Peter Kaiser (1793-1864) eine freigebige Hand besass. Er verschenkte seine umfangreiche Bibliothek, ver­ pfändete seine Ersparnisse für andere. Es werden ihm "echte, gewinnende und ver­ söhnende Herzensgüte" nachgesagt, "Reinheit des Charakters und Lebenswandels". Ernst Münch, ein Freiburger Kommilitone, beschrieb ihn als einen Menschen von "trefflichem Gemüthe, von schwärmerischem Wesen und doch dabei sehr geordnetem Verstände, auch dem Humor nicht unzugänglich". Ein Gegner aus der Zeit in Yverdon, der allerdings tief verbittert war und deshalb nicht als unvoreingenommener Zeuge gelten kann, beklagte Kaisers "freche, zu­ dringliche Unverschämtheit", seinen Kitzel, sich in Sachen zu mischen, die ihn nicht angingen, er sei ein "einfältiger Tropf". Der 1872 verstorbene Karl Schädler würdigte Kaiser als liberalen, menschen­ freundlichen Geist, als versöhnlichen Charakter und sittenreinen Mann, als den lie­ benswürdigen, launigen und zum Scherze geneigten Gesellschafter, lobte seine Her­ zensgüte und echte christliche Frömmigkeit. Kaisers Freund Rudolf Rauchenstein attestiert ihm ein "schlichtes, anspruchslo­ ses Wesen, gebildeten reichen Geist", Zuverlässigkeit und ein "gerechtes, mildes Urteil" Er war, wie Martin Bundi feststellte, ein ausgleichender Charakter, ein "Mann der Mitte". Insgesamt bestätigt sich der Eindruck, den der Bündner Historiker Friedrich Pieth gewonnen hatte, dass die Person Peter Kaisers zunehmend mehr gewinne, je mehr man sich mit ihr befasse. Peter Kaiser hat sein Leben als Junggeselle gemeistert, er hat nicht geheiratet und keine Kinder gehabt. Es wird, abgesehen von Nina, einer in Gedichten romantisch beschriebenen Freiburger Jugendliebe, nur von zwei Frauen berichtet, die im Leben des jungen Kaiser ein Rolle spielten. In Yverdon wurde mit Unterstützung Pestalozzis der Plan geschmiedet, Kaiser mit Maria Schmid, der Schwester des Institutsleiters, zu verbinden. Auf einmal, berichtete Kaiser in einem Brief, vernehme er "von der Jungfrau Schmid überra­ schende Worte und Schritte" und er habe sich in seiner Gutmütigkeit fortreissen lassen. Das Projekt, das private und berufliche Interessen verqickte, war von Anfang an nach einer unglücklichen Verkettung von Missverständnissen, Unterstel­ lungen und Vertrauensbrüchen zum Scheitern verurteilt. Von einer Jugendliebe Kaisers während der Wiener Zeit berichtet Ernst Münch. Peter war jahrelang "mit einem Frauenzimmer von vielen Vorzügen und feiner Bil­ dung" bekannt. Die Dame entschied sich jedoch gegen den stellenlosen Liechten­ steiner und für die gesicherte Ruhe an der Seite eines mährischen Hofrates. Zuvor hatte Peter Kaiser laut Münch bei Fürst Johann I. von Liechtenstein wegen einer Anstellung vorgesprochen. Fürst Johann entliess den verliebten Kaiser allerdings nur "mit einem allgemeinen Trost" aus der Audienz, worauf dieser tief verärgert die Türe des Audienzraumes zuknallte und seinem verdutzten Fürsten sowie der Stadt Wien den Rücken kehrte. Dort habe sich damals, fügte Ernst Münch nicht zu Unrecht bei, Peter Kaisers "arbiter vitae" aufgehalten. 25