Hans Christoph Binswanger/Claus Wepler Marktes zu relativieren, ermöglicht die Realisierung des Subsidiaritäts- prinzips und der darin enthaltenen Forderung nach möglichst weitge­ hendem Schutz nationaler Handlungsmöglichkeiten. Diese sollten zum Erlass strengerer Umweltschutzvorschriften auch im Produktbereich tatsächlich existieren. Evtl. erleichtert dies auch die Durchsetzung des Subsidiaritätsprinzips vor dem Europäischen Gerichtshof. In bezug auf Umweltschutzvorschriften für standortgebundene Pro­ duktionsanlagen wird den Mitgliedstaaten durch das geltende EG-Recht mehr Freiheit gewährt, da national schärfere Vorschriften hier allein zu Lasten der eigenen Wirtschaft gehen und das Prinzip des freien Handels nicht beeinträchtigen. Dafür ist der Widerstand der eigenen Wirtschaft gegen solche Vorschriften, die sich in diesem Fall einem Umweltdum­ ping der übrigen Mitgliedstaaten ausgesetzt sieht, umso grösser. Ein Ausgleich durch eine entsprechende Belastung des Imports und Entla­ stung des Exports von Produkten, die im Inland wegen der Umwelt­ schutzvorschriften teurer produziert worden sind, ist im gemeinsamen Markt nicht möglich. Es stellt sich aber die Frage, ob bei krassen Unter­ schieden eine Kompensation für schärfere Umweltschutzvorschriften durch Steuererleichterungen im Bereich der direkten Steuern, die ja wei­ terhin national geregelt werden, gewährt werden kann. Ohne solche Kompensationen zur Abwehr eines Umweltdumpings ist die Möglich­ keit eines nationalen Alleingangs im Umweltschutz de facto auch hier stark eingeschränkt. Der Subsidiaritätsgedanke kann nur zum Zuge kommen, wenn dem Umweltschutz eine gewisse Priorität vor dem Prin­ zip des einheitlichen Marktes zuerkannt wird. 3. Räumliche Struktur der Umweltkompetenzen Neben dem behandelten Aspekt, dass sich aus der Anwendung des Sub­ sidiaritätsprinzips direkt die generelle inhaltliche Forderung nach einer Aufwertung des Umweltschutzes ergibt, geht es aber auch darum, der Aufteilung der umweltpolitischen Kompetenzen in der Europäischen Union eine an Sachkriterien orientierte Struktur zu geben. Als ein An­ haltspunkt kommt dafür vor allem die räumliche Auswirkung von Um­ weltbelastungen in Frage, die mit bestimmten Produkten oder Produk­ tionsanlagen verbunden sind. Wo sich die Auswirkungen solcher Bela­ stungen, also etwa von Emissionen, in - räumlich - engen Grenzen hal­ ten, sollten nationale Vorschriften den Vorrang haben; auf der Gemein­ 424