Liechtenstein: die Situation In einem liechtensteinischen Bericht über jene ereignisreichen Tage und das Kriegsende heißt es unter anderem: „Ende April gewahrte man mit Schrecken... die Feuerbrände, welche der Krieg in Lauterach und der Bodenseegegend entfachte. Unter Sirenengeheul und Kanonendonner zog die Kriegsfurie gegen Feldkirch. Allenthalben rüstete man zur Eva- kuierung nach Oberplanken, da man mit der Möglichkeit des Übertritts der SS-Schreckensmänner... rechnete. Doch der rasche Einbruch der Franzosen in den inneren Wallgau, welcher über Amerlügen erfolgte, brachte eine Entspannung, und Glockengeläute verkündete am 8. Mai den Eintritt des Waffenstillstandes. Hilfspolizei und schweizerische Grenzwachtorgane säuberten rasch die Berggegend von einigen ver- steckten SS-Soldaten." — Die Sicherung der liechtensteinischen Landes- grenze zu Vorarlberg, das als österreichisches Bundesland ja durch den „Anschluß” zum Deutschen Reich gekommen war und damit dieses für die Zeit des „tausendjährigen Reichs” zum direkten Nachbarn Liech- tensteins machte, übernahm eine Abteilung der Grenzwachtrekruten- schule Liestal in der Schweiz, weil offizielle Schweizer Truppen im sou- veränen und neutralen Liechtenstein nicht eingreifen konnten und woll- ten. Es waren etwa 100 Mann in Liechtenstein stationiert. Da in Schweizer grenznahen Gebieten verschiedentlich Fehlbombardie- rungen durch Alliiertenbomber passiert waren, suchte man sich in Liechtenstein dagegen zu sichern. Die Regierung hatte deshalb das Auf- stellen großer Markierungen, die aus der Höhe erkennbar sein mußten und die in den Landesfarben gehalten waren, angeordnet. Außerdem wurde die Grenze mit einem fünf Meter breiten Stacheldrahtverhau (Spanische Reiter) gesichert. Die Grenze war bereits am 22. 4. 1945 gesperrt worden, außer bei Schaanwald im genannten Sinne. Durch den Zollvertrag mit der Schweiz war die Grenze zu dieser nach wie vor offen gewesen, aber gegen Ende des Krieges ordnete der Schweizer Bundesrat die Schließung der Grenze von Luziensteig, also zum Süden Liechtensteins hin, bis Altenrhein an; die Rheinbrücken zwischen Bal- 47