I. Subsidiaritätsprinzip und Föderalismus 1. Der Föderalismus, ein vergessenes Kind der modernen Staatslehre a) Der abstrakte und absolutistische Staat der modernen Staatslehre Die moderne Staatslehre. ist immer noch geprägt vom absolutistischen und eindimensionalen Denken, das sich letztlich weitgehend auf Hobbes oder Bodin zurückführen lässt. Diese Staatslehre kennt den Staat auf der einen und das Individuum auf der anderen Seite. Die^ Zwischenformen menschlichen Zusammenseins, sei es in der Familie, in der Firma, im Club oder in der Partei, sei es in der Gemeinde, in der Anstalt, im Kan­ ton oder in der internationalen Gemeinschaft, sind der traditionellen Staatslehre weitgehend unbekannt oder gar fremd,1 weil sie das schöne abstrakte Theoriegebäude, wie es dann letztlich von Kelsen entworfen wurde; weitgehend stören. Diese Staatstheorie kennt nur den Unterschied zwischen dem Staaten­ bund und dem Staat mit nach aussen absoluter und nach innen unteilba­ rer Souveränität. Dieses Konzept stimmt aber mit den heutigen Verfas­ sungen der europäischen Staaten nicht mehr überein, da diese vom Grundsatz der durch die unverzichtbaren Menschenrechte beschränkten Staatssouveränität ausgehen und überdies im Begriff sind, bestimmte Souveränitätsrechte an'die internationale Gemeinschaft abzutreten. b) Die Staatslehre von Althusius Leider konnte sich die Staatslehre eines Althusius, der nach dem Tod von Bodin, aber eine Generation vor Hobbes gelehrt und geschrieben hat, 1 Vgl. dazu im Gegensatz Calhoun, John C.: A Disquisition on Government, 1853 und neuerdings den Osphal Report on Northern Ire lind. A Citizen's Inquiry, Hrsg. Andy Pollak. Dublin, 1993. 323