Arthur Brunhart päischen Integration führen ihn als Zeugen an! Das verwundert nicht weiter, ist Kaiser in Liechtenstein doch eine Identifikations- und Integrationsfigur von ausser­ ordentlicher Bedeutung geworden. An ihr wurde die Kritik klein gehalten, wobei allerdings, um mit Thomas Nipperdey zu sprechen, dem Historiker auch nicht die Aufgabe eines "Staatsanwalts und Richters" zukommt. Die Vergangenheit, schrieb Kaiser wenige Jahre vor seinem Tod, "ist jedem ein Spiegel, der ihm seine Handlungen, Worte und Werke zurückwirft und darin den eigenen Wert oder Unwert, den ganzen geistigen Gehalt kennen lehrt. Wohl dem, der sich gerne darin beschaut und ohne Scham und Reue es kann". Wir wollen sehen, welche Persönlichkeit uns aus diesem Spiegel entgegenblickt, welche Flächen und Kanten wir flüchtig erfassen können. Erwarten Sie nicht zuviel: die personenbezogenen Nachrichten über Kaiser sind spärlich, sie beruhen auf weni­ gen, oft unsicheren Quellen und sind teilweise widersprüchlich. Die Frage nach seiner Person und den privaten Verhältnissen kann nur unzulänglich beantwortet werden. Ein Biogramm Die äusseren Lebensdaten Peter Kaisers sind rasch erzählt. Er wurde am 1. Oktober 1793 in Mauren geboren und verstarb am 23. Februar 1864 in Chur. Sein Grab liegt dort neben der Kathedrale. Nach Schulbesuchen in Mauren und Feldkirch absol­ vierte er das Akademische Gymnasium in Wien und besuchte seit 1814 die dortige Universität. 1817-1819 studierte er in Freiburg im Breisgau Recht, Geschichte, Phi­ losophie und Staatswissenschaften. Seit 1819 lehrte er in der Schweiz an verschiede­ nen Orten in erster Linie Geschichte und Sprachen, so in Privatinstituten in Hofwil bei Bern und in Iferten (Yverdon), schliesslich an den Kantonsschulen Aarau, Disentis und Chur. An diesen öffentlichen Schulen bekleidete er zeitweilig das Amt des Rektors, mit dem damals mehr Bürde als Ehre verbunden war. Kaiser ver­ brachte somit 60 seiner 71 Lebensjahre im Ausland, von wo man ihn 1840 und 1848 für politische Aufgaben nach Liechtenstein berief. 1856 schenkten ihm die Bündner Gemeinde Vigens (Vignogn) und der Kanton Graubünden für seine Verdienste das Bürgerrecht, was gleichzeitig den Verzicht auf die Staatsbürgerschaft Liechtensteins mit sich brachte. Nach seinem Tod geriet Kaiser in Liechtenstein für rund vierzig Jahre bis zu sei­ ner Renaissance im 20. Jahrhundert in Vergessenheit, zumal das Andenken an ihn von den Behörden niedergedrückt wurde und verpönt war. Burschenschaftliche und liberal-demokratische Ideen, die Konfiskation seiner grossen "Geschichte Liechtensteins" 1847 im Fürstentum und seine kurze politische Tätigkeit für das Land hatten ihn suspekt gemacht, förderten andererseits aber das Entstehen eines gewissen Mythos. Für Graubünden ist er der "Erzieher der Bündner Jugend" geworden und der "Historiograph der rätischen Lande", als den ihn der Präsident seiner späteren Heimatgemeinde Vigens bezeichnete. Das Leben Peter Kaisers umspannte einen Zeitraum, der sowohl im Ausland als auch in Liechtenstein die tiefgreifendsten Umwälzungen hervorgebracht hat. Ende des 18. Jahrhunderts war das Fürstentum noch in macherlei Hinsicht in, man wird sagen können, spätmittelalterlichen Verhältnissen gefangen, 1864, im Todesjahr Peter Kaisers, hatte Liechtenstein verschiedene Reformen hinter sich und 1862 eine konstitutionelle Verfassung erkämpft. 16