichen Zeitsprung und versetzen uns in diese Zeit als Beobachter der Situation zurück: Nachdem der Überraschungseffekt etwas abgeklungen ist, steht das Land vor einer schwierigen Aufgabe, die weder Beispiele hat, noch vor- bereitet werden konnte. Für einen Kleinstaat, der annähernd ähnliche Ereignisse, wenn auch negativer Art, nur mehr aus den Geschichts- büchern kannte, sind diese 500 Mann ein technisch-organisatorisches, soziales und auch psychologisches Problem. Zum letzten Mal war Liechtenstein 1799 besetzt gewesen, als der französische General Mas- séna im Zuge der Koalitionskriege nach dem Sieg über die kaiserlichen Truppen in Graubünden mit seiner Hauptmacht durch Liechtenstein zog und bei Feldkirch zurückgeworfen wurde, woraufhin nachrückende ósterreichische Truppen das Land besetzten; und im Spátherbst des glei- chen Jahres kamen die Reste der russischen Truppen des Generals Suworow durch Liechtenstein, an sie hat man wegen ihrer rücksichtslo- sen Verhaltensweise, die das Land schwer ausgeplündert zurücklieB, noch heute in Liechtenstein keine gute ,,Erinnerung". Nochmals rückten Franzosen nach, es gab aber keine Kümpfe mehr auf liechtensteini- schem Boden. Als Mitglied des Deutschen Bundes hatte Liechtenstein 80 Soldaten zu stellen, die das liechtensteinische Kontingent bildeten und 1866 an die Grenze zwischen Tirol und Italien entsandt wurden, in ihrer Stellung auf dem Stilfser Joch aber den Feind nicht zu Gesicht bekamen und nach sechs Wochen heimkehren konnten. 1868 wurde das liechtensteinische Militär durch Fürst Johannes II. endgültig aufgelöst. 1945 ist die Situation, wie aus dem bisherigen Text hervorgeht, eine ganz andere. Das militärische Moment ist nebensächlich geworden, das y